05.12.2015

Unbezahlbar: Freiwillige im Nationalpark

Vom Landschaftswart bis zum „Voluntouristen“: Rückblick auf 30 Jahre ehrenamtliches Engagement für das Wattenmeer und ein großes Dankeschön der Nationalparkverwaltung
Freiwilliger Einsatz auf einer Brutinsel, die mit Hochstauden zugewachsen ist. Foto: I. Zwoch

Schuften mit Spaß: Freiwilliger Einsatz auf einer Brutinsel, die mit Hochstauden zugewachsen ist. Foto: I. Zwoch

Der 5. Dezember ist besonderer Tag für ganz besondere Menschen: Seit 1986 gibt es den Internationalen Tag des Ehrenamtes, der von der UN als Gedenk- und Aktionstag zur Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements ausgerufen wurde. Genauso alt ist der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. In den 30 Jahren seines Bestehens haben sich viele Hundert Ehrenamtliche für den Schutz der einmaligen Natur vor unserer Küste engagiert. Die Nationalparkverwaltung nimmt den Gedenktag zum Anlass, sich bei den unzähligen fleißigen Helfern für die Unterstützung zu bedanken.

„Die Arbeit der Freiwilligen ist kostenlos – und unbezahlbar“ bringt es Nationalpark-Leiter Peter Südbeck auf den Punkt. „Ehrenamtliche können und sollen keine hauptamtlichen Kräfte ersetzen“, erklärt er, „aber mit ihrer Hilfe können wir über unsere Pflichtaufgaben hinaus sinnvolle Projekte umsetzen.“

Zu den Freiwilligen der ersten Stunde im Nationalpark zählen die ehrenamtlichen Nationalparkwarte an der Küste und auf den Inseln. Ursprünglich wurden sie von den einzelnen Landkreisen betreut; mittlerweile sind sie unter dem Dach der Nationalparkverwaltung als ehrenamtliche Nationalparkwacht vereint. Dazu zählen auch die Freiwilligen des Mellumrates, der im Auftrag der Nationalparkverwaltung die Inseln Wangerooge, Mellum und Minsener Oog betreut. „Eine intensive Vor-Ort-Betreuung ist die Grundlage für Schutz und Entwicklung des Nationalparks und Weltnaturerbes“, so Südbeck, „dafür ein großes Dankeschön an die ehrenamtliche Nationalparkwacht!“

Bei ihrer Jahresversammlung im Weltnaturerbeportal Dangast trafen die ehrenamtlichen Nationalparkwarte jetzt mit den hauptamtlichen Rangern zusammen, die in diesem Jahr ihren Dienst angetreten haben.

„Gutes Ehrenamt braucht intensive hauptamtliche Betreuung“, betont Imke Zwoch, die bei der Nationalparkverwaltung den Einsatz von Freiwilligen koordiniert. Dazu gehört, Haupt- und Ehrenamtliche gut miteinander zu vernetzen: „Wir hatten in den letzten Jahren stets mehr Bewerbungen von Freiwilligen, als wir angemessen betreuen konnten“, berichtet sie. „Durch die Ranger haben wir jetzt verlässliche Ansprechpartner in der Fläche, die Freiwillige unter ihre Fittiche nehmen und nach Bedarf einsetzen können“. Wichtige Knotenpunkte in diesem Netzwerk sind die Nationalparkeinrichtungen. So hat z. B. Ranger André Kramer sein Büro im Nationalparkhaus Wangerland, dort gibt es auch einen Schreibtisch für Freiwillige – Hausleitung, Ranger und Freiwillige haben einen gemeinsamen Bezugspunkt und können auf kurzem Wege alle anstehenden Projekte besprechen.

Ehrensache Natur

Seit 10 Jahren beteiligt sich der Nationalpark am bundesweiten Programm „Ehrensache Natur - Freiwillige in Parks“ der Nationalen Naturlandschaften. Der Dachverband Europarc Deutschland hat das Programm nach internationalem Vorbild initiiert und unterstützt die örtlichen Koordinatoren fachlich und auch finanziell durch Beschaffung von Fördermitteln. So profitierte das niedersächsische Wattenmeer vom Projekt „Ungehindert engagiert“. Projektpartner ist die Stiftung ProWerk Bethel. Seit mehreren Jahren kommt eine Gruppe von Freiwilligen mit geistig/seelischen Behinderungen, die als Natur- und Landschaftspfleger ausgebildet sind, im Spätsommer für eine Woche von Bielefeld nach Wangerooge, um – unterstützt durch den Mellumrat - bei der Pflege der Küstenheide mit anzupacken. Im Rahmen von „Ungehindert engagiert“ wurden auch, mit und für diese Zielgruppe, spezielle Lehrmaterialien in „Leichter Sprache“ entwickelt.

Die Palette der Freiwilligen im Wattenmeer ist vielfältig: ob Internationale Jugendgruppen, ob Firmeneinsätze (z. B. Auszubildende von Premium Aerotec, Nordenham); ob Einzelpersonen aus der Region, die dauerhaft und regelmäßig bei einem Nationalparkhaus oder der Verwaltung mithelfen, so wie Michael Hillmann aus Wilhelmshaven, der einfach gerne draußen und ganzjährig mit der Kamera „auf der Pirsch“ ist und tolle Fotos für die Informationsarbeit der Nationalparkverwaltung zur Verfügung stellt; oder Einzelpersonen aus ganz Deutschland, die für ein paar Wochen oder Monate mithelfen wollen, bis hin zu den so genannten „Voluntouristen“ (engl. volunteer = Freiwillige/r) – diese kümmern sich selbst um Anreise oder Unterkunft, möchten aber ihren Nordseeurlaub nicht im Strandkorb verbringen, sondern sich aktiv für den Nationalpark einsetzen. So wie der Forstwirt Pablo Cruz Font aus Spanien, der seine Deutschkenntnisse auffrischen wollte und Infomaterialien zum Nationalpark fachlich korrekt ins Spanische übersetzte. Zudem spricht er fließend französisch und wurde bei seinem einwöchigen Aufenthalt spontan als Dolmetscher eingesetzt, als Nationalpark-Kollegen aus Mauretanien zu Besuch kamen.

„Es gibt weder fachliche, noch sprachliche, noch Altersbegrenzungen“ ermuntert Imke Zwoch potenzielle Interessenten. „Unsere jüngsten Freiwilligen sind die Junior Ranger, bei der Nationalparkwacht sind auch einige über 80jährige nicht zu bremsen.“ Naturwissenschaftliche Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, man kann alles lernen und kreative oder handwerkliche Talente sind ebenso gefragt.

„Der Einsatz von Freiwilligen in Schutzgebieten ist vor allem praktische Umweltbildung im Mittelpunkt. Durch eigenes Tun lernen sie mit Herz und Hand und werden zu den besten Multiplikatoren, die wir uns denken können“, so Peter Südbeck. Nicht zu vergessen die soziale Komponente: „Über kurz oder lang werden die Freiwilligen Mitglieder unserer großen Nationalpark-Familie“.

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Zu den Wintergästen im Wattenmeer gehören auch die Schneeammern, die im Spülsaum, am Strand oder auch am Deichfuß, emsig nach Samen von Salzwiesenpflanzen suchen. Sie brauchen viel Ruhe zum Fressen, um im Frühjahr den Rückflug in ihre arktischen Brutgebiete zu schaffen. Durch Stressfaktoren wie das Feuerwerk zum Jahreswechsel werden ihre lebensnotwenigen Energiereserven unnötig aufgezehrt. Foto: Michael Hillmann

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