03.07.2018

„Raus in die Natur“: Umweltminister Lies startet seine Sommerreise im Nationalpark und Weltnaturerbe Wattenmeer

Zum Auftakt seiner viertägigen Sommerreise besuchte Umweltminister Olaf Lies am Montag, 2. Juli 2018, gemeinsam mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer die ostfriesische Wattenmeerküste. Zum Einstieg ging es gleich barfuß ins Watt vor Hilgenriedersiel.
Foto: I. Zwoch/NLPV

Umweltminister Olaf Lies lässt sich von Insa Steffens, Nationalpark-Wattführerin und Leiterin des Nationalpark-Hauses Greetsiel, die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt des Wattenmeers erläutern. Foto: I. Zwoch/NLPV

Wattwanderung durchs Weltnaturerbe

Bei einer Wattwanderung konnte sich Minister Lies einen Eindruck von der Vielfalt, aber auch der Empfindlichkeit der Wattenmeer-Lebensräume verschaffen und unmittelbar die außerordentliche Bedeutung des Wattenmeeres als zentraler Rastplatz innerhalb der Ostatlantischen Vogelzug-Route erfahren. Umweltminister Olaf Lies: „Positive, sinnliche Eindrücke unmittelbar in der Natur sind der Grundstock, um sich für den Schutz der faszinierenden Naturlandschaften einzusetzen. Denn ich schütze nur, was ich kenne. Und ich kenne nur, was ich sehe. Das Wattenmeer zählt weltweit zu den bedeutendsten Lebensräumen für zahlreiche Tiere und Pflanzen, den wir schützen und erhalten müssen.“  

Knapp unter der freiliegenden Wattfläche fanden sich zahlreiche Muscheln wie die Rote Bohne. Diese spielt eine zentrale Rolle im Nahrungsnetz des Wattenmeeres. Sie bildet die Hauptnahrung für Watvögel wie den Knutt. Wie Millionen anderer Zugvögel ist der Knutt darauf angewiesen, im Wattenmeer ausreichend Nahrung zu finden, um sich Fettreserven für den kräftezehrenden Weiterflug in die Brut- bzw. Überwinterungsgebiete anzufressen. Nur mit ausreichender Nahrung und ohne Störungen schaffen es die Vögel, genug Energiereserven für einen 4.000 bis 5.000 km langen Nonstop-Flug aufzubauen. „Unsere Herausforderung ist es, diese Grundlagen im Nationalpark zu erhalten, aber auch die Flaschenhälse und Gefährdungen der Zugvögel auf dem gesamten Zugweg zu erkennen sowie Maßnahmen zum Schutz der Vögel zu verfolgen, was im Rahmen der Wadden Sea Flyway Initiative geschieht“, so Bernd Oltmanns, stellvertretender Leiter der Nationalparkverwaltung.

Freiwilligennetzwerk „Watt°N“

Den Lebensraum Salzwiese stellten zwei Mitglieder von „Watt°N“ vor, einem Netzwerk aus aktiven und ehemaligen Freiwilligendienstleistenden des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. „Das Wattenmeer ist Lebensraum einer einmaligen Artenvielfalt an Flora und Fauna, den wir während unserer Freiwilligenarbeit aus unmittelbarer Nähe kennenlernen durften“, so Watt°N-Mitglied Hanne Banko-Kubis. „Die wundervollen Begegnungen mit Natur und Menschen haben uns tief berührt, geprägt und bewegen uns nachhaltig. Um im Kreise der Freiwilligen verbunden zu bleiben und uns weiterhin gemeinsam für den Schutz des Wattenmeers einzusetzen, haben wir das Netzwerk “Watt°N” gegründet“, erklärte ihre Kollegin Katrin Meier. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Entwicklung der Seegraswiese gelegt. Seegras bildet ein besonderes Habitat auf den Wattflächen, da es Sediment bindet und Lebensraum für viele Organismen bis hin zu Fischen bietet. Bis in die 1970er Jahre waren große Bereiche des Watts mit Seegras bedeckt. Die Bestände in Niedersachsen sind seitdem stark eingebrochen. Mittlerweile ist eine leichte Erholung eingetreten, der derzeitige Bestand ist aber noch weit von der ursprünglichen Situation entfernt.

Durch die unterschiedlichen Tätigkeiten im Nationalpark, durch Studium und Berufserfahrungen sind im „Watt°N“-Netzwerk vielfältige Kompetenzen und Fähigkeiten vereint. Diese Ressourcen sollen gebündelt und aktiv für den Schutz des Wattenmeeres eingesetzt werden. Hierzu werden praktische Aktionen konzipiert, bei denen sich Freiwillige begegnen, um sich gemeinsam für den Schutz des Naturraumes Wattenmeer zu engagieren.

Unterwegs hatte der Minister auch Gelegenheit, mehrere Mitglieder der ehrenamtlichen Nationalparkwacht kennenzulernen und dankte für deren wertvolle ehrenamtliche Tätigkeit vor Ort.

Seehundstation Nationalpark-Haus Norddeich

Nächstes Reiseziel war die Seehundstation Nationalpark-Haus Norddeich. Dort werden jährlich bis zu 150 verwaiste Jungtiere – Seehunde und Kegelrobben – aufgezogen und rehabilitiert. Die Station ist für die Betreuung von verletzten Meeressäugern und auch Seevögeln im gesamten niedersächsischen Wattenmeer zuständig. Die Informations- und Bildungsarbeit der Seehundstation Nationalpark-Haus wird durch das Land jährlich mit 66.000 EUR gefördert, der eigentliche Betrieb finanziert sich über Eintrittsgelder und Spenden. Träger ist der Verein zur Erforschung und Erhaltung des Seehundes e. V.

Partner-Netzwerk des Nationalparks und Biosphärenreservats

Im Nationalpark-Partnerbetrieb Westgaster Mühle erhielt der Minister Einblick in das Partner-Netzwerk. Zu Grunde liegt die Idee, naturverträglichen Tourismus in der Wattenmeerregion gemeinsam mit touristischen Partnern vor Ort zu entwickeln und zu gestalten. Die ersten Nationalpark-Watt- und Gästeführer*innen wurden bereits in den 1990er Jahren zertifiziert. Heute umfasst das Partner-Netzwerk des Niedersächsischen Wattenmeeres über 200 Partner aus den Bereichen Beherbergung, Gastronomie, Tourismusorganisationen und Gemeinden, Bildungseinrichtungen, Landwirtschaft sowie Nationalpark-Führer*innen. Das Netzwerk steht für Regionalität, Qualität, Authentizität und umweltfreundliche Wirtschaftsweisen. Gemeinsame Ziele sind die Sensibilisierung der Gäste für die Besonderheiten der Region, die Förderung eines naturverträglichen Tourismus sowie die Stärkung regionaler Vermarktungsstrukturen. Mit Blick auf das UNESCO-Biosphärenreservat wird sich das Partner-Netzwerk zukünftig für weitere Branchen öffnen, hierzu zählt z. B. altes Handwerk.

Die Westgaster Mühle ist seit 2013 als Biosphärenreservats-Partner Teil des Partner-Netzwerks und wird heute vom Leinerstift e. V. Evangelische Kinder-, Jugend- und Familienhilfe betrieben. Die Mühle wurde Anfang der 90er Jahre aufwendig saniert und beherbergt heute eine Teestube, eine kleine Bäckerei und einen Hofladen sowie eine Ausstellung zur Mühlengeschichte. Vor allem die Bewahrung regionaler Kultur und Lebensmitteltradition und der Erhalt regionaler Baukultur stehen im Fokus.

Nationalpark-Ranger

An der Leybucht als letztem Punkt der Wattenmeer-Tour traf Olaf Lies auf die Nationalpark-Ranger Onno K. Gent und Christoph Kotzky. Mit der Schaffung von elf neuen Stellen im Jahr 2015 konnte erstmals ein nahezu flächendeckendes Rangersystem im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer eingeführt werden. Die zentrale Rolle der Ranger für den Schutz und die Kommunikation des Nationalparks und UNESCO-Weltnaturerbes hatte sich schnell bestätigt: der Nationalpark hat ein freundliches Gesicht vor Ort und Einheimische wie Gäste haben direkte Ansprechpartner. Dies hat für die Akzeptanz des Nationalparks ein positives Echo hervorgerufen. Unterstützt werden die Ranger von der ehrenamtlichen Nationalparkwacht.

Aktionen zur Bekämpfung des Meeresmülls

Bei ihrer täglichen Arbeit widmen sich die Ranger auch intensiv dem Thema Meeresmüll und laden selbst zu Sammelaktionen mit Einheimischen und Gästen ein. Müll aus dem Meer verunstaltet nicht nur den Strand, sondern gefährdet auch Tiere. Vögel, Robben und Fische schlucken Müll oder verfangen sich in Müllteilen und verenden qualvoll. Größere Müllteile werden durch Brandung und Abrieb zu winzigen Mikroplastikteilchen zerrieben und landen in der Nahrungskette.

Neben verschiedenen Müllsammelaktionen der Gemeinden und Kurverwaltungen, von Schulen oder gemeinnützigen Organisationen sammeln seit langem viele Strandspaziergänger*innen freiwillig Strandmüll ein. Um deren Engagement zu unterstützen, installierte die Nationalparkverwaltung 2013 zunächst auf Juist und Langeoog die sogenannten Strandmüllboxen und kümmerte sich um die Entsorgung. Das Projekt war so erfolgreich, dass heute alle ostfriesischen Inseln sowie sieben Küstenbadeorte insgesamt 109 dieser Strandmüllboxen eingeführt haben und das Konzept der Strandmüllbox sogar nach Schleswig-Holstein exportiert wurde.

Das Spektrum der eingesammelten Teile reicht von kleinsten Plastikteilchen über Netzreste bis hin zu Kühlschränken. Plastik in den unterschiedlichsten Formen wie Verpackungen, Getränkeflaschen, Tetrapacks und Nahrungsmitteltüten bilden den größten Teil des Mülls. Auffällig ist die enorme Anzahl von Luftballons inklusive deren Verschlüsse und Bänder. Mit den Strandmüllboxen wird gleichzeitig das Bewusstsein der Urlauber für die Themen Müllvermeidung und Wiederverwertung geschärft.

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