01.09.2015

Müllproblematik erreicht auch Mellums Strände

Themen: 
Freiwillige Helfer sammeln innerhalb eines Tages zwölf Kubikmeter Müll.
Schild mit dem Namen der Insel Mellum, der für die Müllsammelaktion zu "Müllum" verändert wurde

 Für die Müllsammelaktion wurde "Mellum" zu "Müllum".  Foto: Tent / Nationalparkverwaltung

Am vergangenen Samstag reisten 44 Helfer auf die Vogelinsel Mellum im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, um die dortigen Strände vom Müll zu befreien. Bereits zum zweiten Mal nach 2013 organisierte der Mellumrat, der im Auftrag der Nationalparkverwaltung für die Gebietsbetreuung der Insel zuständig ist, eine Aktion zum Sammeln des angespülten Mülls an den Stränden der Insel.

Mathias Heckroth, Geschäftsführer des Mellumrates, begrüßte die Teilnehmer mit folgenden Worten: „Mellum gilt als eines der letzten Paradiese in der Nordsee. Für mich ist sie die Perle des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer mit ihrer erst jungen Entstehungsgeschichte in den letzten 100 Jahren und ihrer natürlichen Dynamik durch Wind und Gezeiten. Doch auch die Insel ist nicht von der Außenwelt isoliert und so gelangen jedes Jahr große Mengen Müll  an die Strände.“

Die Vogelwarte, die sich von Frühjahr bis Herbst auf der Insel aufhalten, sammeln zwar den Müll am Strand ein, jedoch können sie neben ihren eigentlichen Aufgaben die große Menge der Anspülungen nicht vollständig entfernen. Aufgeteilt in drei Gruppen wurde der Müll am Strand zusammengesammelt und in sogenannten Big Bags gelagert, die später von der Insel abgeholt und ordnungsgemäß auf dem Festland entsorgt werden. Neben Funden wie Fernseher, Flaschenpost und Brotkorb überwogen vor allem Reste von Fischereinetzen sowie diverser weiterer Plastikmüll. Die Netzreste stellen gerade für Vögel eine große Bedrohung dar, da sich diese leicht darin verfangen und qualvoll zu Tode kommen. Trotz vieler kleinster Müllreste konnten mehr als 12 m³ Müll aufgesammelt werden.

Norbert Hecker von der Nationalparkverwaltung resümierte: „ Die Müllansammlungen in den Meeren sind ein weltweites Problem. Durch Sammelaktionen wie heute kann lediglich ein erster Schritt gemacht werden, denn Schätzungen zufolge befinden sich zurzeit mehr als 700.000 Kubikmeter Müll in der Nordsee. Auffällig ist jedoch, dass die großen Müllstücke seit der letzten großen Sammelaktion weniger geworden, dafür aber vermehrt kleinere Teile am Strand zu finden waren.“

Plastikteile werden über die Zeit zu immer kleineren Stücken im Meer zersetzt, doch gänzlich verschwunden sind sie auch dann nicht. Es entstehen kleinste Partikel Mikroplastik, wie sie heute schon durch Kosmetika wie Peelings in die Meere gelangen. Weiterer Plastikmüll wie beispielsweise eine PET-Flasche benötigt sogar bis zu 450 Jahre, um gänzlich zu zerfallen.

Die Problematik des Mikromülls wurde den Teilnehmern der Sammelaktion erschreckend verdeutlicht, wenn die Plastikstücke schon beim Aufsammeln in der Hand zu zerbröseln drohten. Gerade kleinere Müllreste gelangen schnell in die Nahrungskette. Angefangen von der Aufnahme durch Plankton gelangen sie über wirbellose Tiere schließlich auch in die Mägen der Fische, Seehunde, Vögel und letztlich auch auf unsere Teller. Dabei birgt das Mikroplastik weitere Gefahren, denn krebserregende Stoffe können sich leicht an den Plastikteilchen binden und werden im Körper angereichert.

Weitere Informationen zur Mitarbeit auf der Vogelinsel finden sie unter: www.mellumrat.de

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