16.04.2015

Hereinspaziert: Der Naturerlebnispfad Langwarder Groden ist eröffnet

Auf sechs km befestigten Wanderwegen können Gäste und Einheimische die Vogelwelt beobachten und die Entwicklung der Natur im Einfluss der Gezeiten verfolgen – ein wegweisendes Projekt für Naturschutz und Naturerlebnis.
Naturerlebnispfad Langwarder Groden. Foto: Nationalparkverwaltung

Naturerlebnispfad Langwarder Groden. Foto: Nationalparkverwaltung

Es ist soweit: Am 15. April 2015 wurde der Naturerlebnispfad im Langwarder Groden durch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel feierlich eröffnet. In nur sechs Monaten Bauzeit wurden bereits im letzten Jahr sechs Kilometer Bohlenstege und Schotterwege und Brücken fertig gestellt und eine Vogelbeobachtungshütte, Aussichtsplattformen, Spektive, interaktive Stationen und Info-Stelen installiert. Der Winter war die Bewährungsprobe für die baulichen Einrichtungen im Vorland, das seit August wieder dem Gezeiteneinfluss ausgesetzt ist. Jetzt konnte der Pfad bei strahlendem Frühlingswetter und in Anwesenheit zahlreicher Prominenz aus Politik und Verwaltung der Öffentlichkeit übergeben werden.

Seit 1930 war der Groden durch einen Sommerdeich vom Gezeiteneinfluss abgetrennt.  Durch Öffnung des vier Kilometer langen Sommerdeiches auf 900 m Länge und Bodenabtrag sind nun wieder 140 Hektar des Langwarder Grodens der Tide ausgesetzt, davon 70 regelmäßig, die übrigen bei winterlichen höheren Fluten – eine der umfangreichsten Renaturierungsmaßnahmen seit Einrichtung des Nationalparks. Die natürliche Dynamik ist das prägende Element des Naturraums Wattenmeer und Grundlage für ungestört ablaufende Prozesse und biologische Vielfalt, zwei wesentliche Kriterien zur Anerkennung als UNESCO-Weltnaturerbe.

Natürliche Entwicklung live miterleben

Es wird natürlich viele Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis sich die natürliche Vegetation und Strukturvielfalt wieder eingestellt hat. Der Naturerlebnispfad bietet die einmalige Gelegenheit, diese Entwicklung von Anfang an live mitzuverfolgen.

Den Anstoß für die Renaturierung gab die Suche nach Kompensationsflächen für den JadeWeserPort, zum Ausgleich für die damit verbundenen Eingriffe in die Wattenmeer-Natur. Viele Einheimische standen einer Öffnung des Sommerdeiches zunächst skeptisch gegenüber. Traditionell wurden Sommerdeiche angelegt, um bewirtschaftete Außendeichsflächen vor sommerlichen Hochwässern zu schützen, zudem bildeten sie einen zusätzlichen Schutz gegen Sturmfluten, ehe diese den Hauptdeich erreichten. Nach Aufgabe der Nutzung und angesichts der modernen Hauptdeiche, die heute in Höhe und Profil ein zuverlässiges Bollwerk bilden, ist das Schleifen von Sommerdeichen zugunsten einer natürlichen Entwicklung vertretbar.

Von der Umsetzung des Projektes „Natur erleben Langwarder Groden“ profitierte nicht nur die Natur durch die Kompensationsmaßnahme: Einheimische und Gäste haben ein neues, außergewöhnliches Ausflugsziel hinzugewonnen.

Das Gesamtprojekt Langwarder Groden ist somit in mehrfacher Hinsicht wegweisend: für den Naturschutz, für die Umweltbildung und für die Kooperation verschiedenster Interessensvertreter.

Der 400 m lange Bohlensteg über zeitweise überflutete Flächen und eine 36 m lange Brücke über das Sieltief erlauben es, trockenen Fußes das von den Gezeiten geprägte Vorland zu erkunden. Zudem sind die Stege und barrierearmen Wege eine attraktive Form der Besucherlenkung durch das sensible Vogelbrut- und Rastgebiet. Wenn die Menschen sich verlässlich nur auf den immer gleichen festen Trassen bewegen, fühlen die Tiere sich sicher und verlieren an Scheu.

Finanziert wurde der Naturerlebnispfad vom Land Niedersachsen, der Wattenmeerstiftung und der Bingo-Umweltstiftung, der Tourismus-Servicegesellschaft Butjadingen und der Gemeinde Butjadingen, welche auch Bauherr und Auftraggeber ist.

Führungen

Das Nationalpark-Haus Museum Fedderwardersiel und die Nationalpark-FührerInnen bieten Führungen auf dem neuen Erlebnispfad an.

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