18.09.2019

Müllsammlung auf Mellum

Freiwillige befreien Strand der unbewohnten Insel im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer von angeschwemmtem Müll
Plastikblumen aus dem havarierten Containerschiff „MSC Zoe“

Ein häufiger Fund auf Mellum: Plastikblumen, die sich der Havarie des Containerschiffs „MSC Zoe“ zuordnen lassen. Foto: H. Behrends/Mellumrat

Am Samstag, 14. September 2019 machten sich 38 Freiwillige von Hooksiel aus per Boot zur Vogelinsel Mellum auf, um dort Müll zu sammeln. Die Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft Mellumrat e.V., die die Insel im Auftrag der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer naturschutzfachlich betreut, hat die Aktion in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung organisiert.

Mellum befindet sich an der Spitze des Hohe-Weg-Watts zwischen den Mündungen von Jade und Weser. Sie ist eine der unbewohnten Inseln im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer – nur während der Sommermonate leben Vogelschutzwarte im Stationshaus des Mellumrats. Dafür werden hier jährlich rund 40 Brutvogelarten registriert, und im Herbst und im Frühjahr machen hunderttausende Zugvögel auf der Insel Rast.

In der Ruhezone des Nationalparks gelegen, ist Mellum ein Musterbeispiel natürlicher Dynamik im Weltnaturerbe Wattenmeer, die die Insel unbeeinflusst von menschlichen Eingriffen formt. Dass Mellum dennoch nicht von der Außenwelt isoliert ist, mussten die freiwilligen Helferinnen und Helfer anhand des zahlreichen am Strand gefundenen Mülls feststellen. Im Verlauf des Tags sammelten sie mehr als 11.000 Teile Müll mit einem Volumen von insgesamt 15 Kubikmetern. Wie in den Vorjahren waren Reste von Fischernetzen und Plastikmüll häufige Funde – unter anderem Folien, Trinkbecher und Einwegverpackungen. Auch zahlreiche Luftballon-Reste mit Schnur sammelten die Freiwilligen ein. Viele Fundstücke – unter anderem Autoteile, Kissen und Plastikblumen – konnten der Havarie des Container-Schiffes „MSC Zoe“ im Januar dieses Jahres zugeordnet werden. Für Tiere stellt der Müll in mehrerlei Hinsicht eine Gefahr dar: etwa indem sie sich in Netzresten verfangen oder Müllteile als vermeintliche Nahrung verschlucken und bei vollem Magen verhungern. Und als Mikroplastik, das Schadstoffe an sich bindet, gelangt der Müll schließlich in die Nahrungskette – und letztendlich auch auf unseren Speiseteller.

Am Ende des Tages zogen Organisatoren und Teilnehmende ein positives Fazit. Auch wenn der gesammelte Müll angesichts der geschätzten Gesamtmenge von 600.000 Kubikmetern Müll in der Nordsee nur ein verschwindend geringer Teil ist, tragen Sammelaktionen wie diese dazu bei, die weltweite Problematik des Meeresmülls sichtbar zu machen und im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Und zumindest für den Moment ist der Strand von Mellum wieder müllfrei.

Die Aktion wurde finanziert durch das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems. Der an diesem Tag in sogenannten Big Bags gesammelte Müll wird am kommenden Montag vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit einem Landungsboot abgeholt und am Festland entsorgt.

Gemeinsame Presseinformation der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und des Mellumrat e.V.

 

International Costal Cleanup Day

Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer finden regelmäßig Müllsammlungen statt, zum Beispiel beim International Costal Cleanup Day am kommenden Samstag, 21. September, an dem unter anderem die Naturschutzverbände NABU und BUND Sammelaktionen organisieren:

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