02.12.2020

Vogelgrippe im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Gemeinsame Information der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (Stand 2. Dezember 2020)

Im Bereich der niedersächsischen Küste wird seit Anfang November 2020 eine erhöhte Sterblichkeit unter Wasservögeln beobachtet. In allen Bereichen der Küste gibt es erhöhte Todfund-Zahlen. Regionale Schwerpunkte liegen dabei auf den Inseln bei Borkum und am Festland in der Leybucht und dem Jadebusen. Erhöhte Anzahlen sind vor allem bei toten Nonnen- bzw. Weißwangengänsen festzustellen, es sind aber auch Graugänse und Silbermöwen betroffen. Andere Arten sind nur in einem geringen Maß betroffen. Diese Beobachtungen wurden an die zuständigen Kreisveterinärbehörden gemeldet. Die absoluten Zahlen der Todfunde sind erhöht, aber nicht dramatisch und bisher sehr deutlich unter den aus Schleswig-Holstein gemeldeten Zahlen.

In den letzten Wochen wurde bei tot oder krank aufgefundenen Vögeln im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer mehrfach das Vogelgrippevirus H5N8 und H5N5 nachgewiesen. Betroffen waren dort vor allem Weißwangengänse und Pfeifenten, aber auch ein Seeadler, mehrere Wanderfalken und ein Eisvogel. Auch aus den Niederlanden wird ein gehäuftes Auftreten von infizierten Vögeln berichtet. Die Ranger*innen und andere Fachleute vor Ort beobachten die Situation in Niedersachsen genau.

Die Nationalparkverwaltung und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erfassen gemeinsam mit weiteren Partnern vor Ort ganzjährig z.B. im Rahmen sogenannter Spülsaumkontrollen Totfunde von Wildvögeln auf den Ostfriesischen Inseln. Hierdurch ist es möglich, aktuelle Ereignisse systematisch zu erfassen und vor dem Hintergrund der natürlichen Sterblichkeit zu bewerten.

Beobachtungen und aktuelle Zahlen werden bei Auffälligkeiten den Veterinärbehörden der jeweils betroffenen Kreise gemeldet. Dort wird über ggf. hieraus abzuleitende Maßnahmen entschieden (z.B. eventuelle Beprobungen etc.).

Für alle, die draußen in der Landschaft unterwegs sind und tote oder kranke Vögel entdecken, gelten folgende Regeln:

  • Fassen Sie die Tiere auf keinen Fall an. Menschen können zu Virenträgern werden und die Geflügelpest in andere Teile des Landes verschleppen. Zwar gibt es keine Hinweise, dass die bislang im Wattenmeer nachgewiesenen Geflügelpest-Erreger bisher auf Menschen übergesprungen sind, ausschließen kann das aber niemand.
  • Halten Sie Abstand, belassen Sie das Tier an Ort und Stelle und lassen Sie die Vögel in Ruhe sterben. Halten Sie auch Ihren Hund auf Abstand (Anleinpflicht!).
  • Sollten Ihnen bei Spaziergängen auffällig viele tote oder kranke Vögel auffallen, informieren Sie bitte die zuständigen Veterinärbehörden über Ihre Beobachtung und den Fundort.

Das Verbot, wildlebende Tiere an ihrem Ruheplatz aufzusuchen, zu berühren, aufzuheben oder mitzunehmen, gilt immer, unabhängig von der derzeitigen Gefahr der Geflügelpest. Dies gilt für Vögel, Seehunde und andere Säugetiere, ob im Wattenmeer oder anderswo in Schutzgebieten und der freien Landschaft.