01.09.2017

Niedersächsisches Wattenmeer als UNESCO-Biosphärenreservat bestätigt

Dr. Christiane Paulus (BMUB) überreicht dem Niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel beim 12. Wattenmeertag in Wilhelmshaven die Evaluierungsurkunde für das Biosphärenreservat
Überreichung der Evaluierungsurkunde für das Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer

V.l.n.r.: Joke Pouliart (Biosphärenreservats-Partner Wattwanderzentrum Ostfriesland), Jürgen Rahmel (Dezernatsleiter Biosphärenreservat der Nationalparkverwaltung), Stefan Wenzel (Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz), Peter Südbeck (Leiter Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer), Dr. Christiane Paulus (Vorsitzende des MAB-Nationalkomitees beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit), Michael Hook (Bürgermeister der Biosphärenreservats-Gemeinde Dornum), Stephan Eiklenborg (Bürgermeister der Biosphärenreservats-Gemeinde Sande)

Das Niedersächsische Wattenmeer ist nicht nur Teil des länderübergreifenden Weltnaturerbes Wattenmeer und als Nationalpark unter gesetzlich verankerten Schutz gestellt – 1992 wurde es zudem im Rahmen des internationalen Programms „Man and Biosphere“ (MAB) als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt. Die Gültigkeit dieses Prädikats auch für die nächsten zehn Jahre wurde jetzt formal bestätigt: Am Rande des 12. Wattenmeertags am 31.8. in Wilhelmshaven überreichte Dr. Christiane Paulus, Vorsitzende des MAB-Nationalkomitees beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), die Urkunde zur erfolgreichen Evaluierung des Biosphärenreservats an Stefan Wenzel, den Niedersächsischen Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz.

Vorausgegangen war ein umfassender Evaluierungsprozess. Alle zehn Jahre müssen UNESCO-Biosphärenreservate im Rahmen einer solchen Evaluierung darlegen, dass sie den Ansprüchen des MAB-Programms gerecht werden. „Es freut mich, dass der Evaluierungsprozess nach insgesamt vier Jahren mit entsprechendem Beschluss des Internationalen Koordinierungsrats des MAB-Programms bei der UNESCO im Juni erfolgreich abgeschlossen werden konnte“, erklärte Paulus in ihrem Grußwort. „Es ist gelungen, das Biosphärenreservat als Modellregion für nachhaltige Entwicklung weiter auszubauen.“ Dennoch gebe es noch viel zu tun. So sei es bislang noch nicht ausreichend gelungen, die vorhandenen Entwicklungspotenziale für die Region auszuschöpfen.

Daran anknüpfend gab der Niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel in seiner Ansprache einen Ausblick auf die weitere Entwicklung des Biosphärenreservats: „Die Landesregierung möchte alle Küstengemeinden dafür gewinnen, sich der Entwicklungszone des Biosphärenreservats anzuschließen. Zu den Zielen gehören eine nachhaltige Land- und Ressourcennutzung und eine nachhaltige ökonomische und soziale Entwicklung sowie die Umweltbildung. Ich bin überzeugt, dass die Gemeinden diese Chancen auch wahrnehmen, nachdem sie vorher schon selbst aktiv an den Rahmenbedingungen mitgearbeitet haben.“

Auch Peter Südbeck, Leiter der Nationalpark- und Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, hob die Bedeutung gelebter Partnerschaften mit den Institutionen und den Menschen vor Ort für die Weiterentwicklung des Biosphärenreservats hervor. Sichtbarer Ausdruck solcher gelebten Partnerschaften war die Teilnahme mehrerer zertifizierter Partner an der Urkundenübergabe, darunter mit Stephan Eiklenborg (Sande) und Michael Hook (Dornum) die Bürgermeister zweier Biosphärenreservats-Gemeinden. „Die Biosphärenreservat-Partnerschaft ist eine Auszeichnung und eine Verpflichtung zugleich“, stellte Hook fest. Für die weitere Ausgestaltung des Biosphärenreservats sei es wichtig, die Entwicklungspotenziale hervorzuheben, die sich etwa aus der Erschließung neuer, nachhaltiger Geschäftsfelder sowie aus der Kooperation zwischen den Partnern ergebe.

Hintergrund

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wurde 1992 in seinen Grenzen von 1986 von der UNESCO als Biosphärenreservat im Programm „Man and Biosphere“ („Der Mensch und sein Lebensraum“, MAB) anerkannt. Damals begründete sich dies hauptsächlich durch die vorbildliche Umweltforschung und -beobachtung im Rahmen des länderübergreifenden Großprojektes „Ökosystemforschung Wattenmeer“. Durch die „Sevilla-Strategie“ wurden die MAB-Biosphärenreservate 1995 zu „Modellregionen für nachhaltige Entwicklung“, an deren Zonierung und Aktivitäten Anforderungen hinsichtlich des Schutzes der Natur und der natürlichen Ressourcen, der nachhaltigen Regionalentwicklung, der Forschung und ökologischen Umweltbeobachtung sowie der Umweltbildung und Kommunikation gestellt werden. Diese wiederum werden jeweils im Abstand von zehn Jahren vom Deutschen MAB-Nationalkomitee und den Gremien der UNESCO im Rahmen von Evaluationen überprüft.

Das Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer hat diese Evaluation zum zweiten Mal erfolgreich durchlaufen und darf weiterhin diesen Titel führen. Mit dieser erneuten Auszeichnung durch die UNESCO ist die Erwartung verbunden, die im Rahmen der letzten Evaluation dargelegten Pläne zur Einrichtung einer ausreichend großen Entwicklungszone auf dem Festland umzusetzen. Hierzu ist bereits 2014 ein Prozess in Gang gesetzt worden, in dem die Landesregierung die Gemeinden an der Küste zu einem freiwilligen Beitritt zu dieser Entwicklungszone einlädt.

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