24.08.2017

Der Artenvielfalt auf der Spur

Über 600 Arten beim GEO-Tag der Natur auf der Insel Wangerooge nachgewiesen
Die Bentholog*innen im Einsatz beim GEO-Tag der Natur 2017 auf Wangerooge. Foto: A. Hofmeister/NLPV

Die Bentholog*innen im Einsatz beim GEO-Tag der Natur 2017 auf Wangerooge. Foto: A. Hofmeister/NLPV

Strahlender Sonnenschein über der Insel, etwa 70 gut gelaunte Teilnehmer*innen und 640 erfasste Tier- und Pflanzenarten stehen für den diesjährigen Aktionstag am 19. August 2017 auf Wangerooge zu Buche. Bereits zum zehnten Mal und nach 2008 das zweite Mal auf Wangerooge hatte die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer zahlreiche Artenfachleute für Fauna und Flora eingeladen, um in einer Momentaufnahme die Artenvielfalt jeweils einer Ostfriesischen Insel zu dokumentieren. Bis zum letzten Jahr war die Veranstaltung unter dem Namen GEO-Tag der Artenvielfalt bekannt.

Beim morgendlichen Treffen im Nationalpark-Haus Wangerooge wurden die Teilnehmer*innen von Hausleiterin Silke Schmidt und Bürgermeister Dirk Lindner willkommen geheißen. Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung, hob in seiner Begrüßung die hohe Zahl der angemeldeten Teilnehmer*innen sowie die bemerkenswerte Altersspanne hervor: Neben versierten Artenfachleuten waren in diesem Jahr zum ersten Mal auch zehn Junior Ranger aus dem Nationalpark mit von der Partie, die jüngsten von ihnen neun Jahre alt. Gemeinsam machten sie sich einen Tag lang auf die Suche nach Pilzen, Moosen, Pflanzen der Salzwiesen und Dünen, verschiedensten Wattboden-Bewohnern, Käfern, Heuschrecken, Libellen und Schmetterlingen, Schnecken, Lurchen und Kriechtieren, Vögeln sowie Säugetieren.

Am späten Nachmittag, nach der Rückkehr aus dem Gelände, wurden in einer Abschlussbesprechung im Nationalpark-Haus Wangerooge die Ergebnisse der einzelnen Gruppen zusammengetragen. Weitere Arten werden innerhalb der kommenden Tage noch im Labor nachbestimmt werden.

Ein besonderer Fund für die Fachgruppe Pilze war der Gewimperte Stielbovist unter rund 50 entdeckten Arten. Dieser ist eine in Niedersachsen sehr seltene Art, die nun zum ersten Mal auf Wangerooge entdeckt wurde. Insgesamt war die Artenzahl für die Jahreszeit durchaus ansehnlich.

Als Moos-Spezialistin war Monika Koperski zum wiederholten Male beim GEO-Tag dabei und konnte 43 Arten nachweisen. Unter den gefundenen Arten waren sechs Erstnachweise für die Insel Wangerooge wie Orthotrichum pulchellum.

Auch die Botaniker*innen zeigten sich zufrieden mit 224 gefundenen Arten, darunter zum Beispiel der Zwerg-Lein und das Kleine Tausendgüldenkraut.

Die Bentholog*innen, auf der Suche nach den Lebewesen, die im und auf dem Boden der Nordsee leben, zeigten ganz besonderen Einsatz: Normalerweise eignet sich zur Probenahme die Zeit des Niedrigwassers; zum Zeitpunkt der Untersuchung herrschte jedoch hauptsächlich Hochwasser. Also stieg Detlef Henning mit Schnorchel ins Wasser, um an weiteres Material zur Bestimmung zu gelangen. Zum Abend waren 55 Arten sicher.

Die Käferexperten hatten aufgrund der späten Jahreszeit eher geringe Erwartungen an diesem Tag. Immerhin 80 Arten konnten nachgewiesen werden, inklusive einiger neuer Arten für die Insel Wangerooge.

Acht Heuschreckenarten wurden ebenso bestätigt wie zehn verschiedene Libellenarten. Besonders ungewöhnlich für diese Jahreszeit war dabei die Beobachtung eines relativ frisch geschlüpften Exemplars der Frühen Heidelibelle, was einen der wenigen Nachweise für die Reproduktion dieser Art auf den Ostfriesischen Inseln darstellt.

Die Schmetterlingsfachgruppe um Carsten Heinecke und Peter Pauschert war wie immer nicht nur am Tage, sondern auch schon in der vorangegangenen Nacht auf der Suche nach Faltern unterwegs. Insgesamt wurden 49 Großschmetterlinge nachgewiesen, darunter fünf Erstnachweise für die Insel.  Der kleine Wacholder-Blütenspanner wurde beim nächtlichen Falterleuchten erstmals für die Ostfriesischen Inseln festgestellt.

Die Schneckenexperten berichteten von 25 gefundenen Arten, darunter drei, die erstmalig auf Wangerooge nachgewiesen wurden: der Bierschnegel, die Gefleckte Weinbergschnecke und die Gemeine Windelschnecke.

Die Experten zum Thema Amphibien konnten Kreuzkröten und Grasfrösche auf der Insel ausfindig machen.

Die Ornithologen, die in drei unterschiedlichen Gruppen unterwegs waren, konnten insgesamt 84 Vogelarten auf ihrer Liste verzeichnen und zeigten sich besonders erfreut über Sichelstrandläufer und Kampfläufer. Über dem Meer konnten auch Basstölpel beobachtet werden.

Die Säugetierspezialisten hatten vier Fledermausarten zu vermelden (u. a. Rauhaut- und Breitflügelfledermaus) sowie Waldmaus, Hase, Bisam, Hausspitzmaus und Igel.

Der Einsatz der Expert*innen erfolgt beim GEO-Tag der Natur ehrenamtlich. Umso mehr freuten sie sich auch dieses Mal über die tolle Organisation und den Austausch in  entspannt-familiärer Atmosphäre. Zum Abschluss betonte Peter Südbeck, wie beeindruckend und wertvoll der Einsatz aller Beteiligten für die Erfassung der Biodiversität im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer seit Jahren sei und dankte ihnen für ihr großes Engagement. Die Bereitschaft, das Wissen an die nächste Generation weiterzugeben und Begeisterung für die Vielfalt in der Natur zu vermitteln, sei eine wesentliche Grundlage zum Verständnis und zur Erhaltung der globalen Biodiversität.

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