25.09.2018

Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer feiern zehnjähriges Jubiläum

Vom 13. bis 21. Oktober 2018 können Einheimische und Besucher an der niedersächsischen Nordseeküste wieder die Bedeutung des Wattenmeeres für den internationalen Vogelzug zu erleben
Simonas Minkevicius, dreamstime.com

Die Pfuhlschnepfe ist Titelvogel der 10. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.
Foto: Simonas Minkevicius, dreamstime.com

„In nur wenigen Jahren haben sich die Zugvogeltage zu einer eigenen kleinen Jahreszeit bei uns an der Küste entwickelt und sind überregional zu einem Begriff für nachhaltiges Naturerleben geworden“, resümiert Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, am 25. September bei der Vorstellung des diesjährigen Zugvogeltage-Programms im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg. 2008 entstand die Idee, die eigene Begeisterung für Zugvögel und den erlebbaren Vogelzug an der Küste mit vielen Menschen zu teilen – mit Erfolg, wie Südbeck rückblickend feststellt: „Das Programm der 1. Zugvogeltage 2009 umfasste schon über 100 Angebote von etwa 30 Veranstaltern und begeisterte mehr als 2.000 Besucher. Inzwischen sind es fast 70 Veranstalter, die das Programm mit annähernd 300 Angeboten füllen.“ Von 2008 bis 2017 haben rund 100.000 Besucherinnen und Besucher an dem vielfältigen Veranstaltungsprogramm der Zugvogeltage teilgenommen, von denen viele zu Stammgästen geworden sind.

Den Organisatoren der Zugvogeltage geht es aber nicht in erster Linie darum, möglichst viele Menschen an die Küste zu locken, sondern denjenigen, die hier wohnen und Urlaub machen, die Einzigartigkeit und Schutzwürdigkeit der Wattenmeer-Region deutlich zu machen. Dazu passt gut, dass das Wattenmeer 2009 von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt wurde. Ein Kriterium dafür war seine Bedeutung für den Ostatlantischen Zugweg – das zentrale Thema der Zugvogeltage.


Nationalpark-Leiter Peter Südbeck stellte im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg das Programm der 10. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer vor. Partnerland in diesem Jahr ist Guinea-Bissau. Foto: J. Asendorf/NLPV

Um diese Route des Vogelzugs, die sich von Sibirien und Grönland im hohen Norden bis nach Westafrika im Süden erstreckt, zu veranschaulichen, steht bei den Zugvogeltagen in jedem Jahr ein anderes Land auf dem Zugweg im Fokus. Zum diesjährigen Jubiläum konnte Guinea-Bissau als Partnerland gewonnen werden. Das kleine Land an der westafrikanischen Küste beherbergt in dem Bijagós-Archipel eines der wichtigsten Überwinterungsgebiete der Pfuhlschnepfe. Ein Trupp dieser für das Wattenmeer typischen Zugvogelart findet sich nicht nur im Zugvogeltage-Logo, sondern die Pfuhlschnepfe ist auch Titelvogel der 10. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Im Jubiläumsprogramm locken in diesem Jahr viele Veranstalter mit exotisch anmutenden Vortragsthemen und Bildpräsentationen oder sogar westafrikanisch inspirierten Menüs. In Wilhelmshaven kann man sogar selbst guinea-bissauisch kochen (und essen): Die Volkshochschule bietet dort am 13. Oktober zusammen mit der Associação Guinéense de Bremen AGB die Möglichkeit, beim landestypischen Kochen mit Guinea-Bissauern und beim gemeinsamen Essen etwas über das Partnerland der 10. Zugvogeltage und seine Einwohner zu erfahren, wobei natürlich auch die Pfuhlschnepfe zur Sprache kommt.

Um eine Pfuhlschnepfe geht es auch in dem Theaterstück, das von der Jungen Landesbühne Nord in Kooperation mit der Nationalparkverwaltung für die 10. Zugvogeltage entwickelt wurde. Das Ein-Mann-Stück „Solange die Flügel tragen“ hatte am 23. September Premiere im TheOs – Theater im Oceanis in Wilhelmshaven und geht nach zwei Abstechern nach Oldenburg und Bremen (25./26.9.) während der Zugvogeltage auf Tournee an der Küste und auf den Inseln.

Darüber hinaus wurde im Frühjahr der Fotowettbewerb „Kalenderbirds“ unter dem Thema „Zugvögel im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zu allen Jahreszeiten“ veranstaltet. Aus über 400 Einsendungen wurden 39 von einer Fachjury ausgewählte Fotografien auf Facebook vorgestellt. Die Community stimmte dann durch ihre vergebenen „Likes“ über Kalenderblätter und das Titelblatt ab. Als Ergebnis wird am 7. Oktober der allererste Zugvogeltage-Kalender auf der Vernissage der dazugehörigen Ausstellung im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum in Cuxhaven öffentlich präsentiert. Ein Euro aus dem Verkauf jedes Kalenders dient der Unterstützung von Projekten zum Schutz der Zugvögel in den afrikanischen Ländern des Vogelzugs. „Denn ebenso wie das Wattenmeer als Zwischenstopp und Rastgebiet für die Zugvögel unverzichtbar ist, sind es auch die Brutgebiete im hohen Norden und die südlichen Überwinterungsgebiete“, betont Südbeck. Die Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sind somit Bestandteil vielfältiger internationaler Schutzmaßnahmen auf dem Ostatlantischen Zugweg.

Nun kann es also losgehen mit den 10. Zugvogeltagen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Das Programm ist online unter www.zugvogeltage.de/veranstaltungen zu finden, die gedruckte Version – ein Programmheft für jede der Ostfriesischen Inseln und für drei Regionen am Festland – ist kostenlos in den Nationalpark-Informationseinrichtungen und vielen Tourist-Infos erhältlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Lütetsburger Sommerpolder

Dank Meeres-Einfluss und extensiver Weidehaltung bei Gast- und Brutvögeln beliebt: Der Lütetsburger Sommerpolder. Derzeit werden die alten Stacheldraht-Zäune ausgetauscht, unterstützt durch Mittel des UNESCO-Biosphärenreservats.
Foto: Onno K. Gent/NLPV

15.01.2021 Maßnahme zum Artenschutz mit Mitteln des UNESCO-Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer mehr »
Kegelrobben mit Jungtier. Foto: Richard Czeck

Mit etwas Glück - und natürlich aus respektvollem Abstand – lassen sich in vielen Bereichen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer Kegelrobben beobachten. Foto: Nationalparkverwaltung / Richard Czeck

15.01.2021 Kegelrobben Das neue Jahr beginnt mit einer guten Nachricht aus dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Im Rahmen der jährlich stattfindenden Zählung der Kegelrobben zur Wurfsaison im Dezember wurden im Maximum 988 Kegelrobben gezählt, davon 372 Jungtiere - ein neuer Rekord. mehr »

Langeneß und andere bewohnte Halligen gehören seit 2004 ebenfalls zum Biosphärengebiet.
Foto: Stock/LKN.SH

16.12.2020 Biosphärenreservat, Halligen Das „Biosphärenreservat Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“ feiert morgen, am 17. Dezember, seinen 30. Geburtstag. mehr »
Peter Südbeck, Stefanie Lenz und Hannah Wilting (v.l.) präsentieren die Forscherboxen. Foto: Nationalparkverwaltung

Peter Südbeck, Stefanie Lenz und Hannah Wilting (v.l., alle Nationalparkverwaltung) präsentierten die Forscherboxen. Dorothea Seeger (BUND Meeresschutzbüro), Rosanna Schöneich-Argent (ICBM / BUND Niedersachsen) und Svenja Beilfuß (BUND Schleswig-Holstein/ Projekt Bio-Mare) waren online zugeschaltet. Foto: Nationalparkverwaltung

14.12.2020 Plastikmüll, Umweltbildung Plastikmüll im Meer ist ein globales Problem, welches auch vor der deutschen Nordseeküste keinen Halt macht. Mit einer neu entwickelten Meeresmüll-Forscherbox können die Nationalpark-Einrichtungen gut durchdachte, spannende Unterrichtseinheiten für Schulklassen zu diesem Thema anbieten. mehr »

Junger Seehund im Sand | Casper Tybjerg, TTF, Fisheries and Maritime Museum Esbjerg

09.11.2020 Trilaterale Zählungen von Seehunden im Wattenmeer und auf Helgoland im Jahr 2020 mehr »