17.07.2015

Artenvielfalt auf Spiekeroog

Themen: 
Tier- und Pflanzenforscher identifizieren am GEO-Aktionstag 506 Arten auf der ostfriesischen Insel
Mit dem Kescher auf Libellenpirsch

GEO-Tag der Artenvielfalt auf Spiekeroog: Mit dem Kescher auf Libellenpirsch

Der alljährlich bundesweit durchgeführte GEO-Tag der Artenvielfalt ist auch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer längst zu einer festen Einrichtung und einer Art Familientreffen der Forschercommunity geworden: Bereits zum neunten Mal trafen sich auf Einladung der Nationalparkverwaltung Naturbegeisterte und Fachleute verschiedenster Fachrichtungen, um innerhalb eines Tages möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten zu bestimmen.

Erkundungsgebiet war am 11. Juli die ostfriesische Insel Spiekeroog, auf der bereits im Jahr 2010 ein GEO-Tag durchgeführt worden war. Im Nationalpark-Haus und Umweltzentrum Wittbülten begrüßten Hausleiterin Swaantje Fock, Bürgermeister Matthias Piszczan und Nationalpark-Leiter Peter Südbeck über 30 Teilnehmer, die sich anschließend in Gruppen aufmachten, um die verschiedenen Insel-Lebensräume von Meer, Watt und Salzwiese bis hin zu Weiß- Grau- und Braundünen und Kleingewässern mit Keschern, Lupen und Ferngläsern zu erkunden.

Im Gegensatz zu den Vorjahren herrschten diesmal angenehme äußere Bedingungen mit Sonnenschein, ohne Sturm und Regen, was insbesondere den Insektenforschern entgegen kam. So konnte der Schmetterlingsexperte Carsten Heinecke aus Oldenburg einschließlich der am Vorabend kartierten Nachtfalter den Fund von 49 Faltern vermelden - darunter erfreulicherweise auch der Mittlere Perlmutterfalter und der Küstendünen-Kleinspanner, die in der Roten Liste in Niedersachsen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten als stark gefährdet bzw. ausgestorben geführt werden.

Auch die Gruppe der Pflanzenkundler war mit 190 gefundenen Arten sehr erfolgreich, wobei die Funde des Schwarzen Kopfrieds (Schoenus nigricans), das in Deutschland als stark gefährdet gilt, und der Punktierten Segge (Carex punctata), die auf den Ostfriesischen Inseln sonst nur auf Langeoog vorkommt, hervorzuheben sind. Mit dem Grasfrosch war dem Amphibien-Experten Richard Podloucky bereits in der Nacht zuvor ein überraschender Fund gelungen: Dies ist der erste Nachweis dieser Froschart auf Spiekeroog seit 40 Jahren.

Nach sechs Stunden Feldforschung konnten bei der Abschlussbesprechung im Umweltzentrum Wittbülten insgesamt 506 Artenfunde bilanziert werden. Hinzu dürften noch weitere Arten wie z.B. Kleinstkäfer kommen, zu deren Identifizierung spezielle Bestimmungsmethoden im Labor erforderlich sind. Damit übertraf die diesjährige Artenerfassung jene aus dem Jahr 2010, bei der knapp 500 Arten auf Spiekeroog nachgewiesen worden waren. Allerdings sind die bloßen Zahlen nur eingeschränkt vergleichbar und  stellen eher Momentaufnahmen dar, die stark von den gegebenen Witterungsbedingungen, dem tideabhängigen Zeitfenster und den punktuell gewählten Untersuchungsstandorten abhängen.

Entsprechend wies Nationalpark-Leiter Peter Südbeck, der als Ornithologe selbst aktiv am Aktionstag teilnahm, in der Abschlussbesprechung auf die umfassendere Bedeutung solcher lokalen Aktionen hin: „Biodiversität – die Vielfalt der vorkommenden Tier- und Pflanzenarten – war und ist ein Kriterium für die Anerkennung des Wattenmeers als Weltnaturerbe. Weltweit nimmt die Zahl der Tier- und Pflanzenarten jedoch rapide ab. Aktionen wie der GEO-Tag der Artenvielfalt auf Spiekeroog tragen dazu bei, auf die Bedeutung und Schutzwürdigkeit des Artenreichtums im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und Weltnaturerbe Wattenmeer aufmerksam zu machen.“

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