03.04.2020

Schweinswale in Sicht

Angesichts der Corona-Krise wurden die 4. Wilhelmshavener Schweinswaltage abgesagt. Im Rahmen der aktuellen Auflagen zum Aufenthalt im Freien bieten sich den Einheimischen trotzdem Möglichkeiten, die kleinen Meeressäuger zu beobachten. Für Auswärtige, die zurzeit nicht an die Küste kommen dürfen, haben sich die Veranstalter ein „digitales Ersatzprogramm“ ausgedacht.
Auftauchender Schweinswal. Foto: Michael Hillmann

Auftauchender Schweinswal. Foto: Michael Hillmann

Eigentlich war für heute der Auftakt für die 4. Wilhelmshavener Schweinswaltage geplant. Vom 3. bis zum 9. April sollten wieder viele Hundert Besucherinnen und Besucher in verschiedenen Veranstaltungen auf die kleinen Meeressäuger aufmerksam gemacht werden, die im Frühling besonders häufig im Jadebusen und direkt vor der Wilhelmshavener Küste zu beobachten sind. Doch dann kam alles anders. Angesichts der drohenden Ausbreitung des Corona-Virus wäre es unverantwortlich gewesen, einen Event durchzuführen, bei dem sich größere Gruppen zu den Angeboten auf dem Schiff, am Strand und in Veranstaltungsräumen treffen. Die Schweinswaltage wurden, wie andere Veranstaltungen auch, abgesagt.

Die Haupt-Akteure, nämlich die Schweinswale selbst, haben von alldem nichts mitbekommen. Schweinswale folgen im Frühjahr ihren Nahrungsfischen, die sich bevorzugt in Buchten und Flussmündungen aufhalten. Schon seit Anfang März werden sie von aufmerksamen Naturbeobachtern immer wieder gesehen. Michael Hillmann von den JadeWalen konnte einige Sichtungen fotografisch dokumentieren. Hier eine kleine Galerie seiner Sichtungen.

Beobachtungstipps

Einheimische dürfen weiterhin (unter Beachtung der Auflagen zur Beschränkung sozialen Kontakte) einen Spaziergang an der frischen Luft machen und haben mit etwas Glück und Geduld die Chance, Schweinswale vor der Küste zu sichten. Schweinswale sind meist einzeln unterwegs, manchmal sieht man sie auch zu zweit oder dritt. Etwa alle 6 bis 7 Minuten tauchen sie kurz auf, um Luft zu holen, dann ist die gerundete kleine Rückenflosse (Finne) für ein paar Sekunden über der Wasseroberfläche zu erkennen, auch ein paarmal kurz hintereinander in Folge, ehe sie wieder abtauchen. Es lohnt sich also, mal für längere Zeit konzentriert mit den Augen (empfohlen: Fernglas) die Wasseroberfläche „abzuscannen“. Das ist zudem sehr entspannend und natürlich gibt es auch anderes zu entdecken, vorm Wilhelmshavener Südstrand aktuell z. B. Möwen, Austernfischer, Brachvögel, Kormorane oder Haubentaucher und bald auch jagende Flussseeschwalben.

Naturbeobachter sind eingeladen, ihre Sichtungen an das Meldeportal „Beach Explorer“ (link siehe unten) weiterzugeben. Die bislang über diesen und andere Wege gemeldeten Zufallssichtungen dokumentieren recht gut, dass der Jadebusen bei Wilhelmshaven ein Hotspot für die Schweinswalbeobachtung ist, aber auch in den Mündungen und Unterläufen von Ems, Weser und Elbe sind die kleinen Wale sehr präsent, wie eine Karte dieser Sichtungen (2001-2014) zeigt. (link dazu unten)

Digitales Ersatzprogramm

Für Tagesgäste und Touristen aus anderen Kommunen ist der Zugang zu Küste und Inseln vorläufig gesperrt. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wattenmeer Besucherzentrums und der JadeWale hatten sich sehr darauf gefreut, den Gästen die Schweinswale zu zeigen und ihnen Biologie und Lebensweise dieser einzigen bei uns heimischen Walart zu erklären. Nicht nur für Schweinswalfreunde aus nah und fern ist es eine große Enttäuschung, dass der geplante Osterbesuch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ausfallen muss. Als kleinen Trost bieten die Veranstalter und Kooperationspartner auf digitalem Weg ein „Ersatzprogramm“.

Auf den Facebook-Seiten „Wilhelmshavener Schweinswaltage“ und „JadeWale“ gibt es täglich schöne Fotos und Informationen rund um die Schweinswale. Das Wattenmeer Besucherzentrum Wilhelmshaven zeigt in den kommenden Tagen auf Instagram & Facebook die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt im Weltnaturerbe Wattenmeer mit interessanten Fotos mit wissenswerten und manchmal erstaunlichen Infos zu den Meeressäugern, Vögeln, Muscheln oder Pflanzen.

Vielfältige Einblicke in das aktuelle Geschehen im Wattenmeer bieten auch Kurzbeiträge auf nationalpark-wattenmeer.de. Die Nationalpark-Verwaltungen der drei Wattenmeer-Länder wollen damit allen, die jetzt nicht vor Ort sein können, ein bisschen über die schwere Zeit helfen. Die Initiative nach dem Motto „Ihr könnt nicht ins Wattenmeer kommen – dann kommt das Wattenmeer zu Euch“ wird von zahlreichen Nationalpark-Infoeinrichtungen und -Partnern unterstützt.

Meldung von Schweinswalsichtungen im Beach Explorer

Karte gemeldeter Zufalls-Sichtungen von Schweinswalen im Küstenmeer (2001-2014)

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