07.07.2015

Salzwiesenwiederherstellung durch Sandentnahme für den Deichbau

Krummhörn/ Aurich / Wilhelmshaven - Im Deichvorland südlich des Campener Leuchtturm tut sich was. In den nächsten Wochen werden dort die Baggerschaufeln emsig arbeiten. Grund ist die Wiederherstellung der Salzwiesen auf einer Fläche von 18,5 Hektar, die im Zusammenspiel mit dem nahegelegenen Deichbau in Upleward umgesetzt wird.
Salzwiese mit Priel. Foto: Norbert Hecker

Bei regelmäßiger Überflutung können sich natürliche Salzwiesen entwickeln. Foto: Norbert Hecker

„Unter natürlichen Bedingungen würden sich hier im Vorland an der Emsmündung Salzwiesen der Brackwasserzone entwickeln“, erklärt Anna Groeneveld, zuständige Gebietsbetreuerin bei der Nationalparkverwaltung. „Doch durch die Anfang der 80er Jahre erfolgten Aufspülungen liegen die Flächen zum Teil mehr als drei Meter über dem Meeresspiegel und werden selbst bei Sturmfluten nur noch selten überspült, so dass sie der natürlichen Dynamik der Vorlandentwicklung weitgehend entzogen sind“. Damit sich im Vorland wieder salzwiesentypische Pflanzen ansiedeln können, muss das Vorland soweit „tiefergelegt“ werden, dass es wieder regelmäßig von Salzwasser überflutet wird.

Realisieren lässt sich dies über einen Sandabbau, der dem Küstenschutz zugute kommt.  Der im Vorland entfernte Sand  wird voraussichtlich bis 2017 als wichtiger Rohstoff für den Deichkern abgebaut. Das zurückbleibende Gelände soll in Höhenstufen zwischen 1,50 und 1,90 Meter über NN naturnah profiliert werden, so dass sich wieder eine natürliche, dynamische Salzwiesenentwicklung einstellen kann. „Wir freuen uns, etwas Gutes für den Naturschutz vor Ort erreichen zu können und gleichzeitig die Transportwege für den Deichbau immens zu verringern. “ führt Oberdeichrichter Brinkmann von der Deichacht Krummhörn an, die Träger der Maßnahme ist.

Der Abbau findet in der empfindlichsten Schutzzone des Nationalparks, der Ruhezone statt. Gerade hier möchte man eine natürliche Entwicklung der Natur besonders fördern. In enger Abstimmung zwischen der Nationalparkverwaltung, der Deichacht Krummhörn und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)  wird die Sandentnahme für die Küstenschutzmaßnahme im Upleward daher so gestaltet, dass umliegende Bereiche möglichst nicht beeinträchtigt werden.

Die Renaturierung ist hierbei aber nur eine Initialzündung. Nach dem Bodenabbau kann das Meer wieder in die Fläche „einschwingen“. Je nach Relief werden Teilbereiche unterschiedlich häufig überflutet, so dass unterschiedliche Salzwiesentypen entstehen. „Das Projekt ist auch deshalb besonders spannend, weil der hier entstehende Lebensraumtyp ‚Salzwiesen der Brackwasserzone‘ eher selten ist und am Emsästuar sonst nur noch am Dollart vorkommt“, freut sich Anna Groeneveld.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Foto: Wiedemann/LKN.SH

25.05.2020 Wattführung, Naturerlebnis, Coronabeschränkungen In Schleswig-Holstein gibt es grünes Licht: Watt- und Gästeführungen sind in der Nationalparkregion, unter entsprechenden Schutz- und Hygienemaßnahmen wegen des Coronavirus, wieder möglich. mehr »

Drei Wattenmeer-Staaten, drei Generationen

15.05.2020 Auch das CWSS beteiligt sich mit einem Video an einer UNESCO-Aktion mehr »
Umweltminister Jan Philipp Albrecht (links) und Multimar-Leiter Gerd Meurs-Scher bei der Wiedereröffnung | © Claußen/LKN.SH

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (links) und Multimar-Leiter Dr. Gerd Meurs-Scher bei der Wiedereröffnung | © Claußen/LKN.SH

13.05.2020 Infozentrum, Multimar Wattforum Nach zweimonatiger Schließung hat das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum im Beisein von Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht wieder seine Türen für die Öffentlichkeit geöffnet – allerdings mit Einschränkungen und Regeln für die Gäste. mehr »
Laichballen des Kotpillenwurms. Foto: Inga Nordhaus

Laichballen des Kotpillenwurms. Foto: Inga Nordhaus

08.05.2020 Laichballen, Borstenwürmer Auch im Watt gibt es viele Frühjahrsboten, die jetzt bei der Beobachtung des Wattbodens auffallen. Hierzu gehören die Laichballen verschiedener Borstenwürmer. Wir stellen zwei Arten vor, deren Gelege unsere Watt-Ökologinnen fotografisch dokumentiert haben. mehr »
Radiolaren-Modell von Reiner Maria Matysik im Eingangsbereich der Nationalparkverwaltung. Foto: NLPV

Radiolaren-Modell von Reiner Maria Matysik im Eingangsbereich der Nationalparkverwaltung. Foto: NLPV

07.05.2020 Kunsthalle Wilhelmshaven Eine von der Kunsthalle Wilhelmshaven geplante Ausstellung mit Wattenmeer-Bezug, in deren Rahmen auch Aktionen in Kooperation mit der Nationalparkverwaltung geplant waren, musste Corona-bedingt ausfallen. Aus der Not entstand die pfiffige (mittlerweile bundesweit beachtete) Idee, stattdessen die Kunstwerke an Interessierte auszuleihen. So erfreuen sich die Mitarbeiter*innen der Nationalparkverwaltung an einem Radiolaren-Modell, das im Eingangsbereich ins Auge springt. mehr »