08.03.2016

„Hier werden Maßstäbe gesetzt“

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Das Nationalpark-Haus Wittbülten auf Spiekeroog feierte am Samstag sein 10jähriges Bestehen. Umweltminister Stefan Wenzel zählte zu den mehr als 200 Geburtstagsgästen, die aus ganz Deutschland angereist waren.
Geburtstagsgäste Nationalparkhaus Wittbülten. Foto: Nationalparkhaus Wittbülten

Beim unterhaltsam gestalteten Festakt kamen viele Partner, Unterstützer und Zeitzeugen zu Wort. Statt einzelner Reden gab es verschiedene Podiumsrunden. Moderiert durch die Wissenschaftsredakteurin Verena von Keitz konnten die Beteiligten lebendig vermitteln, was sie mit dem Wittbülten verbindet. Geprägt wurde der Begriff für die weißen Dünen im Inselosten durch die Mutter von Heye Deepen, als dieser noch ein Kind war. Heute ist er mit stolzen 105 Jahren der älteste Inseleinwohner.

Swaantje Fock gab als Leiterin des Wittbülten einen Einblick in die Erfolgsgeschichte ihrer Einrichtung. Mit 220.000 Besuchern in zehn Jahren könne das Spiekerooger Haus selbst mit größeren Nationalparkzentren mithalten.  

„Das Ensemble aus Schuleinrichtung, Nationalpark-Haus und Forschungseinrichtung ist einzigartig“, so der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel. „Hier werden Maßstäbe gesetzt“, fasste er das gemeinsame Engagement von Nationalparkhaus, Hermann Lietz-Schule Spiekeroog und Universität Oldenburg zusammen. Gemeinsam mit dem Präsidenten der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Dr. Hans Michael Piper, und Jens Peter Kiel, Dezernent für Öffentlichkeitsarbeit bei der Nationalpark-Verwaltung, thematisierte er die Besonderheiten dieser Zusammenarbeit. “Das Wittbülten bietet einmalige Arbeitsbedingungen für uns“, so Piper. Kiel würdigte die Einrichtung als Träger des Nationalpark-Gedankens vor Ort.

Ansgar Ohmes, Geschäftsführer der Nordseebad Spiekeroog GmbH, hob die Bedeutung der Umwelteinrichtung für die touristische Entwicklung Spiekeroogs und als fachliche Ratgeberin für die nachhaltige Entwicklung der Insel hervor.

Mehrere neue Forschungsprojekte rund um das Wittbülten werden dieses Jahr gestartet, berichtete Dr. Birte Junge, Geschäftsführerin des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Uni Oldenburg.

Heiner Baumgarten, Landesvorsitzender des BUND Niedersachsen, lobte die Arbeit der Mitarbeiter vor Ort, ohne die keine Bildungseinrichtung mit Leben gefüllt werden könne. Die ehemalige Lietz-Schülerin Maya Bornschein war zugleich Gründungsmitglied der Museumsgilde, in der Internatsschüler den Betrieb des Nationalpark-Hauses unterstützen. „Die Schulzeit an der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog hat mein Leben positiv geprägt“, fasste sie ihre Internatserfahrung zusammen.

Weitere Wegbegleiter kamen in einem hörspielartig geschnittenen Audiobeitrag zu Wort.

Den musikalischen Rahmen gestaltete das Orchester der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog unter Leitung des Schulleiters Florian Fock mit südafrikanischen Klängen und das ammerländisch-friesische Folktrio „DreyBartLang“, durch Konzerte im Rahmen der jährlichen Zugvogeltage mittlerweile quasi die „Nationalpark-Haus-Band“.

Nach der Mittagspause gab es noch eine Überraschung: Die über den Freundeskreis finanzierte neue Terrasse des Wittbülten wurde durch eine Tanzeinlage eingeweiht, bei der die Gäste zum Mitmachen aufgefordert waren. Im Anschluss spendierte das Wittbülten allen einen hausgemachten Sanddorncocktail.

Unter dem Motto „Meeresforschung für alle“ stand das Programm am Nachmittag. Im Forschungszentrum wurden die Kinder durch eine Internatslehrkraft beim Experimentieren angeleitet, in der Ausstellung konnten sie einer durch Hermann Lietz-Schüler betreuten Fischfütterung beiwohnen. Die Umweltbühne Chemnitz präsentierte ein Wissenschaftstheater für Kinder: Zwei außerirdische Forscher entdecken verschiedene Meeresbewohner, retten dabei einen sprechenden Wischmopp und führen die begeisterte Kinderschar dabei in die Welt der Naturwissenschaften ein. Anschließend wurde in einer Präsentation mit bewegten Bildern eine spannende Geschichte über die Familiengründung eines Ringelganspaares vorgetragen.

Parallel lief ein wissenschaftliches Programm nach Art einer Fachtagung ab. In insgesamt sechs Vorträgen und 13 Wissenschaftspostern wurden die Spiekerooger Forschungsprojekte präsentiert. Dazu standen die Ansprechpartner und -partnerinnen aus dem ICBM in Oldenburg, aber auch aus weiteren beteiligten Universitäten in Augsburg und Göttingen zur Verfügung. Einblicke in die Bodenkunde oder die Beschaffenheit der Spiekerooger Süßwasservorräte wurden hier gegeben. Schwerpunktthemen waren die Arbeit der Messstation vor Spiekeroog und das Großprojekt südlich von Spiekeroog, bei dem mithilfe von künstlichen Inseln interdisziplinäre Biodiversitätsforschung betrieben wird.

Auch die didaktische Forschung kam mit ihren Kooperationsprojekten unter Beteiligung der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog zu Wort. Neben der bereits mehrjährigen Erprobung von Lehr- und Lernlaboren entsteht gerade ein neues, mehrjährig angelegtes Forschungsvorhaben zur Nachhaltigkeitsbildung, in dessen Rahmen die Schüler und das Kollegium der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog einen intensiven Austausch mit der Universität Oldenburg pflegen werden.

Die monatelange Vorbereitung durch das Nationalpark-Haus Wittbülten und das Internatsgymnasium Hermann Lietz-Schule Spiekeroog hat sich gelohnt: Das ganztägige Jubiläumsfest war inhaltlich anspruchsvoll, professionell moderiert und musikalisch wie kulinarisch niveauvoll gestaltet. Die gesamte Internatsgemeinschaft half beim Catering. Mit Produkten aus eigener Tierhaltung oder aus ökologischem Anbau wurde das Nachhaltigkeitskonzept der beiden Institutionen noch einmal unterstrichen.

In der Symbiose des Inselinternats mit einem Nationalpark-Haus und einer Forschungseinrichtung wird der Nachhaltigkeitsgedanke in einer nicht nur für Spiekeroog vorbildlichen Art und Weise gelebt. Frau Müller-Andreesen, Nichte des Schulgründers Alfred Andreesen, formulierte stellvertretend für die zahlreichen Festgäste: Es war ein wunderschöner und spannender Festtag, für den sich die lange Anreise gelohnt hat.

 

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