26.12.2017

Weltnaturerbe ohne Knalleffekt

Themen: 
Feuerwerksverbot innerhalb des Nationalparks reicht für den Schutz der Natur nicht aus - Anrainer des Weltnaturerbes tragen gemeinsame Verantwortung
Rastende Nonnengänse. Foto: Onno K. Gent

Rastende Nonnengänse. Foto: Onno K. Gent

Kaum ist der Weihnachtstrubel vorbei, beginnen die Vorbereitungen für den Jahreswechsel. Viele lieben es ruhig und besinnlich, für andere gehören Böller und Raketen dazu. Nach Schätzungen des Verbands der pyrotechnischen Industrie werden die Bundesbürger zu Silvester 2017 voraussichtlich rund 137 Millionen Euro für Feuerwerksartikel ausgeben. Laut einem Bericht in der Wirtschaftswoche knallt jeder vierte Deutsche (23%) zum Jahreswechsel. Ein gutes Viertel der Befragten (27 %) empfindet hingegen Feuerwerk als pure Geldverschwendung, 13 Prozent der Deutschen sind davon genervt.

Für unsere tierischen Nachbarn kann die Knallerei sogar lebensbedrohlich werden. "Bei Vögeln und anderen wildlebenden Tieren erzeugen die Knall- und Lichteffekte keine Partystimmung, sondern Panikreaktionen", erklärt Nationalpark-Leiter Peter Südbeck. Nicht nur während der Brutzeit ist Ruhe angesagt. So überwintern unter anderem zehntausende Nonnengänse und Große Brachvögel im Wattenmeer. Im Nationalpark finden sie ungestörte Rastplätze oder auch Nahrungsflächen, um den Winter zu überstehen. Sie müssen unentwegt fressen, um im Frühjahr in guter Kondition in ihre Brutgebiete zurückzukehren. Diese liegen oft fernab der Zivilisation bis hin zum Polarkreis. Umso größer ist der Schock für die Vögel, wenn im Winterquartier plötzlich in einer Nacht die Hölle losbricht.

Niederländische Forscher haben mithilfe von Radargeräten nachgewiesen, wie sich riesige Vogelschwärme ausgelöst durch die Feuerwerksaktivitäten weiträumig von ihren Rastplätzen entfernen. Doch auch ohne wissenschaftliche Belege kann eigentlich jeder nachvollziehen, dass Tiere den geballten Lärm nicht gut verkraften. Besitzer von Hunden, Katzen und anderen Haus- und auch Nutztieren können nach jeder Silvesternacht ein Lied davon singen.

Weitreichende Folgen
Aus gutem Grund sind Feuerwerke im Nationalpark Wattenmeer (und auch im Nationalpark Harz und anderen Schutzgebieten) ganzjährig streng verboten. Licht- und Schallemissionen machen jedoch an den Grenzen des Nationalparks nicht Halt. Und der Feuerwerksmüll, wie die Reste der weit fliegenden Raketen, findet sich nach der Silvesternacht auch im Nationalpark und Weltnaturerbe wieder.

"Außerhalb der Nationalpark-Grenzen können wir die Verbote des Nationalpark-Gesetzes natürlich nicht anwenden", so Südbeck. "Hier stehen Kommunen, Touristik, aber auch jeder Einzelne, ob einheimisch oder Gast, in der gemeinsamen Verantwortung für das Weltnaturerbe." Ein freiwilliger Verzicht auf Böller und Raketen im Umfeld des Nationalparks sei nicht gleichbedeutend mit einem Verlust an Spaß. "Hier ist auch Kreativität gefragt, neue Gemeinschaftserlebnisse zu schaffen, die Glücksmomente im Einklang mit der Natur vermitteln." Zum Beispiel eine Sternenwanderung jenseits des Partygetümmels, am Meer oder durch die Dünen: Die funkelnden Lichter gibt es hier gratis. Mit diesem Tipp wünscht die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer allen Einheimischen und Gästen einen besinnlichen Jahreswechsel und einen guten Start ins neue Jahr.

Das könnte Sie auch interessieren

Beim Gongkonzert von Peter Heeren ertönen einzigartige Klänge vor dem Großaquarium im Multimar Wattforum (Archivbild)  |  © Jens Zygvar

Beim Gongkonzert von Peter Heeren ertönen einzigartige Klänge vor dem Großaquarium im Multimar Wattforum (Archivbild) | © Jens Zygvar

04.12.2019 Veranstaltung, Konzert, Multimar Wattforum Beim Konzert "The Big Gong" von Peter Heeren ertönen am Samstag, den 14. Dezember einzigartige Klänge vor dem Großaquarium im Multimar Wattforum. Die Gäste erwartet ein echtes Hörerlebnis, das durch Mark und Bein geht. mehr »
Der tauchende Nikolaus im Großaquarium des Multimar Wattforum  |  © Claußen/LKN.SH

Der tauchende Nikolaus im Großaquarium des Multimar Wattforum | © Claußen/LKN.SH

03.12.2019 Nikolaus, Multimar Wattforum, Tauchen Bescherung für die Fische im Multimar Wattforum! Auf seiner Gabentour am 6. Dezember bringt der Nikolaus den Tieren im Großaquarium leckere Geschenke vorbei. Dafür steigt er in den Taucheranzug. mehr »
Nationalpark-Leiter Peter Südbeck nahm von Kai Rückstein, Leiter Vertrieb bei GEW Wilhelmshaven einen Scheck über 3.500 € in Empfang.

Nationalpark-Leiter Peter Südbeck (links) nahm von Kai Rückstein, Leiter Vertrieb bei GEW Wilhelmshaven einen Scheck über 3.500 € in Empfang, mit dem Blühstreifen und Wildblumenbeete zum Schutz der heimischen Insektenwelt entstehen sollen.
Foto: GEW

02.12.2019 Nationalpark-Partner, Partnerinitiative, Biosphärenreservat Dank der Unterstützung der GEW Wilhelmshaven erhalten Partnerbetriebe des Nationalparks und Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer Saatgut heimischer Wiesenblumen – ein aktiver Beitrag zum Erhalt der Biodiversität vor unserer Haustür. mehr »

© Dithmarschen Tourismus e.V./photocompany

22.11.2019 Wie können Naturthemen dabei helfen, den Urlaubsgästen am Wattenmeer-Nationalpark noch vielfältigere Angebote zu machen und touristische Einrichtungen im Winterhalbjahr besser auszulasten? Mehr als hundert Teilnehmer bekamen dazu bei der 17. Fachtagung zu Natur und Tourismus interessante Anregungen. mehr »
Luftaufnahme vom Wattenmeer. Foto: Norbert Hecker

Foto: Norbert Hecker

21.11.2019 Ausstellung, Wattenmeer Ab kommenden Mittwoch, 27. November 2019, eröffnet sich in den Räumen der Krebsgesellschaft Bremen eine beeindruckende fotografische Perspektive auf das Wattenmeer vor der niedersächsischen Nordseeküste. Der Wilhelmshavener Fotograf Norbert Hecker präsentiert eine Auswahl eigener Luftaufnahmen des Wattenmeeres, die diesen einmaligen Lebensraum mit seiner hohen natürlichen Dynamik zu unterschiedlichen Jahreszeiten zeigen. mehr »