20.03.2019

Bundesweites Naturwachttreffen auf Langeoog

Über 150 Rangerinnen und Ranger trafen sich in der vergangenen Woche auf Langeoog zur 25. Fachtagung des Bundesverbandes Naturwacht e. V., die erstmalig von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer ausgerichtet wurde.
Ranger*innen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Langeoog © Nationalparkverwaltung/O. K. Gent

Ranger*innen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Langeoog © Nationalparkverwaltung/O. K. Gent

Ranger, das sind die „freundlichen Gesichter“ der Nationalparks, Biosphärenreservate, Naturparks und anderer Schutzgebiete. Sie haben Obacht über ihre Gebiete, erklären den Menschen die Natur, passen auf, dass der Schutz gesichert ist und arbeiten in vielfältigster Weise daran, Natur in Schutzgebieten zu erhalten und zu verbessern. Einmal im Jahr sind alle eingeladen, sich in einem Schutzgebiet in Deutschland zu treffen und dort sich auszutauschen und gemeinsam zu einem relevanten Thema zusammen zu kommen. Das Thema der diesjährigen Tagung lautete „Tourismus in Schutzgebieten – Herausforderung oder Chance in der Gebietsbetreuung“. An drei Tagen gab es ein vielseitiges Programm für die aus Deutschland, Tschechien, der Schweiz und Österreich angereisten Teilnehmenden. Auch wenn der Rangerberuf eine Vorliebe für die Arbeit in der freien Natur voraussetzt, so war das stürmische norddeutsche Wetter auf Langeoog für manchen eine Herausforderung.

Dennoch ließen sich nur ganz wenige von der langen Anreise abschrecken, mit insgesamt gut 160 Teilnehmenden war die Fachtagung auf Langeoog damit die größte, die es bislang gab. Begrüßt wurden die Rangerinnen und Ranger im Haus der Insel von Carsten Wagner, dem ersten Vorsitzenden des Bundesverbandes, der sichtlich erfreut über die gute Resonanz war: „Es ist wichtig, dass wir Ranger über die Grenzen unseres eigenen Schutzgebiets schauen. So können wir voneinander lernen und holen uns Motivation für die tägliche Arbeit. Dass trotz der „geografischen Extremlage“ auf einer Nordseeinsel so viele Ranger*innen die Fachtagung besuchten, zeugt von der Wichtigkeit dieser alljährlichen Veranstaltung“.   

Ingelore Hering vom Niedersächsischen Umweltministerium, Wittmunds Landrat Holger Heymann und der Bürgermeister von Langeoog, Uwe Garrels sprachen weitere Grußworte und hoben darin die Bedeutung des Rangerberufes als Mittler zwischen Menschen und Natur in bemerkenswerter Weise hervor. Denn, darin waren sich alle einig, Naturschutz, ohne die Menschen einzubeziehen, funktioniere nicht.

Das Tagungsthema wurde in spannenden Fachvorträgen, die ausgehend vom Weltnaturerbe Wattenmeer durch den Nationalpark-Leiter Peter Südbeck in andere Schutzgebiete Deutschlands und bis nach Botswana reichten, wurde das Thema der Tagung nicht nur geographisch von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. Und es wurde deutlich, dass in jedem einzelnen Gebieten, angepasste spezifische Lösungen für die Fachfragen des Naturschutzes und des Tourismus gefunden werden müssen. Dabei ist es klar, dass in vielen Gebieten Naturschutz und Tourismus gut miteinander kooperieren und Natur als wichtigste „Ressource“ von Tourismus geschützt werden muss. In anderen Fällen sind klare Management-Regeln erforderlich, um die Güter der Natur nicht durch zu viel Störungen zu gefährden. In jedem Fall scheint essenziell, dass Einheimische und Gäste kennen wollen, was sie schützen sollen. Eine gute Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit durch die Ranger ist dabei oft entscheidend, Herausforderungen in Chancen zu verwandeln. Dies zeigt vor allem auch das Beispiel des gastgebenden Nationalparks, der in 2015 ein echtes Rangersystem mit überaus positiver Resonanz installieren konnte.

Aufgelockert wurde das Vortragsprogramm durch einige Bewegungsspiele am Strand, die wie die Vor-Ort-Organisation insgesamt die niedersächsischen Ranger unter Koordination von Britta Schmidt organisiert hatten. Um das Leben aus Sicht einiger tierischer Wattenmeerbewohner selber nachempfinden zu können, durften die Gäste zwischen den Vorträgen am Strand selber einmal Teil eines Zugvogelschwarms sein und im Krabbengang durch den Sand laufen.

Am Freitag standen, trotz angesagtem Regen und Sturm, Exkursionen auf dem Programm. So teilten sich die Ranger in drei Gruppen und schwärmten in den Inselwesten, den Inselosten und an die Leybucht aus. Auch, wenn wetterbedingt etwas improvisiert werden musste, so war der Tag voller eindrucksvoller Erlebnisse für die Gäste. Am Nachmittag kam versöhnlich die Sonne heraus, als wolle sie eine Einladung aussprechen, wiederzukommen, ins UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer.

Der Bundesverband Naturwacht e. V. hält seine Tagung jedes Jahr in einem anderen Schutzgebiet ab. Mit der Einführung der Ranger im Niedersächsischen Wattenmeer war schnell klar, dass die Mitglieder des Bundesverbandes dieses attraktive Ziel bereisen wollten. Zur nächsten Fachtagung lädt das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft 2020 nach Bautzen ein.

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