29.12.2016

Weltnaturerbe Wattenmeer: Kein Platz für „Knalleffekte“

Themen: 
Silvester steht vor der Tür und eigentlich sollte es mittlerweile jeder wissen: Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist es verboten, Feuerwerke zu zünden. Vor jedem Jahreswechsel informiert die Nationalparkverwaltung über das Verbot und die Gründe dafür. Trotzdem ist das Schutzgebiet bis heute nicht sicher vor Pyrotechnik-Begeisterten, die entweder unwissend oder uneinsichtig sind. Deshalb werden auch in diesem Jahr die Regelungen und ihre Hintergründe erläutert.
Nonnengänse sind typische Wintergäste im Wattenmeer. Foto: Claus Schulz / Nationalparkverwaltung

Nonnengänse sind typische Wintergäste im Wattenmeer. Sie brauchen störungsfreie Nahrungs- und Schlafplätze, um die harte Jahreszeit zu überstehen. Foto: Claus Schulz / Nationalparkverwaltung

Die Geschichte des Feuerwerks begann vor über 1000 Jahren im alten China. Auf der Suche nach einem Mittel, um böse Geister zu vertreiben, experimentierte ein Mönch mit Schwarzpulver. Später wurden diese ersten „China-Böller“ auch zu kriegerischen Zwecken eingesetzt, um den Feind in Angst und Schrecken zu versetzen. Erste friedliche Einsätze als Freudenfeuerwerk gab es Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa. Den Knalleffekten wurden im Laufe der Zeit immer eindrucksvollere Farbeffekte hinzugefügt, um die Menschen zu allen möglichen Anlässen mit Lichtspektakeln zu unterhalten.

Ob es in historischen Zeiten tatsächlich gelang, mit Feuerwerken böse Geister zu vertreiben, ist nicht belegt. Hingegen ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Tiere durch Böller und Raketen in Angst und Schrecken versetzt und vertrieben werden. Im Nationalpark und Weltnaturerbe Wattenmeer sind zum Jahreswechsel vor allem wildlebende Vögel betroffen, die hier rasten und überwintern. Um die harte Jahreszeit zu überstehen, müssen sie unentwegt fressen. Das Nahrungsangebot ist ohnehin knapper als im Sommerhalbjahr, und Vögel, die sich von Wattlebewesen ernähren, können nur fressen, solange das Watt nicht von Wasser bedeckt ist und müssen ansonsten möglichst energieschonend rasten. Durch die Knall- und Lichteffekte von Feuerwerken werden sie immer wieder von ihren Nahrungs- oder Ruheplätzen aufgescheucht und verlieren überlebenswichtige Energie. Die „Knallerei“ beschränkt sich leider nicht auf die Stunde um Mitternacht in der Neujahrsnacht, so dass die Tiere über mehrere Tage unentwegt im Fluchtmodus sind.

Durch den Klimawandel mit vergleichsweise milden Wintern an der Nordseeküste bleiben immer mehr Vögel wie z. B. Austernfischer, Rotschenkel, Große Brachvögel, Brandgänse oder Pfeifenten im Wattenmeer, statt in südlichere Winterquartiere weiterzufliegen. Somit ist bei uns eine steigende Zahl von Vögeln von den Störungen durch Feuerwerke betroffen.

„Wir können nicht flächendeckend kontrollieren, ob das im Nationalpark geltende Feuerwerksverbot auch eingehalten wird“, erklärt Normann Grabow, Jurist bei der Nationalparkverwaltung. „Wir machen daher flankierend immer wieder darauf aufmerksam, wie gravierend sich das knallbunte Spektakel auf unsere Tierwelt auswirkt." Und: " Auch bei Feuerwerken außerhalb des Nationalparks muss man sich darüber im Klaren sein, dass auch direkt im Umfeld gezündete Böller und Raketen störend ins Schutzgebiet und Weltnaturerbe hineinwirken.“

Zum Abschluss des Jubiläumsjahres – 2016 wurde der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer 30 Jahre alt – wünscht die Nationalparkverwaltung allen Einheimischen und Gästen einen friedlichen, besinnlichen Jahreswechsel. Empfehlung: Statt Pyrotechnik das Natur-„Feuerwerk“ am Sternenhimmel genießen und den Vogelstimmen und dem Meeresrauschen lauschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Bei einem Treffen im Wattenmeer Besucherzentrum Wilhelmshaven nahmen VertreterInnen von 9 der 18 zertifizierten Nationalpark-Einrichtungen ihre Urkunden von TMN-Geschäftsführerin Meike Zumbrock (4.v.l.) entgegen. Als Partner des Zertifizierungs-Prozesses waren Imke Wemken (OTG, 2.v.l.) und Peter Südbeck (Nationalparkverwaltung, 2.v.r.) dabei. Foto: Nationalparkverwaltung

14.11.2019 barrierefrei, Naturerlebnis Einen großen Schritt in Richtung Barrierefreiheit macht der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. In Kooperation mit der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH (TMN) wurden alle 18 Informations- und Bildungseinrichtungen nach dem bundesweit einheitlichen Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ zertifiziert. mehr »
Gewinnübergabe Kinderaktion

Losglück - Unsere Gewinner und Gewinnerinnen aus Wilhelmshaven strahlen. Foto: Richard Czeck/NLPV

08.11.2019 Zugvogeltage, Kinderaktion Sechs Schulkinder aus Wilhelmshaven gewannen bei der Kinderaktion der diesjährigen Zugvogeltage hochwertige Ferngläser mehr »
Gestrandeter Grindwal auf Juist

Gestrandeter Grindwal auf Juist. Foto: Markus Großewinkelmann/NLPV

07.11.2019 Am Dienstag (05.11.) ist auf der Insel Juist sowie am Rande der Leybucht im Landkreis Aurich jeweils ein toter Grindwal entdeckt worden. mehr »
Wangerooger Küstenheide
06.11.2019 Küstenheide Im Rahmen des Inselschutzes erneuert das Wasser- und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven (WSA) das Deckwerk auf Wangerooge. mehr »
Seehund

Foto: Klaus Jahnke

04.11.2019 Seehunde 2019 war ein weiteres Rekordjahr für Seehundjungtiere im dänisch-deutsch-niederländischen Wattenmeer. mehr »