24.02.2016

Überraschender Fang im Jadebusen

Unserem Forscherkollegen Andreas Dänhardt ging ein Fisch ins Netz, der eigentlich aus der Nordsee und dem Wattenmeer so gut wie verschwunden ist: Der Nagelrochen. Ein Ansporn, mit den Schutzbemühungen im Nationalpark nicht nachzulassen.
Nagelrochen, Fang im Jadebusen. Foto: A. Dänhardt

Da staunte Meeresforscher Andreas Dänhardt nicht schlecht: Im Rahmen des Fisch-Monitorings im Jadebusen ging ihm, südlich des Wilhelmshavener Südstrandes, ein fast ausgewachsener Nagelrochen ins Netz. „In der Nordsee ist der Nagelrochen extrem selten und gilt als vom Aussterben bedroht“, so Dänhardt. „Dieser Rochen war trotz recht hohem Erfassungsaufwand seit über 10 Jahren das erste und einzige Exemplar, das ich im Wattenmeer gefangen habe.“ Sein Kollege Ralf Vorberg, der seit 1991 im Schleswig-holsteinischen Wattenmeer fischt, habe noch nie einen gefangen, und auch die Krabbenfischer haben nur äußerst selten welche in den Beifängen der Baumkurrenfischerei.
Bei dem gefangenen Exemplar handelte es sich um ein nahezu ausgewachsenes Weibchen mit einer Länge von 67,4 cm und einem Gewicht von 2645 g. Der Fangplatz lag ca. 1000 m vor dem Wilhelmshavener Südstrand auf Höhe des Aquariums.

Die Forscher sind mit einem Hamenkutter unterwegs. Der Kutter geht in der Strömung vor Anker, die Netze werden in den Gezeitenstrom gestellt und nach einiger Zeit eingeholt. Diese Methode ist sehr umweltschonend, da die Netze nicht über den Meeresboden schleifen. Der Rochen befand sich im Nachtfang (zwischen zwei und vier Uhr morgens), der bei Flut und 15,7 °C Wassertemperatur in ca. zehn Meter tiefem Wasser stattfand.

Der Nagelrochen (Raja clavata) war einst die häufigste Rochenart in den europäischen Schelfmeeren. Um 1910 wurden allein im niedersächsischen Wattenmeer noch jährlich etwa 18.000 Exemplare gefangen. Durch Überfischung sind die Bestände dieser faszinierenden Tiere allerdings stark zurückgegangen, im Wattenmeer kommen sie seit den 60er Jahren eigentlich nicht mehr vor. „Damit fehlt heute ein wichtiges Element der heimischen Fischfauna“, stellt Nationalpark-Leiter Peter Südbeck fest. „Durch gezielte Schutzmaßnahmen im Nationalpark muss die Rückkehr der Nagelrochen ins Wattenmeer gefördert werden.“

Eihülle des NagelrochensNagelrochen können bis zu 15 Jahre alt werden, die Weibchen werden erst mit etwa neun Jahren geschlechtsreif. Nach der Paarung legen sie etwa 20 bis 50 Eier, die von Hornkapseln (Bild) umgeben sind und mit den Haltefäden der Kapseln an Pflanzen verankert werden. Die Jungtiere schlüpfen erst nach vier bis fünf Monaten. Im Spülsaum sind gelegentlich die leeren Eikapseln zu finden, im Volksmund „Nixentaschen“ genannt. Nagelrochen bewohnen den Meeresgrund, wo sie sich oft im weichen Boden vergraben. Auf dem Speisezettel stehen am Boden lebende kleine Fische, Krabben und Garnelen.

Weil Nagelrochen nur noch selten vorkommen, wird die Art in der Nordsee nicht mehr befischt, landet aber versehentlich als Beifang in Schleppnetzen. Wegen der niedrigen Reproduktionsrate wird es trotz Schutzmaßnahmen sehr lange dauern, bis der Bestand sich erholt hat. Fischer könnten das unterstützen, indem sie versehentlich gefangene Rochen gleich an Bord aussortieren und wieder zu Wasser lassen. Rochen können einen unfreiwilligen „Landgang“ recht gut überstehen.

Auch das Rochenweibchen aus dem Jadebusen hat durch die Forschungsarbeit keinen Schaden genommen. „Das Tier war etwas schlapp und ließ sich dadurch gut handhaben, messen und wiegen“, erzählt Andreas Dänhardt. „Wir haben es dann gleich wieder vorsichtig ins Wasser gesetzt, und es schwamm selbstständig nach unten weg.“

Hier wurde der Nagelrochen gefangen. Karte: Google Earth

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