21.08.2018

Gemeinsam für weniger Müll im Weltnaturerbe

Soltwaters e.V. sammelt zusammen mit Mellumrat e.V. und Nationalparkverwaltung Müll auf Minsener Oog
Rund 50 große und kleine Helfer waren an der Müllsammlung auf Minsener Oog beteiligt.

Rund 50 große und kleine Helfer waren an der Müllsammlung auf Minsener Oog beteiligt. Foto: Carius/NLPV

Am Samstag, den 18. August 2018 säuberten 50 freiwillige Helferinnen und Helfer der Soltwaters e.V. Interessenvertretung der Wattfahrer in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und dem Mellumrat e.V. den Strand von Minsener Oog von angeschwemmten Müll.

Bereits vor zwei Jahren gab es eine gemeinsame Müllsammelaktion auf der unbewohnten, der Jademündung vorgelagerten Insel. Bis auf einen kleinen Teil im Süden gehört sie zur streng geschützten Ruhezone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer.

Im letzten Jahr widmete sich der zweite kooperative Einsatz der Soltwaters e V., des Mellumrats und der Nationalparkverwaltung der Ostspitze der Insel Wangerooge, wo der gesammelte Müll – überwiegend Netzreste, Glasscherben und Eisenteile – acht Müllsäcke und zwei Strandmüllboxen füllte.

Vergangenen Samstag fand nun die dritte Müllsammelaktion erneut auf Minsener Oog statt. 16 Schiffe liefen die Insel bei herrlichem Sommerwetter an und ließen sich trockenfallen. Darunter war auch das Traditionssegelschiff „FRANZIUS“ des Vereins Weserkahn e. V., der Anfang dieses Jahres als Nationalpark-Partner zertifiziert worden ist. Während des Niedrigwassers wurden der Strand – und dort insbesondere alte, ungenutzte Schienenstränge auf der Ostseite der Insel sowie Teek-Ablagerungen (angeschwemmte Pflanzenreste) auf dem Strandwall im Norden – von Tauen und Netzen befreit. Die Netz- und Seilteile konnten durch mitgebrachtes Schneidwerkzeug wie z. B. große Drahtscheren und Akkuflex-Geräte effektiv beseitigt werden. Der überwiegende Teil des eingesammelten Mülls stammt aus der Fischerei (Netzteile) oder von Frachtschiffen (Reste von Festmacherleinen). Auf den Teek-Flächen im Norden fand sich primär umfangreicher Hausmüll (Plastiktüten, Eimer, Plastik-Planen, Plastikflaschen, Sprayflaschen, Luftballonhalter, Textilien etc.) und konnte leider nicht vollständig aus dem Teek gesammelt werden. In 15 sogenannten BigBags befanden sich am Ende des Tages ca. 15 Kubikmeter Müll. Der Abtransport des Mülls zum Festland erfolgt durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Wilhelmshaven, die Entsorgung durch die Nationalparkverwaltung.

Für die Nationalparkverwaltung und den Mellumrat, der die Insel im Auftrag der Nationalparkverwaltung naturschutzfachlich betreut, stellt die gemeinsame Initiative mit der Soltwaters e.V. eine wichtige Stütze zum Schutz der einzigartigen Natur im Weltnaturerbe Wattenmeer dar. Die durch den Menschen aufgespülte und befestigte Insel Minsener Oog ist ein bedeutendes Rast- und Nahrungsgebiet für eine Vielzahl an Watvögeln sowie Brutbereich gefährdeter Strandbrüter. Der angeschwemmte und im Meer treibende Müll erweist sich für sie allerdings als eine ernstzunehmende, oft tödliche Gefahr: Vögel und Meeressäuger verfangen und strangulieren sich an Netzen oder nehmen Müllteile als vermeintliche Nahrung auf. Gemeinschaftlich organisierte Müllsammelaktionen sollen konkret solchen fatalen Folgen vorbeugen und die Öffentlichkeit auf diese weitreichende Problematik sensibilisieren. Unter den Freiwilligen befanden sich auch zehn Kinder, die begeistert mitgesammelt haben und durch die Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung vieles über den Naturschutz gelernt und Anregungen zur Müllvermeidung erhalten haben.

Alle Beteiligten zeigten sich sehr zufrieden mit dem Ablauf der Aktion – keiner hatte damit gerechnet, in vier Stunden so viel Müll zu sammeln. Zudem können Funde von vier  Holzdriftern gemeldet werden, die Wissenschaftler der Uni Oldenburg im Rahmen des Projekts „Makroplastik in der südlichen Nordsee – Quellen, Senken und Vermeidungsstrategien“ ausgebracht hatten, um die Verteilung des Meeresmülls im Wattenmeer zu erforschen.


Gregor Scheiffarth von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer klärte die Mitglieder von Soltwaters e.V. über die Auswirkungen von Müll auf die Meeresumwelt auf und dankte für ihren tatkräftigen Einsatz. Im Hintergrund das Nationalpark-Partner-Schiff „Franzius“. Foto: Carius/NLPV

Meeresmüll – ein globales Umweltproblem

20.000 Tonnen Müll gelangen schätzungsweise jährlich in die Nordsee, 600.000 Kubikmeter liegen bereits auf ihrem Grund. 70 % der Abfälle sinken zu Boden, von den restlichen 30 % wird etwa die Hälfte an den Stränden angespült, die andere Hälfte treibt an der Wasseroberfläche und in der Wassersäule. Durchschnittlich treiben 13.000 Plastikmüllpartikel auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche, pro 100 Meter Nordseestrand sind mehr als 700 Müllteile zu finden, drei Viertel davon Plastik und Styropor. Plastik wird in kleinste Partikel zerrieben, die in der Nahrungskette angereichert werden mit im Umfang kaum abschätzbaren Folgen auch für uns Menschen. Die Bekämpfung von Meeresmüll steht daher ganz oben auf der Agenda des niedersächsischen Meeresschutz-Programms.

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