19.09.2018

Von Pfuhlschnepfen und Tundraflöten

Kooperation der Jungen Landesbühne und der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer bringt eine theatrale Liebeserklärung an die Marathonläufer der Luft auf die auf die Bühne

Haben die 10. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer fest im Blick (von links): Regis-seur Frank Fuhrmann, Schauspieler Franz Fendt und Nationalparkleiter Peter Südbeck freuen sich auf die Aufführungen des Theaterstücks „Solange die Flügel tragen“. Foto: J. Asendorf/NLPV

Voll Sehnsucht schallt das Raunen der Schamanenflöte in die Weite der offenen Tundra. Der Wind streicht über die endlose Ebene und trägt den Klang fort, bis er schließlich verhallt... Es ist Frühling in der Arktis und abertausende Zugvögel haben sich vom Wattenmeer aus auf den weiten Weg gen Norden gemacht, um dort zu brüten und ihre Jungen großzuziehen. Für die 10. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer haben der Schauspieler Franz Fendt und der Theaterpädagoge Frank Fuhrmann von der Jungen Landesbühne in Wilhelmshaven das Phänomen des Vogelzugs theatral aufgegriffen. Das Stück „Solange die Flügel tragen“ ist bis Ende Oktober an verschiedenen Spielorten entlang der niedersächsischen Küste, auf den Ostfriesischen Inseln, in Oldenburg und Bremen zu sehen. „In der guten Zusammenarbeit mit der Landesbühne beschreiten wir neue Wege, um noch mehr Menschen für den Schutz des Wattenmeeres zu sensibilisieren. Man kann nur schützen, was man kennt“, erklärt Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung, und unterstreicht, dass sich die Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gerade durch die Vielfalt an Veranstaltungsformaten auszeichnen, die die Bedeutung des Wattenmeeres für den internationalen Vogelzug zu erlebbar machen.

In dem Ein-Personen-Stück, bei dem Frank Fuhrmann Regie führt, verkörpert Franz Fendt den Schweizer Kulturforscher und Vogelfreund Adrian Fritz, der eines Tages eine verirrte Pfuhlschnepfe auf seinem Dach findet. Er ist so fasziniert von dem rastlosen kleinen Vogel, dass er selbst zum Reisenden wird. Es zieht ihn ans Wattenmeer – an den Treffpunkt riesiger Zugvogelschwärme. Dort lernt Fritz die Zusammenhänge des Vogelzugs kennen und findet im Ostfriesen Tammo Jansen einen Mentor, der ihm das Wattenmeer und den Nationalpark näher bringt. Er versteht, wie wichtig der intakte Lebensraum für die Zugvögel ist und folgt diesen weiter nach Afrika und in die russische Tundra.

Adrian Fritz ist selbst ein Laie in Sachen Vogelkunde und entdeckt viel Neues auf seinen Reisen. So begleitet ihn das Publikum, wie er das Leben der Zugvögel kennenlernt – und lernt dabei auf unterhaltsame Weise genauso wie er. Hauptsächlich setzt Franz Fendt dazu seinen Körper ein. Er erzählt im Schweizer Dialekt von den Erlebnissen des Adrian Fritz, tippelt wie eine Brandgans auf dem Wattboden, um Würmer hervorzulocken oder löffelt mit den Armen durch die Luft, wie der Löffler es im Wasser mit seinem Schnabel tut. Diese Art des Spielens liegt ihm besonders nahe, denn er ist kein Schauspieler im klassischen Sinne. In Paris besuchte er die Schule des Theaterpädagogen Jaques Lecoq und erhielt dort eine Ausbildung zum Mimen. „Es geht darum, die Welt mit dem Körper auszudrücken“, erklärt Fendt. So schafft er es, nur mit seinen Gesten, wenigen Requisiten und kleinen musikalischen Untermalungen an einem Abend von Afrika über das Wattenmeer bis in die Tundra zu reisen und seine Zuschauer, kleine wie große, die Magie der Natur spüren zu lassen – von der unendlichen Weite der Tundra über das Wattenmeer bis nach Afrika.

„Solange die Flügel tragen“ ist konzipiert für Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene. Premiere feiert das Stück am 23.9. in Wilhelmshaven und geht danach auf Theaterreise.

  • 23.9. 15:00 Uhr  Wilhelmshaven, TheOs – Theater im Oceanis, Am Bontekai 63, 26382 Wilhelmshaven
  • 25.9. 19:00 Uhr  Oldenburg, Landesmuseum Natur und Mensch, Damm 38 – 44, 26135 Oldenburg
  • 26.9. 18:00 Uhr  Bremen, Übersee-Museum, Bahnhofsplatz 13, 28195 Bremen
  • 13.10. 17:00 Uhr  Wilhelmshaven, UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum, Südstrand 110B, 26382 Wilhelmshaven
  • 14.10. 17:00 Uhr  Wurster Nordseeküste, Nationalpark-Haus, Am Kutterhafen 1, 27639 Wurster Nordseeküste
  • 15.10. 20:00 Uhr  Langeoog, Hotel Bethanien, Barkhausenstraße 31, 26465 Langeoog
  • 16.10. 15:00 Uhr  Wangerooge, Nationalpark-Haus, Friedrich-August-Straße 18, 26486 Wangerooge
  • 17.10. 19:00 Uhr  Spiekeroog, Inselkino, Noorderpad 25, 26474 Spiekeroog
  • 18.10. 17:00 Uhr  Greetsiel, Nationalpark-Haus, Schatthauser Weg 6, 26736 Greetsiel
  • 19.10. 17:00 Uhr  Carolinensiel, Gulfhof Friedrichsgroden, Friedrichsgroden 3, 26409 Wittmund-Carolinensiel
  • 20.10. 20:15 Uhr  Juist, Haus des Kurgastes, Strandstraße 11, 26571 Juist

10. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Vom 13. bis 21. Oktober 2018 bieten die 10. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wieder viele spannende Möglichkeiten, die Bedeutung des Wattenmeeres für den internationalen Vogelzug zu erleben und sich von seiner Faszination anstecken zu lassen.

Das Programm und weitere Infos findet man auf zugvogeltage.de, die Programmhefte gibt es kostenlos in allen Nationalpark-Einrichtungen, bei vielen Tourist-Infos oder bei der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven: .

Das könnte Sie auch interessieren

Foto: Wiedemann/LKN.SH

25.05.2020 Wattführung, Naturerlebnis, Coronabeschränkungen In Schleswig-Holstein gibt es grünes Licht: Watt- und Gästeführungen sind in der Nationalparkregion, unter entsprechenden Schutz- und Hygienemaßnahmen wegen des Coronavirus, wieder möglich. mehr »

Drei Wattenmeer-Staaten, drei Generationen

15.05.2020 Auch das CWSS beteiligt sich mit einem Video an einer UNESCO-Aktion mehr »
Umweltminister Jan Philipp Albrecht (links) und Multimar-Leiter Gerd Meurs-Scher bei der Wiedereröffnung | © Claußen/LKN.SH

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (links) und Multimar-Leiter Dr. Gerd Meurs-Scher bei der Wiedereröffnung | © Claußen/LKN.SH

13.05.2020 Infozentrum, Multimar Wattforum Nach zweimonatiger Schließung hat das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum im Beisein von Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht wieder seine Türen für die Öffentlichkeit geöffnet – allerdings mit Einschränkungen und Regeln für die Gäste. mehr »
Laichballen des Kotpillenwurms. Foto: Inga Nordhaus

Laichballen des Kotpillenwurms. Foto: Inga Nordhaus

08.05.2020 Laichballen, Borstenwürmer Auch im Watt gibt es viele Frühjahrsboten, die jetzt bei der Beobachtung des Wattbodens auffallen. Hierzu gehören die Laichballen verschiedener Borstenwürmer. Wir stellen zwei Arten vor, deren Gelege unsere Watt-Ökologinnen fotografisch dokumentiert haben. mehr »
Radiolaren-Modell von Reiner Maria Matysik im Eingangsbereich der Nationalparkverwaltung. Foto: NLPV

Radiolaren-Modell von Reiner Maria Matysik im Eingangsbereich der Nationalparkverwaltung. Foto: NLPV

07.05.2020 Kunsthalle Wilhelmshaven Eine von der Kunsthalle Wilhelmshaven geplante Ausstellung mit Wattenmeer-Bezug, in deren Rahmen auch Aktionen in Kooperation mit der Nationalparkverwaltung geplant waren, musste Corona-bedingt ausfallen. Aus der Not entstand die pfiffige (mittlerweile bundesweit beachtete) Idee, stattdessen die Kunstwerke an Interessierte auszuleihen. So erfreuen sich die Mitarbeiter*innen der Nationalparkverwaltung an einem Radiolaren-Modell, das im Eingangsbereich ins Auge springt. mehr »