29.04.2015

Ungehindert engagiert im Wattenmeer

Seit drei Jahren engagieren sich Beschäftigte des "Grünen Bereichs" der Stiftung proWerk Bethel ehrenamtlich im Naturschutz auf Wangerooge. Das Freiwilligen-Team besteht aus Menschen mit geistigen Behinderungen, die als professionelle Landschaftspfleger ausgebildet sind. Jetzt trafen sie sich in Bielefeld mit Partnerinnen des Projektes "Ungehindert engagiert" aus dem Wattenmeer und von EUROPARC, um Rückschau auf die bisherigen erfolgreichen Einsätze zu halten und weitere Kooperationsmöglichkeiten auszuloten.
Kerstin Emonds (v. l.) von EUROPARC Deutschland und Imke Zwoch von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer übergaben David Kulina, Christian Ebke, Björn Landwehr, Sascha Müller, Jan Müller und Teamleiter Lothar Adorf kleine Geschenke als Dankeschön für die Arbeit des gesamten Gruppe. Foto: Paul Schulz

Kerstin Emonds (v. l.) von EUROPARC Deutschland und Imke Zwoch von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer übergaben David Kulina, Christian Ebke, Björn Landwehr, Sascha Müller, Jan Müller und Teamleiter Lothar Adorf kleine Geschenke als Dankeschön für die Arbeit des gesamten Gruppe. Foto: Paul Schulz

Bielefeld-Bethel / Wilhelmshaven. Traubenkirsche, Kartoffelrose und Riesenbärenklau sei es gehörig „an die Wurzeln“ gegangen, berichteten jetzt die Beschäftigten des „Grünen Bereichs“ von Bethel proWerk. Im Rahmen des Projekts „Ungehindert engagiert“ von EUROPARC Deutschland e. V. waren sie auf der ostfriesischen Insel Wangerooge im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer für den Naturschutz im Einsatz. Unter anderem bekämpften sie dort nicht heimische Pflanzenarten. Für ihr ehrenamtliches Engagement bekamen sie nun Preise von der Nationalparkverwaltung überreicht.

Das Schönste sei der sichtbare Erfolg gewesen, sagte Teilnehmer Christian Ebke im Hotel Lindenhof in Bielefeld-Bethel. Durch ihre Einsätze im Wangerooger Heidegebiet, zuletzt im August 2014, hätten sich streng geschützte und gefährdete Pflanzenarten wieder ausgebreitet – zum Beispiel durch das Entschlammen wertvoller Kleingewässer. „Jetzt wächst dort wieder der seltene Strandling aus dem Wasser“, freut sich Christian Ebke.

Insgesamt 15 junge Frauen und Männer von Bethel proWerk nehmen an dem Projekt „Ungehindert engagiert“ teil. In der Maßnahme bekommen Menschen mit geistiger Behinderung die Möglichkeit, sich freiwillig im Naturschutz zu engagieren. Gleichzeitig lernen die Freiwilligen viel über Flora und Fauna im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Für ihre Fortbildung wurden im Rahmen des Projektes auch Broschüren in Leichter Sprache über den Lebensraum Küste entwickelt.

Kerstin Emonds, Projektkoordinatorin von EUROPARC Deutschland, und Imke Zwoch von der Nationalparkverwaltung waren nach Bethel angereist, um den Einsatz der proWerk-Beschäftigten zu würdigen. Als kleines Dankeschön im Gepäck hatten sie unter anderem Outdoor-Jacken und Quartett-Kartenspiele mit Zugvögeln. Imke Zwoch machte auf die Erfolge des Engagements vieler Freiwilliger im Rahmen des Projekts aufmerksam: „Für uns ist das Freiwilligen-Team aus Bethel ein besonderer Glücksfall. Hier gehen Landschaftspflege-Profis ans Werk, die routiniert und ohne lange Einarbeitungszeit höchst effektiv mehr als das von uns geplante Pensum erledigen“. Kerstin Emonds hebt einen weiteren Aspekt hervor: „In diesem Projekt werden Menschen, die es gewohnt sind, Hilfe zu bekommen, selbst zu Helfenden und erbringen eine wertvolle Leistung für die Gesellschaft.“

Die Beschäftigten des „Grünen Bereichs“ von Bethel proWerk waren bereits zum dritten Mal im Nationalpark im Einsatz. Und im August startet der vierte Einsatz. Christian Ebke fiebert der Arbeit in den Dünen entgegen. „Ich bin echt glücklich dabei zu sein. Dabei wird man auch zum Experten für den speziellen Schutz der Natur auf der Insel.“

Das Projekt "Ungehindert engagiert" wurde 2013 mit dem Deutschen Naturschutzpreis ausgezeichnet. Aus diesen Fördermitteln werden konkrete Maßnahmen wie die Erstellung der Broschüren in Leichter Sprache realisiert. Der Einsatz auf Wangerooge wird über einen Zeitraum von fünf Jahren durch die Niedersächsische Wattenmeerstiftung gefördert.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein junger Seehase im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum  |  © Schröder/LKN.SH

Ein junger Seehase im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum | © Schröder/LKN.SH

02.04.2020 Seehase, Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum Ostern steht vor der Tür, und die Sache mit dem Hasen, der die Eier bringt, gehört traditionell zu den Ritualen, in denen sich in dieser Zeit christliche und vorchristliche Symbolik verbinden. Aber jeder weiß: Es ist nur Symbolik, denn Hasen legen keine Eier – oder? In der Tat gibt es Hasen, die eben das doch tun: Seehasen, in der Nordsee und der Unterwasserwelt des Wattenmeeres heimische Fische. mehr »

Nationalpark-Ranger Michael Beverungen bei der Arbeit. Foto: Stock/LKN.SH

30.03.2020 Brutsaison, Beschilderung, Brut- und Rastgebiete Rechtzeitig zum Beginn der Brutsaison sind im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer die Schilder zur Kennzeichnung der Schutzzone 1 und der Brut- und Rastgebiete installiert worden. mehr »

Nicole Pekruhl vom Aquaristik-Team des Multimar Wattforums bei der Arbeit hinter den Kulissen. Foto: Kaminski/LKN.SH

25.03.2020 Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum, Aquaristik Trotz der Schließung geht es hinter den Kulissen des Nationalpark-Zentrums Multimar Wattforum lebending zu - die vielen Meerestiere in den Aquarien und die Nachzucht wollen versorgt sein. mehr »
Das Hamsteröhrchen (Normandina pulchella), eine Flechte, auf der Insel Borkum. Foto: Christian Schmidt

Beim Flechtenworkshop gelang Tia Wessels der Erstnachweis des Hamsteröhrchens (Normandina pulchella) auf der Insel Borkum. Foto: Christian Schmidt

23.03.2020 Flechten Im Rahmen eines Workshops haben Fachleute die Flechtenwelt der Insel Borkum untersucht und dabei erstaunliche Entdeckungen gemacht. Eine kleine Sensation war der Erstnachweis des Hamsteröhrchens (Normandina pulchella) für die Insel Borkum. Diese nur wenige Millimeter kleine, versteckt im Moos lebende Art ist laut Roter Liste vom Aussterben bedroht. Insgesamt wurden binnen zwei Tagen etwa 70 Flechtenarten auf der Insel gefunden. Einige davon stellen wir in einer Bildergalerie vor. mehr »

Fahrräder im Wartestand | Dockhorn / LKN.SH

16.03.2020 Geschlossene Infozentren und abgesagte Veranstaltungen mehr »