Neue Chance für die Europäische Auster

Europäische Austern. Foto: Klaus Janke

Europäische Austern. Foto: Klaus Janke

Wenn heute von Austern im Wattenmeer die Rede ist, dann handelt es sich fast immer um die eingeführte Pazifische Auster, Magallana gigas (Syn.: Crassostrea gigas) und nicht um die ehemals einheimische Europäische Auster, Ostrea edulis. Am Beispiel dieser früheren Austernbänke entwickelte der Naturforscher Karl Möbius Ende des 19. Jahrhunderts den Begriff der Biozönose („Lebensgemeinschaft“), ein bis heute grundlegendes Konzept der Ökologie. Im weichen und dynamischen Sediment des Wattenmeeres boten die Austern als ökologischer Habitatbildner festen Grund, Nahrung und Versteckmöglichkeiten für eine Vielzahl verschiedener Arten, die in zahlreichen Wechselbeziehungen zueinander und zu ihrer abiotischen Umwelt standen.

Das relativ geringe Ausbreitungsvermögen der Europäischen Auster führte zu genetisch leicht verschiedenen Lokalpopulationen. Deshalb ließen sich die durch Übernutzung und veränderte Umweltbedingungen ausgelöschten Bänke des Wattenmeeres und der Deutschen Bucht bis heute nicht durch eingeführte Austern derselben Art ersetzen. In der deutschen Nordsee gilt die Art seit etwa 1930 bis auf seltene Einzelfunde als ausgestorben und in ganz Europa werden die Bestände der europäischen Auster als stark gefährdet eingestuft.

Im Juli 2020 wurde nun im offenen Meer, im Naturschutzgebiet Borkum Riffgrund, ca. 30 km nordwestlich von Borkum, ein Pilotriff ausgebracht, das mitsamt wissenschaftlicher Begleitung als ein Grundstein für eine nachhaltige Wiederansiedlung der Europäischen Auster dienen soll. Die jungen Austern, die von Tauchern ausgebracht wurden, stammen aus einer Zuchtanlage, die seit 2018 vom Alfred-Wegener-Institut / Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) auf Helgoland für die längerfristige Austernzucht entwickelt wurde. Sie stammen von den letzten überlebenden Austern in verschiedenen Atlantikregionen Europas ab. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob sich die angesiedelten Austern vor Ort etablieren und ob sich durch die künstliche Ansiedlung ein Austernriff langfristig wiederherstellen lässt.

Das Wiederansiedlungsexperiment ist Teil der Projekte RESTORE („Wiederherstellung der Bestände der Europäischen Auster (Ostrea edulis) in der deutschen Nordsee“) und PROCEED („Aufbau einer nachhaltigen Produktion von Saataustern für ein langfristiges Wiederansiedlungsprogramm“), beide werden vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler/innen des (AWI) durchgeführt.

 

Weiterführende Links:

BfN, Artenschutz: https://www.bfn.de/themen/meeresnaturschutz/marine-arten/artenschutzprojekte/wiederansiedlung-der-europaeischen-auster.html

AWI, Projekt RESTORE: https://www.awi.de/en/science/biosciences/shelf-sea-system-ecology/main-research-focus/european-oyster/restore.html

AWI, Projekt PROCEED: https://www.awi.de/forschung/biowissenschaften/oekologie-der-schelfmeere/schwerpunkte/europaeische-auster/proceed.html

 

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