11.08.2017

Globales Engagement für das Weltnaturerbe Wattenmeer

16 junge Menschen aus sieben Ländern kamen zu einem zweiwöchigen Naturschutz-Einsatz nach Wangerooge

Hoch motiviert: Die jungen Freiwilligen der ijgd-Gruppe zusammen mit den gleichaltrigen Naturschutzwarten des Mellumrates, herzlich begrüßt von Freiwilligen-Koordinatorin Imke Zwoch (links), Mellumrat-Geschäftsführer Mathias Heckroth (5.v.r.) und Bürgermeister Dirk Lindner (rechts). Foto: NLPV

Jetzt im August zeigt sich die Küstenheide westlich des Inseldorfes auf Wangerooge in schönster violetter Blütenpracht. Für Alejandro aus Spanien, Avery aus den USA, Ilya aus Russland und Shuang aus China ist das die allerbeste Motivation, um freiwillig in den Ferien hier zu schuften, während andere Urlaub machen. Zusammen mit zwölf weiteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus den genannten Ländern sowie Italien, Österreich und Deutschland sind sie auf Einladung der Nationalparkverwaltung auf die ostfriesische Insel gereist, um durch gezielte Pflegemaßnahmen die Standortbedingungen für besondere, seltene und geschützte Pflanzenarten des Heidegebietes zu verbessern.

Eingeschleppte Gehölze wie Spätblühende Traubenkirsche und Kartoffelrose (Neophyten) drohten langfristig die lichtbedürftigen typischen Arten der Heidegesellschaft zu überwuchern. Seit 2010 sind regelmäßig Gruppen der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) dort im Einsatz, um die invasiven standortfremden Gehölze und deren Sämlinge zu entfernen. In anderen Jahren wurden auch Kleingewässer im Heidegebiet aufgereinigt, so dass seltene Tier- und Pflanzenarten dort wieder einen optimalen Lebensraum finden.

Das Gemeinschaftsprojekt von Nationalparkverwaltung und ijgd wird vom Mellumrat e. V. und der Inselgemeinde unterstützt. Die orts- und sachkundigen Naturschutzwarte des Mellumrates begleiten die jungen Freiwilligen während der gesamten zweiwöchigen Einsatzzeit. Die Inselgärtnerei kümmert sich um Abtransport und Entsorgung der entfernten Gehölze. Auch in diesem Jahr war Bürgermeister Dirk Lindner persönlich vor Ort, um gemeinsam mit Imke Zwoch, Freiwilligen-Koordinatorin bei der Nationalparkverwaltung, die fleißige Gruppe persönlich willkommen zu heißen und ihnen für den Einsatz zu danken. Besonders freuten sie sich, den 20jährigen Florian aus Österreich wiederzutreffen, der schon im letzten Jahr dabei war und gern nach Wangerooge zurückgekehrt ist.

Als wichtige Unterstützung für das Projekt werten Zwoch und Lindner auch die Berichterstattung der lokalen und regionalen Medien. „Manche Insulaner und auch Gäste waren anfangs skeptisch gegenüber den ungewohnten Maßnahmen im vertrauten Heidegebiet“ erinnert sich Imke Zwoch. „Es war uns wichtig, allen zu vermitteln, was dort geschieht und warum.“ Bald ließen sich erste Erfolge beobachten, über die dann fortlaufend berichtet wurde. Nicht nur die Besenheide, auch andere Arten erholten sich von Jahr zu Jahr mehr im Bestand. „Aktuell zeigt sich die Heide großflächig in ihrer schönsten Farbe und macht so den Teilnehmern des Workcamps deutlich, warum sich ihr Einsatz – und der ihrer Vorgängergruppen – gelohnt hat“, freut sich Dirk Lindner.

Ein schöner, erwünschter Nebeneffekt ist, dass der Naturschutz durch solche Einsätze Jugendliche aus der ganzen Welt zusammenbringt – Globalisierung im besten Sinne.

Das Projekt wird in diesem Jahr von der Naturschutzstiftung Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven und dem ijgd- Sponsor JCI finanziert. „In jedem von JCI geförderten Workcamp werden von uns fünf Plätze für Jugendliche aus aller Welt reserviert, die aus Mitarbeiterfamilien von JCI kommen“, berichtet Hilke Steevens, Projektreferentin beim ijgd-Landesverein Niedersachsen e.V. (Hildesheim). „So erreichen wir mit unseren Camps Jugendliche, die sich sonst nicht zu solch einem Freiwilligendienst angemeldet hätten. Viele von ihnen nehmen an weiteren Camps teil und einige sind inzwischen auch ijgd-Workcamp-Gruppenleiter.“

Das könnte Sie auch interessieren

Das Wattenmeer aus der Luft betrachtet. Foto: Norbert Hecker / Nationalparkverwaltung

Das Wattenmeer aus der Luft betrachtet. Foto: Norbert Hecker / Nationalparkverwaltung

18.04.2019 Weltnaturerbe Anlässlich des 10. Geburtstages unseres Weltnaurerbes gibt es im niedersächsischen Wattenmeer zahlreiche Veranstaltungen, die sich vor allem dem Weltnaturerbe-Erlebnis mit allen Sinnen widmen: fühlen, riechen, hören, sehen, schmecken. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Dunkel-Wattwanderung mit verbundenen Augen? mehr »

Seetierfang mit dem Nationalpark-Ranger Martin Kühn auf einem Nationalpark-Partner-Ausflugsschiff. ©Stock/LKN.SH

16.04.2019 Reedereien, Nationalpark-Partner, Naturerlebnis Nun stechen auch sie wieder in See, die Ausflugsschiffe, mit denen man den Nationalpark und seine Tierwelt entspannt von Bord aus erkunden kann. Etliche der Reedereien an der Westküste sind Nationalpark-Partner. mehr »
Referent*innen des Schweinswalsymposiums in Wilhelmshaven. Foto: Nationalparkverwaltung

Referent*innen des Schweinswalsymposiums in Wilhelmshaven. Foto: Nationalparkverwaltung

12.04.2019 Schweinswale Im Rahmen der 3. Wilhelmshavener Schweinswaltage trafen sich über 40 Vertreter*innen aus Forschung, NGOs und Politik aus den Wattenmeer-Anrainerstaaten zur Konferenz „Sonnige Zukunft? Schweinswale im Wattenmeer“ in Wilhelmshaven. In einem anschließenden Workshop wurden Empfehlungen an die Trilaterale Zusammenarbeit formuliert. mehr »
Schweinswal. Foto: Annemieke Podt

Schweinswal. Foto: Annemieke Podt

10.04.2019 Schweinswaltage, Weltnaturerbe In diesem Jahr feiert das Wattenmeer das 10-jährige Jubiläum seiner Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste. Das Jahresprogramm zu diesem Jubiläum startet in Niedersachsen mit den Wilhelmshavener Schweinswal-Tagen. Vom 11. bis zum 18. April 2019 gibt es dazu mehr als 40 Einzelveranstaltungen in der Jadestadt. mehr »

©Imke Zwoch/Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer

09.04.2019 Drohnen Laut einer seit April 2017 geltenden Bundesverordnung ist der Einsatz von Drohnen, egal ob zu gewerblichen oder privaten Zwecken, im Nationalpark Wattenmeer und anderen Schutzgebieten generell verboten. mehr »