22.06.2018

Artenvielfalt für alle

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des GEO Tags der Natur vor dem Conversationshaus auf Norderney. Foto: Michael Räder

Ob Junior Ranger oder Senior Experte, ob Ornithologin oder Freiwillige: Auch die Teilnehmerschar des GEO Tags auf Norderney repräsentierte eine breite „Artenvielfalt“. Foto: Michael Räder

Am vergangenen Wochenende war die Insel Norderney Treffpunkt für Tier- und Pflanzenarten-Experten aus ganz Niedersachsen und darüber hinaus. Anlässlich des 20. GEO-Tags der Natur fand dort eine von drei Hauptveranstaltungen der bundesweiten Artensuche statt. Aus diesem besonderen Anlass hatte die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer auch Nachwuchsforscher eingeladen: Studierende, Junior Ranger und Freiwillige nutzten am Samstag gern die Chance, mit den „alten Hasen“ über die Insel zu streifen, um die Artenvielfalt zu entdecken und ihre Kenntnisse zu vertiefen.

Insgesamt waren über 90 Teilnehmer*innen am Start, mehr als doppelt so viele wie je zuvor bei den Aktionen zu den GEO-Tagen im niedersächsischen Wattenmeer. Nach der Begrüßung durch Kurdirektor Wilhelm Loth, Nationalparkleiter Peter Südbeck und Svenja Jessen als Vertreterin des GEO-Tag der Natur e.V schwärmten alle gruppenweise in die verschiedenen Lebensräume der Insel aus, um das Arteninventar an Pflanzen, Vögeln, Säugetieren, Insekten, Schnecken, Pilzen und weiteren Artengruppen zu erfassen.

Bei einer öffentlichen Zusatzveranstaltung am Sonntag im Conversationshaus mit Infoständen und allgemeinverständlichen Vorträgen hatten auch interessierte Laien Gelegenheit, sich über die Vielfalt der Arten, ihre Erfassung und Bedeutung zu informieren.

Bei der Inventur am Samstag wurden etwa 850 Arten aus über 20 Artengruppen identifiziert. Gemessen an dem kurzen Zeitfenster, das den Experten zwischen An- und Abreise zur Verfügung stand, eine beeindruckende Zahl. Und die Liste wird noch deutlich länger werden, weil die Experten vor allem ganz kleine Vertreter z. B. der Käfer oder Milben im heimischen Labor mit Spezialgeräten nachbestimmen müssen.

Auch in diesem Jahr gab es wieder zahlreiche Erstfunde, d. h. Arten, die bislang auf Norderney bzw. den Ostfriesischen Inseln noch nicht nachgewiesen wurden. Bei den Landschnecken waren das gleich 15 der 24 an diesem Tag gefundenen Arten, bei den Schmetterlingen neun von 54, darunter der Küstendünen-Kleinspanner, der auf der Roten Liste der bedrohten Arten eigentlich als verschollen gilt. „Das Insektensterben ist auf den Inseln nicht angekommen“ stellte der Experte Dr. Rolf Niedringhaus von der Uni Oldenburg erfreut fest. Negative Einflüsse wie intensive Landwirtschaft und Pestizideinsatz fehlen hier.

Mit Stefan Wirth (Berlin) konnte erstmals ein Kenner der Milbenfauna für den GEO Tag im Wattenmeer gewonnen werden. Die Winzlinge gehören nicht zu den ausgesprochenen Sympathieträgern in der Tierwelt und laut Wirth findet auch das wissenschaftliche Interesse an dieser Artengruppe in Deutschland bislang keine große Unterstützung. In seinem Kurzvortrag über Milben, die auf ihren Wirtstieren reiten, konnte er jedoch dem Publikum ein wenig von der Faszination dieses Mikrokosmos vermitteln.

Der Erfolg der Kartierung hängt wesentlich von äußeren Bedingungen ab. So wurden aufgrund der zurückliegenden Trockenperiode vergleichsweise wenige Pilzarten gefunden, und auch Schnecken- und Amphibienexperten hatten es nicht leicht. Durch die ungünstige Tide (Hochwasser) konnten die Experten für den Benthos (Wattbodenbewohner) mit 40 Arten nur halb so viele entdecken wie erwartet. Insgesamt war das Wetter an diesem Tag – warm und trocken mit leicht bedecktem Himmel – ideal für die Arbeit im Gelände. Das Ornithologen-Team konnte über 100 Vogelarten nachweisen, was innerhalb von sechs Stunden mitten am Tag ein sensationelles Ergebnis nicht nur für eine Insel darstellt.

Der Botaniker Rüdiger von Lemm hatte einige Junior Ranger unter seine Fittiche genommen, die mit Eifer dabei waren – „das stimmt optimistisch für den botanischen Nachwuchs“.

Zum Abschluss bedankte sich Peter Südbeck bei allen, die haupt- und ganz überwiegend ehrenamtlich zu diesem gelungenen Wochenende beigetragen haben. Sein Fazit: „Unsere Ergebnisse belegen eindrucksvoll, wie gut die Lebensräume des Wattenmeeres und ihre Tier- und Pflanzenwelt durch den Nationalpark geschützt sind. Diese Biodiversität und deren Erhalt war ein Kriterium für die Anerkennung als UNESCO-Weltnaturerbe".

Ein besonderer Dank geht an Sonja Wolters, die sich gemeinsam mit ihrem Team vom Watt Welten UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum um den logistischen Rahmen kümmerte, einschließlich stärkender Verpflegung aus nachhaltigen, regionalen Produkten.

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