23.07.2015

Neue Radroute um den Jadebusen verbindet die Regionen

Wer glaubt, eine 190 km² große Meeresbucht wäre eine Barriere zwischen den Anrainern, kann sich seit gestern vom Gegenteil überzeugen: Über kommunale Grenzen hinweg haben die Wesermarsch, Friesland und Wilhelmshaven gemeinsam die neue Themenroute realisiert, die Radler rund um den Jadebusen führt.
Michael Sielemann erläutert den Strömungstisch. Foto: Nationalparkverwaltung

Michael Sielemann erläutert den Teilnehmern der Einweihungsfeier den Strömungstisch. Foto: Nationalparkverwaltung

Über 55 km führt die „Jadebusenroute“ immer entlang der Deiche um die größte Bucht der niedersächsischen Wattenmeerküste herum. Ganz neue Perspektiven eröffnen fünf hölzerne Umweltperiskope, die den Blick auf die Landschaftsgeschichte „von gegenüber“ fokussieren: Von Eckwarderhörne, Sehestedt, Vareler Hafen, Dangast und Cäciliengroden erspäht man die bedeutendsten Landmarken des Jadebusenufers unverbaut über die weite Watt- und Wasserfläche der Bucht. Details, die sich ansonsten dem Rundum-Panorama-Blick des Betrachters entziehen, werden durch die Gucklöcher der Periskope erst richtig in Szene gesetzt. Zentrales Element ist der Strömungstisch in Eckwarderhörne: Mit Muskelkraft lässt sich ein mit Wasser gefülltes Tischmodell des Jadebusens in Schwingung versetzen und so nachvollziehen, welch gewaltige Wassermassen zweimal täglich aus der Bucht in die offene Nordsee und zurück strömen. Die natürliche Dynamik, welche die Landschaft täglich neu formt und ihren Reichtum an Tier- und Pflanzenarten bedingt, ist ein wesentliches Kriterium für die Anerkennung des Wattenmeeres als UNESCO-Weltnaturerbe.

Die Abstimmung zwischen allen Beteiligten – zwei Landkreise, zwei Leader-Regionen, viele Kommunen und die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer – brauchte ihre Zeit. Vor acht Jahren fand das erste Planungstreffen der Leader-Kommunen „Nordseemarschen“ und „Wesermarsch in Bewegung“ zusammen mit der Agenda21-Gruppe der Stadt Varel statt. Doch der Aufwand hat sich gelohnt, da waren sich die alle Vertreter bei der von Hans-Dieter Griepenstroh (Fachdienst Umwelt Landkreis Wesermarsch, als Projektträger) moderierten Eröffnungsveranstaltung einig. Landrat Thomas Brückmann (Wesermarsch), Frieslands stellvertretender Landrat Gustav Zielke und Butjadingens stellvertretender Bürgermeister Frank Riese probierten gemeinsam den Strömungstisch aus, dessen Funktionsweise Stahlbildhauer Michael Sielemann erläuterte. Auch die von Holzblockmacher Werner Gröning gebauten Periskope fanden großen Anklang.

Aufbauend auf dem bestehenden Wegenetz führt die Jadebusenroute die Angebote aller angrenzenden Tourismus-Kommunen zusammen und trifft die Ansprüche des bundesweit boomenden Rad- und Natur-Tourismus. Die natur- und kulturhistorischen Besonderheiten des Jadebusens werden - unabhängig von administrativen Zuständigkeiten – ins Blickfeld gesetzt. Die Vielfalt, Schönheit und Eigenart des Jadebusens soll mit Unterstützung eines Markierungs- und Informationssystems (auch webbasiert) bekannt gemacht werden, erläuterte Jürn Bunje, der als Vertreter der Nationalparkverwaltung das Projekt begleitet hat. Den inhaltlichen regionsübergreifenden Rahmen bilden dabei das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer und das Leben der Menschen in einer Überflutungsregion (Deichbau, Küstenschutz).

Die gemeinsame Internetseite www.jadebusenroute.de liefert detaillierte Informationen sowie einen Link auf eine Karte mit GPS-Daten. Flyer sind erhältlich in deutscher, englischer und plattdeutscher Sprache (vom Plattdeutschbeauftragten des Landkreises Wesermarsch Hans Meinen übersetzt).

Die Gesamtkosten betrugen rund 38.000 Euro; davon kamen 24.000 Euro von der Niedersächsischen Wattenmeerstiftung, 7.000 Euro aus Leader-Mitteln und 7.600 Euro von den Landkreisen Friesland und Wesermarsch.

Das Projekt soll für die beteiligten LEADER-Regionen der Grundstein sein, ihre Kooperation über dieses Projekt hinaus zu verstetigen.

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