30.08.2018

Beständigkeit des Wandels: Internationale Experten diskutieren Sedimentdynamik im Wattenmeer

Watt und Priele im Weltnaturerbe Wattenmeer. Foto: Hecker / NLPV

Dynamik pur: Watt und Priele im Weltnaturerbe Wattenmeer. Foto: Hecker / NLPV

Das einzige Beständige am Wattenmeer ist sein stetiger Wandel: Ebbe und Flut, Wind und Wellen gestalten das Watt, die Strände, Dünen und Salzwiesen täglich neu. Diese hohe natürliche Dynamik ist eines der Kriterien für die Anerkennung des Wattenmeeres als UNESCO-Weltnaturerbe und war das Thema des diesjährigen Wattenmeer-Tages. Akteure aus dem Trilateralen Wattenmeer - Fachleute aus den Bereichen Naturschutz, Wissenschaft, Politik und Nichtregierungsorganisationen – diskutierten dazu heute im Wattenmeer Besucherzentrum in Wilhelmshaven.

„Überall dort, wo menschliche Siedlungen und Nutzungen unmittelbar betroffen sind, greift der Mensch in die natürliche Dynamik der Sedimente ein: Küstenschutzmaßnahmen, das Freihalten von Fahrrinnen und Häfen und die Verbringung des Baggerguts beeinflussen geologische und ökologische Prozesse im Wattenmeer“, sagt Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung. „Zwischen der natürlichen Dynamik von Sedimenten und menschlicher Nutzung besteht daher ein sehr starkes Spannungsfeld, das wir mit dieser Fachtagung in den Fokus gesetzt haben.“ Südbeck begrüßte zusammen mit Rüdiger Strempel, Leiter des Wattenmeersekretariats, Uwe Reese, Bürgermeister der Stadt Wilhelmshaven, und Thomas Borchers als Vertreter des Bundesumweltministeriums die etwa 100 Teilnehmer*innen.

Der einleitende Vortrag von Hans-Ulrich Rösner (WWF Wattenmeerbüro, Husum) widmete sich der Frage, wieviele Eingriffe des Menschen durch Sedimentmanagement der Naturraum Wattenmeer verträgt, in dem das Prinzip „Natur Natur sein lassen“ oberste Priorität besitzt. Sein Fazit: „Das geschützte Weltnaturerbe Wattenmeer wird durch Baggerungen und Verklappungen viel zu stark geschädigt. Um nachhaltiger zu werden, müssen die Genehmigungen restriktiver werden und die Schifffahrt muss sich stärker an die Möglichkeiten der Natur anpassen, nicht umgekehrt.“ Jesper Bartholdy (Universität Kopenhagen) erläuterte den Zusammenhang zwischen der Dynamik der Sedimente im Rückseitenwatt und dem Meeresspiegelanstieg im Wattenmeer.

Im zweiten Teil der Vorträge ging es um das Sedimentmanagement. Georg Nehls (BioConsult) gab einen Überblick über Baggerungen und Verklappungen von Sedimenten im Wattenmeer. Robert Zijlstra und Gerard Janssen (beide Rijkswaterstaat, Niederlande) und Martin Baptist (Wageningen Marine Research, Niederlande) berichteten über den Stand der Forschung zu Sandzufuhr und ökologischen Auswirkungen an der Wattenmeerküste. Matthäus Wuczkowski (Niedersachsen Ports) stellte im Anschluss umweltfreundliche Technologien für Unterhaltsbaggerungen vor. Christian Lorenzen (Gemeinde Fanø) schloss die Vortragsrunde und warf einen Blick auf das Sedimentmanagement aus Sicht der dänischen Kommunen.

Die Abschlussdiskussion mit Vertretern der Fischerei, des Küstenschutzes, der Häfen, der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, der Naturschutzverbände und -behörden moderierte Karsten Reise (Alfred-Wegener-Institut). Sein Fazit: „Wir benötigen mehr innovatives Denken, um das Welterbe Wattenmeer durch künftige Eingriffe in die Sedimentdynamik nicht noch mehr zu gefährden.“

Im Anschluss an die Fachkonferenz wurde bei einem Empfang das 40-jährige Jubiläum der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit gefeiert. „Seit 1978 kümmern sich nun Dänemark, Deutschland und die Niederlande gemeinsam um den Schutz und Erhalt des Wattenmeers“, sagt Prof. Karin Lochte, seit Mai 2018 Vorsitzende des Wattenmeerausschusses. „Das ist eine bemerkenswerte Leistung, die den starken Willen der drei Wattenmeerstaaten dokumentiert, dieses einzigartige Gebiet zu erhalten und maßgeblich auch vom persönlichen Engagement zahlreicher Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft getragen wurde und wird. Die Wattenmeer-Community war und ist mit Herzblut bei der Sache.“ Im kommenden Jahr feiert das Weltnaturerbe Wattenmeer sein 10-jähriges Bestehen. Die Aufnahme des Wattenmeers auf die Welterbeliste der UNESCO ist einer der herausragenden Erfolge der Trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit.

Der Wattenmeertag wird seit 2006 jährlich mit einem jeweils aktuellen Themenschwerpunkt gemeinsam von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und dem Gemeinsamen Wattenmeersekretariat veranstaltet.

 
Foto, v.l.n.r.: Martin Baptist (Universität Wageningen), Dr. Gregor Scheiffarth (Forschungskoordination Nationalparkverwaltung), Rüdiger Strempel (Leiter Wattenmeersekretariat), Peter Südbeck (Leiter Nationalparkverwaltung), Prof. Karin Lochte (Vorsitzende Wadden Sea Board) und Hans-Ulrich Rösner (WWF Wattenmeerbüro) erläuterten in einem Pressegespräch die wesentlichen Anliegen des heutigen Wattenmeertages. Foto: Zwoch / NLPV

 

(Gemeinsame Medieninformation der Nationalparkverwaltung Nds. Wattenmeer und des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats vom 30. August 2018)

 

 

 

 

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