22.08.2019

Sensation am Jadebusen

Ein Bindenstrandläufer zu Besuch im "Alten Wapeler Groden": Erstnachweis für Niedersachsen
Bindenstrandläufer (rechts) mit Grünschenkel. Foto: Gerd-Michael Heinze

Bindenstrandläufer (rechts) mit Grünschenkel. Foto: Gerd-Michael Heinze

Am Nachmittag des 20.7.2019 wurde ein prächtiger adulter Bindenstrandläufer (Calidris himantopus) im "Alten Wapeler Groden" südlich von Diekmannshausen (Jade, Landkreis Wesermarsch) im Flachwasser einer Kleientnahmestelle von einem lokalen Ornithologen entdeckt. Die imposante Art ist etwas größer, langbeiniger und langhalsiger als der bekannte Alpenstrandläufer, hat einen recht langen, leicht abwärts gebogenen Schnabel und trägt im Brutkleid eine auffällige dunkle Bänderung auf Brust, Bauch und Flanken - daher der Name. Auf dem Foto oben ist er zusammen mit einem deutlich größeren Grünschenkel zu sehen. Der Bindenstrandläufer blieb genau 1 Woche und wurde von Dutzenden begeisterter Ornitholog*innen aus allen Teilen Deutschlands beobachtet.

Es handelt sich um den ersten Nachweis dieser nordamerikanischen Limikolenart in Niedersachsen! Für Deutschland ist es nach dem Erstnachweis der Art an den Rieselfeldern Münster (NRW, 11.-13.8.1980) und dem 2. Nachweis vom 20.7.2008 (SH, Strandsee Hohenfelde) erst der 3. Nachweis dieses Ausnahmegastes.

Aber damit nicht genug: Schon am Vormittag des 13.7.2019 wurde ein adulter Bindenstrandläufer im "Meldorfer Speicherkoog" (Dithmarschen, Schleswig-Holstein) entdeckt und fotografiert. Der Vogel hielt sich dort nur für wenige Stunden im Flachwasser am "Odinsloch" auf; die intensive Nachsuche etlicher Beobachter an den Folgetagen blieb erfolglos. Dank zahlreicher Belegfotos des Bindenstrandläufers vom 13.7.2019 im "Meldorfer Speicherkoog" und des aktuellen Vogels  im "Alten Wapeler Groden" gehen Experten mittlerweile davon aus, dass es sich um ein und denselben Vogel handelt, denn etliche phänotypische Merkmale wie Färbung, Gefiedermusterung und Mauserstand stimmen "1:1" überein.

Das Besondere an dem aktuellen dritten Nachweis ist, dass derselbe Vogel innerhalb einer Woche in zwei Bundesländern in Nähe des Wattenmeeres gefunden wurde. Die Beobachtungsorte in Schleswig-Holstein und Niedersachsen liegen ca. 95 km (Luftlinie) voneinander entfernt. Den kleinen Vogel in den Weiten der Küstenmarschen überhaupt zu finden, gleicht der "Suche nach der Nadel im Heuhaufen". Die "Nadel" gleich zweimal innerhalb einer Woche zu finden, ist ein Wunder, da sind sich die Ornithologen einig.

Der Bindenstrandläufer ist ein Brutvogel in der arktischen Tundra Alaskas und Kanadas. Als Zugvogel überwintert er in Südamerika hauptsächlich von Venezuela südwärts bis Uruguay und Argentinien. Sein Zugweg führt also normalerweise über den amerikanischen Kontinent bzw. dessen Küsten. Der „Abstecher“ des Bindenstrandläufers ist ein Beispiel dafür, dass Vögel gelegentlich von ihren angestammten Zugrouten abweichen. Die Art bevorzugt als Durchzügler zur Rast und Nahrungsaufnahme von Wirbellosen kleinere geschützte Buchten, Lagunen und Seen mit Schlickgrund und Flachwasser und meidet weitläufig offene Wasser- und Wattflächen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der Bindenstrandläufer in Niedersachsen und Schleswig-Holstein kleinere binnendeichs gelegene Feuchtbiotope mit Schlick- und Flachwasserhabitaten zum Verweilen ausgesucht hat.

In der Kleipütte des "Alten Wapeler Groden" konnte der Bindenstrandläufer gut bei der Nahrungssuche, Gefiederpflege und Ruhe beobachtet werden, oft vergesellschaftet mit Grünschenkel, Bruchwasserläufer, Kampfläufer, Lachmöwe und Heringsmöwe.