28.09.2015

Wiederentdeckt: Botanische Raritäten im Nationalpark

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Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist durch eine große biologische Vielfalt geprägt. Mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten wurden hier bereits gezählt. Trotzdem gibt es „Sorgenkinder“, die eigentlich zum klassischen Arteninventar des Schutzgebietes zählen, aber vom Aussterben bedroht und seit Jahren verschollen sind. Zur großen Freude der Nationalparkverwaltung wurden in diesem Jahr einige botanische Kostbarkeiten wieder entdeckt: Die Mondraute, die Strandsalde und der Meerkohl.
Der Echte Meerkohl (Crambe maritima). Foto: Onno K. Gent

Der Echte Meerkohl (Crambe maritima). Foto: Onno K. Gent

Der Echte Meerkohl (Crambe maritima) besiedelt stickstoffreiche Spülsäume der Meeresküsten. Er gehört zu der Familie der Kreuzblütengewächse und ist mit unserem heimischen Gemüse eng verwandt. Die niedersächsische Rote Liste stuft den Echten Meerkohl als extrem selten ein. In diesem Jahr wurde er erstmals nach 170 Jahren wieder an einem natürlichen Standort innerhalb des heutigen Nationalparks in der Krummhörn entdeckt. Glücklicher Finder ist Nationalpark-Ranger Onno K. Gent. Es stimmt optimistisch, dass jetzt insgesamt zehn Ranger ständig draußen unterwegs sein werden und ein waches Auge auf das botanische Tafelsilber haben.

Die Echte Mondraute (Botrychium lunaria) ist eine unscheinbare farnartige Pflanze aus der Familie der Natternzungengewächse. Zuletzt wurde sie 1871 in der Kiebitzdelle im Südwesten von Borkum gesichtet – jetzt, 144 Jahre später, am genau entgegengesetzten Ende der Insel, am Rande eines Graudünen-Gebüsches. „Dass diese extrem seltene Art es geschafft hat, sich andernorts auf der Insel wieder anzusiedeln, ist eine kleine Sensation“, freut sich Norbert Hecker, der sich bei der Nationalparkverwaltung um den Schutz von Pflanzenarten kümmert. Zwei weitere Vorkommen der Mondraute sind von Langeoog und Wangerooge bekannt. Auf Wangerooge kommt sie am Westgrodendeich und am Fuß des im Dorfgroden-Deiches vor. „Bei ungestörter Dünenentwicklung sind solche Überraschungen möglich. Sie belegen, wie wichtig es ist, der Natur großen Raum zur Verfügung zu stellen und nicht nur in kurzen Zeiträumen zu denken.“

Die sehr unscheinbare Strandsalde (Ruppia maritima) ist eine im Küstenbereich zwar typische, aber aktuell seltene Art mit grasartigem Aussehen. Sie stellt sehr exklusive Ansprüche an ihren Standort: Sie braucht Brackwassertümpel, die weder in reinen Salzwiesenbereichen noch in eingedeichten Flächen entstehen können. Schon dadurch sind solche Tümpel selten und für die Strandsalde muss dann noch der Salzgehalt des Brackwassers stimmen. In diesem Jahr wurde sie in einem solchen brackigen Gewässer auf Norderney entdeckt.

„Wenn wir der natürlichen Dynamik, die auch solche extremen Standorte formt, wieder Raum geben, kehren auch solche besonderen Pflanzenarten wieder zurück“, so Norbert Hecker. „In allen drei Fällen haben wir nicht aktiv in die Standortverhältnisse wie Boden und Wasserhaushalt eingegriffen. Wir haben nur dafür gesorgt, dass die Natur einfach selbst schalten und walten darf.“

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