Ebbe & Flut

Ohne die Gezeiten - Ebbe und Flut - gäbe es kein Wattenmeer. Sie entstehen durch die Gravitation des Mondes.
Gezeitenmodell

Die Gezeiten entstehen einzig und allein durch die Wirkung der Gravitationskräfte des Mondes auf die Erde. Diese Kräfte hängen aber von der Entfernung ab, sind (siehe Zeichnung) bei 1 größer als bei 2 und dort größer als bei 3. Dieses führt zu zwei Flutbergen: auf der mondzugewandten Seite der Erde, also bei 1,  wird das Wasser von der Erde weggezogen, auf der mondabgewandten Seite, bei 3, wird die Erde vom Wasser weggezogen. Beide Flutberge sind auf dem offenen Meer nur etwa einen halben Meter höher als die Ebbetäler.

Die Erde dreht sich bei ihrer täglichen Rotation in 24 Stunden vereinfacht gedacht unter diesen beiden Flutbergen hindurch. Dadurch gäbe es zweimal täglich Hochwasser und zweimal täglich Niedrigwasser. Da der Mond sich aber auch in den 24 Stunden bewegt, dauert es von Hochwasser bis zum übernächsten Hochwasser etwa 24 Stunden und 50 Minuten.

Der Tidenhub (= Unterschied des Wasserstands zwischen Hoch- und Niedrigwasser) ist stark von Küstenform und Lage abhängig. Der relativ große Tidenhub von etwa drei Metern an der deutschen Nordseeküste basiert auf Fernwirkungen aus dem Atlantischen Ozean: die atlantische Flutwelle schwappt vom Westen her durch den Ärmelkanal und zwischen Schottland und Norwegen vorbei in die Deutsche Bucht. Auf Borkum ist daher das Hochwasser etwa sechs Stunden eher als in Brunsbüttel. Der Wasseraustausch der großen Ozeane mit der Ostsee dagegen ist durch Skagerrak und Kattegat nur gering - deshalb sind die Gezeiten an der schleswig-holsteinischen Ostküste kaum bemerkbar, der Tidenhub beträgt dort nur etwa 20 cm.

Ebbe (ablaufendes Wasser) und Flut (auflaufendes Wasser) sind übrigens Zeiträume (Vorgänge), während Hoch- und Niedrigwasser die dazwischen liegenden Zeitpunkte bezeichnen (höchster bzw. niedrigster Wasserstand).