31.03.2017

Kinderstube Wattenmeer

Es ist wieder soweit: Mit dem Frühling beginnt auch die Brut- und Aufzuchtzeit der Vögel im Nationalpark Wattenmeer. Damit sie ungestört brüten können und ihr Nachwuchs die Chance hat, flügge zu werden, sollte man sich die Verhaltensregeln im Nationalpark nochmal in Erinnerung rufen.
Einblick in die Kinderstube der Zwergseeschwalbe (von Nationalparkwart Edgar Schonart aus respektvoller Entfernung mit dem Teleobjektiv fotografiert, ohne zu stören.)

Einblick in die Kinderstube der Zwergseeschwalbe (von Nationalparkwart Edgar Schonart aus respektvoller Entfernung mit dem Teleobjektiv fotografiert, ohne zu stören.)

Es ist wieder soweit: Mit dem Frühling beginnt auch die Brut- und Aufzuchtzeit der Vögel im Nationalpark Wattenmeer. Damit sie ungestört brüten können und ihr Nachwuchs die Chance hat, flügge zu werden, sollte man sich die Verhaltensregeln im Nationalpark nochmal in Erinnerung rufen.

In der Brutzeit ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass Hunde angeleint sind, man auf gekennzeichneten Wegen bleibt und keine Drachen steigen lässt. „Im Nationalparkgesetz sind Anleinpflicht und Drachenverbot unmissverständlich geregelt“, erinnert Arndt Meyer-Vosgerau, Dezernent für Naturschutz bei der Nationalparkverwaltung. In der Ruhezone des Nationalparks darf man die Wege ganzjährig nicht verlassen, in der Brutzeit gilt das auch in den Vorländern der Zwischenzone. Hunde müssen während der Brutzeit im gesamten Nationalpark angeleint sein, da sie die Vogeleltern aufscheuchen könnten, wenn sie sich frei auf diese zubewegen. Auch wenn ein Mensch die gekennzeichneten Wege verlässt, könnte er brütenden Vögeln zu nahe kommen und sie vom Nest vertreiben. Vögel fliehen entweder aus Angst und müssen dabei die Eier oder Küken zurücklassen, oder sie fliehen, um den Angreifer von ihrem Nest fortzulocken. In beiden Fällen bleibt der Nachwuchs, ohne Schutz vor Fressfeinden und Witterung, alleine zurück. Das merkt man als Verursacher meist nicht einmal, denn ein einziger aufgescheuchter Vogel wird selten wahrgenommen. Für den Nachwuchs besagten Vogels bedeutet dies aber unter Umständen den Tod.

Auch Drachen können die Vögel aufscheuchen, da diese für sie am Himmel aussehen wie große Greifvögel – ihre Feinde. Drachen, vor allem Lenkdrachen oder Kites, können daher eine sehr starke Störwirkung auf Brutvögel haben, die zur Aufgabe des Geleges führen kann.

Ganz besonders gefährdete Vögel sind übrigens die Strandbrüter, zum Beispiel der Sandregenpfeifer oder die Zwergseeschwalbe. Diese bauen kein Nest, sondern legen ihre gut getarnten Eier in kleine Mulden direkt am Strand, um sie dort auszubrüten. Dadurch kommen den Strandbrütern immer wieder Strandbesucher in die Quere, die die Mulden nicht sehen und die Vögel dadurch unbewusst beim Brüten stören oder sogar Eier zertreten. Damit das nicht mehr passiert, werden um den Brutbereich mobile Schutzzäune aufgebaut. Die Zäune sind für jeden Strandbesucher gut sichtbar. Die Nationalparkverwaltung organisiert dieses Projekt federführend. “Wenn die Abzäunung von allen respektiert wird, können die Strandbrüter weitgehend ohne Störungen brüten und die Bestände sich erholen“, erklärt Meyer-Vosgerau. „Wir bedanken uns bei allen Besuchern, die durch ihre Rücksichtnahme zum Schutz der Strandbrüter und anderer Brutvögel beitragen.“

In den Nationalparkhäusern sind kostenlose Informationsflyer erhältlich. Auch Infotafeln vor Ort zeigen auf, welche Wege betreten werden dürfen. Über Hundestrände und Drachenwiesen kann man sich bei den zuständigen Tourist-Informationen erkundigen. Zu eigenen Bestimmungen der Gemeinden und Deichachten sollte man sich ebenfalls informieren.

Auch Drachen können die Vögel aufscheuchen, da diese für sie am Himmel aussehen wie große Greifvögel – ihre Feinde. Foto: Nationalparkverwaltung

 

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