28.11.2018

Salzwiesenwiederherstellung durch Sandentnahme für den Deichbau

Gemeinsame Presseinformation der Nationalparkverwaltung „Niedersächsisches Wattenmeer“ und der Deichacht Krummhörn
Renaturierte Salzwiesenfläche bei Campen.

Die Maßnahmenfläche mit dem ersten Abbauabschnitt im Vordergrund. Die Salzwiesenvegetation ist bereits gut entwickelt und im rotbraunen Herbstgewand. Im Hintergrund ist der fertiggestellte Deichabschnitt zu erkennen. Foto: N. Hecker/NLPV

Südlich des Campener Leuchtturms haben in den letzten vier Jahren im Vorland die Bagger gearbeitet. Mitten im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Was erst einmal merkwürdig klingt, ist das Ergebnis einer gewinnbringenden Zusammenarbeit von Naturschutz und Küstenschutz.

Auf einer Fläche von 18,5 Hektar konnte erfolgreich die Wiederherstellung von Salzwiesen abgeschlossen werden, die im Zusammenspiel mit dem nahegelegenen Deichbau in Upleward umgesetzt wurde.

„Jetzt können sich hier wieder Salzwiesen der Brackwasserzone entwickeln, wie sie hier natürlicherweise vorkommen“, erklärt Anna Groeneveld, zuständige Gebietsbetreuerin bei der Nationalparkverwaltung. „Bevor es den Nationalpark gab, wurde hier Anfang der 80er Jahre Sand aufgespült. Dadurch lag die Fläche zum Teil mehr als drei Meter über dem Meeresspiegel und wurde selbst bei Sturmfluten nur noch selten überspült. Der natürlichen Dynamik war das Vorland weitgehend entzogen“. Damit sich im Vorland wieder salzwiesentypische Pflanzen ansiedeln können, musste das Vorland soweit „tiefergelegt“ werden, dass es wieder regelmäßig von Salzwasser überflutet wird.

Realisieren ließ sich dies über einen Sandabbau, der dem Küstenschutz zugutekam. Der im Vorland entfernte Sand wurde als wichtiger Rohstoff für den Deichkern abgebaut. Ca. 265.000 Kubikmeter konnten so unter Projektleitung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit den Baufirmen Herfeld und Jeschke gewonnen und bei der angrenzenden Deicherhöhung verwendet werden. Massen, die sonst mit Lastern quer durch Ostfriesland hätten antransportiert werden müssen.

Das zurückbleibende Gelände wurde in Höhenstufen zwischen 1,50 und 1,90 Meter über Normalnull naturnah profiliert, so dass sich wieder eine natürliche, dynamische Salzwiesenentwicklung einstellen kann. „Es zeigt sich einmal mehr: Wenn Naturschutz, vertreten durch die Nationalparkverwaltung, und Küstenschutz, vertreten durch die Deichacht, zusammenarbeiten, ist der Gewinner die Natur. Dass der abgebaute Sand im Deichbau Verwendung findet, ist ein wertvoller Nebeneffekt“, führt Oberdeichrichter Alwin Brinkmann von der Deichacht Krummhörn augenzwinkernd an, die Trägerin der Maßnahme war.

Die Renaturierung fand in der empfindlichsten Schutzzone des Nationalparks, der Ruhezone statt. Gerade hier möchte man eine natürliche Entwicklung der Natur besonders fördern. Der Bodenabbau ist hierbei nur der Anstoß für eine weitere natürliche Entwicklung. Jetzt kann das Meer wieder in die Fläche „einschwingen“ und selbst kleine Priele bilden. Je nach Relief werden Teilbereiche unterschiedlich häufig überflutet, so dass verschiedene Salzwiesentypen entstehen. Die ersten Abschnitte der Abbauflächen sind bereits im prächtigen Herbstkleid, voll mit Vogelschwärmen und entwickeln sich in die richtige Richtung.

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