13.08.2020

Internationaler Einsatz für den Nationalpark

Pflege der Küstendünenheide auf Wangerooge: Nationalparkverwaltung, Internationale Jugendgemeinschaftsdienste und Mellumrat blicken auf 11jährige Kooperation zurück – Förderung durch die Naturschutz-Stiftung Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven
Internationale Jugendgruppe entfernt Kartoffelrosen aus der Küstenheide. Foto: Imke Zwoch

Mit Fleiß und Ausdauer werden Schößlinge der Kartoffelrose aus der Dünenheide-Landschaft entfernt. Foto: Imke Zwoch

Eigentlich könnte es schon Routine sein und doch ist es jedes Mal neu und spannend, wenn eine Gruppe junger Menschen aus aller Welt zum Naturschutz-Einsatz nach Wangerooge kommt, um dort die einzigartige Küstendünenheide und Kleingewässer zu pflegen. In diesem Jahr sorgte Corona schon im Vorfeld für Spannung besonderer Art: „Lange haben wir gebangt, ob das Work-Camp dieses Jahr überhaupt stattfinden kann“, berichtet Hilke Steevens, die beim Projektreferat der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) in Hildesheim die Einsätze koordiniert. „Wir waren sehr froh und erleichtert, als wir dann ziemlich kurzfristig das ‚GO‘ bekamen“.

2010 startete das erste internationale Workcamp auf Wangerooge unter naturschutzfachlicher Betreuung durch die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und den Mellumrat e.V. Zum Erhalt der lichtliebenden Heidekrautgesellschaft gilt es, invasive Gehölze wie Kartoffel-Rose, Späte Traubenkirsche und Apfel-Beere zu beseitigen. Zudem müssen die Kleingewässer im Heidegebiet offengehalten werden, damit Kreuzkröte, Libellen und seltene Wasserpflanzen dort weiter optimale Lebensbedingungen vorfinden.

Da die standortfremden Pflanzen – sogenannte Neophyten - immer wieder nachwachsen, wird der ehrenamtliche Arbeitseinsatz jährlich wiederholt. „Über diesen langen Zeitraum ist es allerdings schon gelungen, die Bestände dieser invasiven Gehölze deutlich zurückzudrängen“, so Dr. Maike Isermann, Pflanzenexpertin bei der Nationalparkverwaltung. „Wichtig bleibt, sie sozusagen im Keim zu ersticken, bevor sie sich wieder ausbreiten und die aus Naturschutz-Sicht sehr wertvolle Vegetation verdrängen“. Die Gruppen arbeiten also gewissermaßen im Jahresrhythmus „Hand in Hand“.

Die Arbeiten werden dankenswerter Weise seit langem von der Inselgärtnerei Wangerooge unterstützt, die den Abtransport des Pflanzenmaterials übernimmt.

Für die internationalen Workcamps nehmen die Teilnehmenden oft eine weite Anreise auf sich. Corona-bedingt setzt sich die Gruppe in diesem Jahr aus jungen Menschen zusammen, die zwar biografisch aus vielen verschiedenen Ländern stammen, aber aus verschiedenen Gründen schon seit einiger Zeit in Deutschland sind. „Arbeitssprache“ im Wangerooger Camp ist Englisch, aber (neben Deutsch) sind z.B. auch Japanisch, Russisch, Arabisch und weitere Sprachen vertreten.

Die ijgd-Gruppe mit Betreuer*innen und Unterstützer*innen vom Mellumrat, der Nationalparkverwaltung, der Naturschutzstiftung, der Gemeinde Wangerooge und dem ijgd-Koordinationsbüro. Foto: de Jong

Das Camp wird seit elf Jahren finanziell gefördert von der Naturschutzstiftung Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven, der Niedersächsischen Wattenmeerstiftung und aus Kinder- und Jugendplanmitteln des Bundes (KJP), sodass die Teilnehmer:innen nur für ihre An- und Abreise aufkommen und einen kleinen Eigenbeitrag von 50€ zahlen müssen. Dr. Ilka Strubelt, die Geschäftsführerin der Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven, freut sich, dass das Internationale Naturschutzcamp in diesem Jahr nun doch stattfinden kann: „Das Besondere an diesem Camp ist, dass hier die Sensibilisierung für Naturschutzthemen unserer Region mit einer aktiven Naturschutzmaßnahme verbunden ist. Wie schön, dass alle Beteiligten es auch in diesem Jahr trotz der Einschränkungen durch das Corona-Virus wieder ermöglichen konnten, dass das Camp stattfindet.“

Die Work-Camps der ijgd bieten jungen Menschen die Gelegenheit, einiges über andere Kulturen und Nationen zu lernen und Freundschaften über Ländergrenzen hinweg zu schließen. Neben dem tatkräftigen Einsatz gibt es auch gemeinsame Freizeitgestaltung, hier z. B. bei einer geführten Wattwanderung.

Gruppeneinsätze dieser Art haben übrigens eine lange Tradition. Eigentlich galt es in diesem Jahr weltweit „100 Jahre Internationale Workcamps“ zu feiern. Geplant war u.a. eine Jubiläumsveranstaltung in Berlin, zu der 10 internationale Workcamps mit Teilnehmer*innen aus aller Welt eingeladen waren. Diese Veranstaltung im August musste wegen Corona abgesagt werden. Viele Workcamp-Organisationen weltweit haben alle Camps storniert oder führen nur wenige Projekte durch. Das Jubiläum zu feiern, ist komplett in den Hintergrund gerückt. ijgd hat neue digitale Angebote geschaffen; z.B. Workshops für die Ausbildung von Workcamp-Gruppenleiter*innen oder Tagesseminare für Teilnehmer*innen aus aller Welt unter dem Motto „Stay connected“.

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