15.06.2017

Ein Refugium für Wiesenvögel

Öffentliche Informationstage zum LIFE-Projekt „Wiesenvögel“ auf Borkum
Uferschnepfe. Foto: G. Reichert/NLPV

Die Uferschnepfe ist eine der Zielarten des LIFE-Projektes „Wiesenvogelschutz“. Für sie wurden die Grünland-Lebensräume auf Borkum auf einer Fläche von 250 ha optimiert. Foto: G. Reichert/NLPV

Im Bereich des Tüskendörsees auf Borkum sind von September bis Dezember 2016 umfangreiche Baumaßnahmen zum Wiesenvogelschutz im Rahmen des EU-geförderten LIFE-Projekts „Wiesenvögel“ umgesetzt worden.

Am 9. und 10. Juni luden die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die interessierte Öffentlichkeit dazu ein, sich vor Ort über die umgesetzten Maßnahmen und bereits sichtbare Erfolge zu informieren. Die Schutzhütte am Ostlandweg bot dabei einen guten Einblick in die Projektflächen, auf der Uferschnepfen, Rotschenkel und andere Wiesenvögel, teilweise brütend oder bereits mit Jungen, zu beobachten waren. An den beiden Tagen nahmen rund 160 Besucher dieses Angebot zur Information und zum Naturerleben wahr. Insbesondere Urlauber zeigten sich begeistert von der zu beobachtenden vielfältigen Vogelwelt und gaben vielfach Naturerlebnisse wie diese als Grund an, ihren Urlaub auf Borkum zu verbringen.

Auch Vertreter der Lokalpolitik, der Jägerschaft, der Naturschutzverbände und Flächenpächter besuchten die Informationstage, um sich mit den Projektmitarbeitern der Nationalparkverwaltung und des NLWKN über die Umsetzung der Maßnahmen auszutauschen. Aus Hannover angereist war Dr. Stefan Heitefuss, im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz zuständig für das EU-Umweltprogramm LIFE. „Es war für mich sehr eindrucksvoll, mich einmal selbst vom Projektfortschritt auf Borkum überzeugen zu können, aber auch die nach wie vor sehr lebhaften Diskussionen über das Projekt mitzuerleben“, erklärte Heitefuss. Wichtig sei, in einem konstruktiven Dialog gemeinverträgliche Lösungen anzustreben.

Im Nationalpark Wattenmeer gilt das Motto „Natur Natur sein lassen“. Aber anders als in den übrigen Lebensräumen wie Dünen oder Salzwiesen sind pflegende Maßnahmen für den Erhalt und die Entwicklung des Grünlands aus Naturschutzsicht unbedingt erforderlich. Die extensive Rinderbeweidung zählt wesentlich dazu. Nur so lässt sich der offene Landschaftscharakter zum Wohl von Orchideen und Wiesenvögeln erhalten und entwickeln. Zudem benötigen Wiesenvögel feuchtes Grünland für die Nestanlage, Nahrungssuche und Jungenaufzucht. Um den Lebensraum der Wiesenvögel in den Borkumer Außenweiden entsprechend zu optimieren, sind hier im vergangenen Jahr über 100 Einzelmaßnahmen umgesetzt worden. Diese bestehen zum einen aus Vorrichtungen zur kontrollierten Wasserrückhaltung im Projektgebiet. Denn nur bei feuchtem und weichem Boden erreichen Wiesenvögel wie die Uferschnepfe mit ihrem langen Schnabel die im Boden lebenden Kerbtiere, Asseln und Würmer. Zum anderen fühlen sich die Wiesenvögel nur auf relativ kurzrasigem, offenem Grünland ohne Gehölzstrukturen sicher genug vor Raubtieren, um zu brüten und ihre Jungen aufzuziehen. In Teilen des rund 250 Hektar umfassenden Projektgebiets wurden deshalb mit Augenmaß Gehölze entfernt. Zudem sorgt eine extensive Beweidung mit Robustrindern dafür, dass die Flächen nicht verbuschen und das Gras kurz bleibt. Dass sich die Brutvögel und Rinder dabei nicht „ins Gehege“ kommen, konnten die Besucher der Informationstage ebenfalls miterleben.

Hochzufrieden mit dem Fortschritt des Projekts zeigte sich Arndt Meyer-Vosgerau, stellvertretender Leiter der Nationalparkverwaltung. „Bereits im ersten Jahr haben sich die Maßnahmen für die Brutvögel auf den Borkumer Außenweiden positiv auswirkt. So können wir beispielsweise bei den Uferschnepfen einen hundertprozentigen Schlupferfolg verzeichnen.“ Zwar seien noch Spuren der durchgeführten Baumaßnahmen sichtbar, jedoch regenerierten sich diese Bereiche schnell. „Ziel des Projekts ist die langfristige Optimierung der Lebensbedingungen für die Wiesenvögel auf Borkum“, erklärte Meyer-Vosgerau. „Die umgesetzten Maßnahmen tragen bei zur Stabilisierung der Brutbestände der vom Aussterben bedrohten Uferschnepfe und anderer Wiesenvögel.“

Über das LIFE+-Projekt „Wiesenvogelschutz in Niedersachsen“

Die durchgeführten Baumaßnahmen wurden mit Mitteln des LIFE-Projekts „Wiesenvögel“ realisiert, das zu 60 Prozent aus EU-Mitteln und zu 40 Prozent aus Landesmitteln sowie Mitteln des Landkreises Leer und der Naturschutzstiftung Emsland finanziert wird. Niedersachsen ist das deutsche „Wiesenvogelland“. Hier brüten zwei Drittel aller Uferschnepfen und etwa die Hälfte der Großen Brachvögel und Rotschenkel. Daher hat Niedersachsen eine besondere Verantwortung beim Wiesenvogelschutz. Das LIFE-Projekt hat den Schutz aller Wiesenvögel zum Ziel, wobei die Uferschnepfe und der Wachtelkönig im Mittelpunkt der Schutzbemühungen stehen. Insgesamt brüten im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer etwa 180 Paare der Uferschnepfe, was 10 % des Landesbestandes entspricht. Davon beherbergt Borkum in diesem Jahr mit knapp 50 Brutpaaren einen hohen Anteil und ist somit für den Schutz der vom Aussterben bedrohten Uferschnepfe von hoher Bedeutung. Durch das EU- Finanzierungsinstrument LIFE werden EU-Vogelschutzgebiete und FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitate) im europäischen Netz NATURA 2000 gesichert.

Gemeinsame Medieninformation der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)

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