08.06.2016

Eine Festung für den Löffler

Bei der jährlichen Erfassung von Brutvögeln im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer entdecken Vogelzähler eine neue Löffler-Kolonie.
Löffler-Kolonie auf Langlütjen II

Auf der Ruine der Festungsanlage Langlütjen II brütet eine Löffler-Kolonie. Foto: G. Reichert/NLPV

Bei einem Zählflug am 19. Mai konnten der Ornithologe Dr. Dietrich Frank und Gundolf Reichert, Brutvogelexperte der Nationalparkverwaltung, in der alten Festungsanlage Langlütjen II in der Außenweser eine Löffler-Kolonie entdecken. Aus der Luft ließen sich einige der auffällig weißen Vögel beobachten und fotografieren. Auch Nester wurden vom Flugzeug aus entdeckt – es war somit klar, dass diese Vögel auf Langlütjen II nicht nur rasten, sondern tatsächlich brüten. Dr. Frank, der im Auftrag der Staatlichen Vogelschutzwarte die Erfassung vom Flugzeug aus durchführt, konnte bei der Auswertung der Aufnahmen 33 Löffler und mindestens elf Nester zählen.

Ganz überraschend kam für die Ornithologen diese Ansiedlung nicht, nachdem sich bereits in den Vorjahren auf dieser sehr untypischen künstlichen Insel eine kleine Kolonie von Silber- und Heringsmöwen und sogar Flussseeschwalben angesiedelt hatten. Löffler brüten gerne vergesellschaftet mit Möwen und anderen Seevögeln. In den Vorjahren hielten sich auch bis in die Brutzeit hinein immer wieder kleine Trupps von Löfflern auf der Festungsinsel und in den umliegenden Wattgebieten und Prielen auf. Dabei rasteten nach der Brutzeit auch Löffler und ihre flüggen Jungvögel aus anderen Kolonien hier, wie z.B. von der knapp 30 km entfernten Vogelinsel Mellum, wo es eine große Kolonie mit über 100 Paaren gibt.


Der Löffler siedelt seit den 1990er Jahren im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Foto: M. Hillmann

Hintergrund

Der Löffler gehört zur Familie der Ibisse und ist etwa 80 cm lang. Namensgebend ist sein löffelartiger Schnabel. Dieser dient zur Nahrungsaufnahme in flachem Wasser, indem der Löffler, seinen Kopf hin und her bewegend, den Schnabel pendelnd durch Wassers führt und dabei Krabben, Krebse und Fische erbeutet.

Nach früheren Ansiedlungsversuchen kam es ab 1995 zu einer dauerhaften Ansiedlung des Löfflers im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, zunächst auf der Vogelschutzinsel Memmert, im Jahr darauf auf Mellum. Ab 1999 kam es zu einer Ausbreitung auf die bewohnten Ostfriesischen Inseln. Im Jahr 2014 betrug der Brutbestand im Nationalpark 594 Brutpaare. Die Koloniestandorte der Löffler liegen gut geschützt in Salzwiesen, häufig in oder am Rand großer Kolonien von Silber- und Heringsmöwen.

Die Dauerbeobachtung (Monitoring) der Brutbestände von Küstenvögeln ist eine wichtige Aufgabe, um unter anderem den Zustand der Vögel und des Wattenmeeres beurteilen zu können. Abgelegene Bereiche wie die Ostenden der Ostfriesischen Inseln, unbewohnte Inseln, Sandplaten oder verlassene Seezeichen werden dabei auch vom Flugzeug aus erfasst. Sie werden niedrig überflogen, ohne dass die die Vögel dabei gestört werden. Dabei werden Fotos der Kolonien gemacht, die später am Computer ausgezählt werden. Im Nationalpark werden so die Bestände von Kormoranen, Silber- und Heringsmöwen, Lach- und Sturmmöwen, Brandseeschwalben und eben Löfflern erhoben.

Langlütjen II ist ein künstliches Bauwerk, das im 19. Jahrhundert als Festungsinsel zum Schutz der Wesermündung errichtet worden war. Langlütjen II ist unbewohnt, befindet sich in Privatbesitz und liegt in der Zwischenzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer.

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