30.12.2016

Weltnaturerbe Wattenmeer: Kein Platz für „Knalleffekte“

Silvester steht vor der Tür und eigentlich sollte es mittlerweile jeder wissen: Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist es verboten, Feuerwerke zu zünden. Vor jedem Jahreswechsel informiert die Nationalparkverwaltung über das Verbot und die Gründe dafür. Trotzdem ist das Schutzgebiet bis heute nicht sicher vor Pyrotechnik-Begeisterten, die entweder unwissend oder uneinsichtig sind. Deshalb werden auch in diesem Jahr die Regelungen und ihre Hintergründe erläutert.

Die Geschichte des Feuerwerks begann vor über 1000 Jahren im alten China. Auf der Suche nach einem Mittel, um böse Geister zu vertreiben, experimentierte ein Mönch mit Schwarzpulver. Später wurden diese ersten „China-Böller“ auch zu kriegerischen Zwecken eingesetzt, um den Feind in Angst und Schrecken zu versetzen. Erste friedliche Einsätze als Freudenfeuerwerk gab es Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa. Den Knalleffekten wurden im Laufe der Zeit immer eindrucksvollere Farbeffekte hinzugefügt, um die Menschen zu allen möglichen Anlässen mit Lichtspektakeln zu unterhalten.

Ob es in historischen Zeiten tatsächlich gelang, mit Feuerwerken böse Geister zu vertreiben, ist nicht belegt. Hingegen ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Tiere durch Böller und Raketen in Angst und Schrecken versetzt und vertrieben werden. Im Nationalpark und Weltnaturerbe Wattenmeer sind zum Jahreswechsel vor allem wildlebende Vögel betroffen, die hier rasten und überwintern. Um die harte Jahreszeit zu überstehen, müssen sie unentwegt fressen. Das Nahrungsangebot ist ohnehin knapper als im Sommerhalbjahr, und Vögel, die sich von Wattlebewesen ernähren, können nur fressen, solange das Watt nicht von Wasser bedeckt ist und müssen ansonsten möglichst energieschonend rasten. Durch die Knall- und Lichteffekte von Feuerwerken werden sie immer wieder von ihren Nahrungs- oder Ruheplätzen aufgescheucht und verlieren überlebenswichtige Energie. Die „Knallerei“ beschränkt sich leider nicht auf die Stunde um Mitternacht in der Neujahrsnacht, so dass die Tiere über mehrere Tage unentwegt im Fluchtmodus sind.
Durch den Klimawandel mit vergleichsweise milden Wintern an der Nordseeküste bleiben immer mehr Vögel wie z. B. Austernfischer, Rotschenkel, Große Brachvögel, Brandgänse oder Pfeifenten im Wattenmeer, statt in südlichere Winterquartiere weiterzufliegen. Somit ist bei uns eine steigende Zahl von Vögeln von den Störungen durch Feuerwerke betroffen.

„Wir können nicht flächendeckend kontrollieren, ob das im Nationalpark geltende Feuerwerksverbot auch eingehalten wird“, erklärt Normann Grabow, Jurist bei der Nationalparkverwaltung. „Wir machen daher flankierend immer wieder darauf aufmerksam, wie gravierend sich das knallbunte Spektakel auf unsere Tierwelt auswirkt. Auch bei Feuerwerken außerhalb des Nationalparks muss man sich darüber im Klaren sein, dass auch direkt im Umfeld gezündete Böller und Raketen störend ins Schutzgebiet und Weltnaturerbe hineinwirken.“

Zum Abschluss des Jubiläumsjahres – 2016 wurde der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer 30 Jahre alt – wünscht die Nationalparkverwaltung allen Einheimischen und Gästen einen friedlichen, besinnlichen Jahreswechsel. Empfehlung: Statt Pyrotechnik das Natur-„Feuerwerk“ am Sternenhimmel genießen und den Vogelstimmen und dem Meeresrauschen lauschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Schneeammern im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. ©Kühn/LKN.SH

10.12.2019 Winter, Vögel, Vogelwelt Auch in der kalten Jahreszeit ist das Wattenmeer nicht "vogelleer". mehr »

Wattlandschaft bei Minsener Oog.
Foto: Jana Lacina/NLPV

05.12.2019 Watt Am 5. Dezember ist traditionell der Internationale Tag des Bodens. Mit ihm wollen die Vereinten Nationen auf die Bedeutung der natürlichen Ressource Boden aufmerksam machen. Seit 2005 wird aus diesem Anlass in Deutschland der „Boden des Jahres“ ausgerufen. Der Boden des Jahres 2020 ist: Der Wattboden. mehr »
Beim Gongkonzert von Peter Heeren ertönen einzigartige Klänge vor dem Großaquarium im Multimar Wattforum (Archivbild)  |  © Jens Zygvar

Beim Gongkonzert von Peter Heeren ertönen einzigartige Klänge vor dem Großaquarium im Multimar Wattforum (Archivbild) | © Jens Zygvar

04.12.2019 Veranstaltung, Konzert, Multimar Wattforum Beim Konzert "The Big Gong" von Peter Heeren ertönen am Samstag, den 14. Dezember einzigartige Klänge vor dem Großaquarium im Multimar Wattforum. Die Gäste erwartet ein echtes Hörerlebnis, das durch Mark und Bein geht. mehr »
Der tauchende Nikolaus im Großaquarium des Multimar Wattforum  |  © Claußen/LKN.SH

Der tauchende Nikolaus im Großaquarium des Multimar Wattforum | © Claußen/LKN.SH

03.12.2019 Nikolaus, Multimar Wattforum, Tauchen Bescherung für die Fische im Multimar Wattforum! Auf seiner Gabentour am 6. Dezember bringt der Nikolaus den Tieren im Großaquarium leckere Geschenke vorbei. Dafür steigt er in den Taucheranzug. mehr »
Nationalpark-Leiter Peter Südbeck nahm von Kai Rückstein, Leiter Vertrieb bei GEW Wilhelmshaven einen Scheck über 3.500 € in Empfang.

Nationalpark-Leiter Peter Südbeck (links) nahm von Kai Rückstein, Leiter Vertrieb bei GEW Wilhelmshaven einen Scheck über 3.500 € in Empfang, mit dem Blühstreifen und Wildblumenbeete zum Schutz der heimischen Insektenwelt entstehen sollen.
Foto: GEW

02.12.2019 Nationalpark-Partner, Partnerinitiative, Biosphärenreservat Dank der Unterstützung der GEW Wilhelmshaven erhalten Partnerbetriebe des Nationalparks und Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer Saatgut heimischer Wiesenblumen – ein aktiver Beitrag zum Erhalt der Biodiversität vor unserer Haustür. mehr »