13.05.2014

Lösung für Kitesurf-Spots Cuxhaven gefunden

Am „Runden Tisch“ erörterten Vertreter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, der Stadt Cuxhaven, der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH, der Kitesurfer und der Umweltverbände die Zukunft des Kitesurfens in der Stadt Cuxhaven. Die Nationalparkverwaltung hat entschieden: Unter veränderten Rahmenbedingungen darf zukünftig an den Standorten Kugelbake und Sahlenburg gekitet werden.
Kitesurfer im niedersächsischen Wattenmeer

Seit Ostern herrschte in der Cuxhavener Kiterszene mit überregionalem Echo große Aufregung: Der Antrag zur Verlängerung der Befreiung von den Bestimmungen des Nationalparkgesetzes in zwei Kite-Gebieten – Sahlenburg und Kugelbake - konnte bis dahin nicht genehmigt werden.  Es bedurfte vielfältiger Gespräche, um den Sachverhalt vor Ort zu erklären und auf die Probleme, die mit dem Kite-Surfen im Weltnaturerbegebiet und Nationalpark bestehen, hinzuweisen. Insbesondere war der ursprüngliche Antrag auf zwei Ausnahmegebiete nicht ausreichend begründet, so dass zunächst die Befreiung nur für den Standort Sahlenburg, der ersten Priorität der Antragsteller, ausgesprochen werden konnte.

Um zu einem direkten Meinungsaustausch zu kommen und das offensichtliche Informationsdefizit zu beheben, aber auch den Beteiligten die Möglichkeit zu geben, neue bislang nicht vorgelegte Argumente auszutauschen, trafen sich am Montag auf Initiative des Oberbürgermeisters von Cuxhaven, Dr. Ulrich Getsch, und des Leiters der Nationalparkverwaltung, Peter Südbeck, Vertreter der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH, ein Repräsentant der Kitesurfer Cuxhavens, des Umweltverbandes BUND,  der Stadt sowie der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven am „Runden Tisch“, um im direkten sachlichen Gespräch einer Lösung des Streits näher zu kommen.

Dabei trugen die Stadt Cuxhaven, die Nordseeheilbad GmbH und ein Vertreter der Kitesurf-Schulen neue Sachverhalte und Begründungen für die Beibehaltung beider Surfstandorte – neben Sahlenburg auch der an der Kugelbake - vor, die im bisherigen Verfahren nicht bekannt waren und somit von der Nationalparkverwaltung nicht berücksichtigt werden konnten. Gleichzeitig wurde der Nationalparkverwaltung ein Kompromissvorschlag zur Neuabgrenzung und zur verbesserten Kontrolle beider Surfareale im Stadtgebiet unterbreitet. Die Vertreter der örtlichen BUND-Gruppe brachten vor allem die Schutzbelange des Nationalparks ein, hier ging es um die Bedeutung des Standortes Kugelbake für überwinternde Eiderenten und Zugvögel, die zwischen Herbst und Frühjahr direkt über die Fläche hinwegziehen.

Der Vertreter der Kitesurfer schilderten die Ausübung des Kitesports, insbesondere vor dem Hintergrund wechselnder Windverhältnisse, erläuterten aber auch die durchgeführten und beabsichtigen Überwachungsmechanismen in Zusammenarbeit mit der Nordseeheilbad und der Stadt Cuxhaven sowie der Wasserschutzpolizei.

Angesichts der neu vorgetragenen Sachverhalte hat die Nationalparkverwaltung nun entschieden, dass auch zukünftig an den beiden Cuxhavener Standorten, Sahlenburg und Kugelbake, gekitet werden darf, allerdings unter veränderten Rahmenbedingungen. Um den Schutz der Nationalpark-Ruhezone Duhner Anwachs weiter zu verbessern, werden beide Surfstandorte in ihrer Größe verkleinert. Im Winter steht nur der Standort Sahlenburg für die Ausübung des Sports zur Verfügung. Der Standort Kugelbake bleibt aus Gründen des Vogelzuges dann jeweils vom 1.11. bis zum 31.3. geschlossen. Stadt und Nordseeheilbad GmbH werden überdies zu einer weiter verbesserten Kennzeichnung und Aufsicht der Standorte verpflichtet, ebenso zu einer vertieften Information gegenüber den Kitesurfern über die Grenzen und Möglichkeiten des Kitesurfsports und dessen Auswirkungen auf die Natur im Nationalpark und Weltnaturerbegebiet Wattenmeer.
Diese Regelung wird bereits heute in Kraft gesetzt.

„Wir sind davon überzeugt, mit der nun gefundenen Lösung den Schutz des Nationalparks und Weltnaturerbegebietes sicherstellen zu können, gleichzeitig aber auch den regionalen Belangen Cuxhavens als Sport- und Tourismusstandort Rechnung getragen zu haben. Die Ergebnisse am  „Runden Tisch“ haben mir gezeigt, dass mit dieser Lösung Naturschutz und Sport gleichermaßen zufrieden sein können. Darüber hinaus haben wir vereinbart, mit der Stadt Cuxhaven und der Nordseeheilbad GmbH eine Kooperation einzugehen, die den Schutz der Natur und die Stärkung eines enger an den Prinzipien der Nachhaltigkeit ausgerichteten Tourismus in Cuxhaven zum Ziel hat, wie es jüngst in der nachhaltigen Tourismus-Strategie zum UNESCO-Weltnaturerbegebiet Wattenmeer zwischen den Wattenmeerstaaten niedergelegt wurde. Dann gelingt es, aus diesem schwierigen Verfahren heraus zu einer in Zukunft verbesserten Art und Weise der Kooperation im Weltnaturerbegebiet und im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zu kommen“ fasst Nationalparkleiter Peter Südbeck das Verfahren zusammen.

Hintergrund-Info:
Die Nationalparkverwaltung trifft ihre Entscheidungen nicht im freien Ermessen. Tatsächlich ist das Kitesurfen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer grundsätzlich verboten. Rechtsgrundlage ist das vom Niedersächsischen Landtag beschlossene Nationalpark-Gesetz, fachliche Grundlage die Tatsache, dass Kites jeder Art eine weiträumige Scheuchwirkung auf Brut- und Zugvögel haben – sie nehmen die beweglichen Silhouetten am Himmel instinktiv als Greifvögel wahr.

Die Nationalparkverwaltung hat jedoch die Möglichkeit, von grundsätzlichen Verboten Befreiungen auszusprechen, wenn regionale Belange davon betroffen sind. In diesem Sinne wurden seit 2007 auf Antrag der Kommunen sukzessive Flächen in der Zwischenzone des Nationalparks zum Kitesurfen freigegeben. Nachdem die befristeten Befreiungen im letzten Herbst ausliefen, konnten alle interessierten Kommunen 2013 neue Anträge stellen und in der Gesamtbetrachtung wurden die Spots in Anzahl und Fläche so bemessen, dass der Schutz des Nationalparks und Weltnaturerbes gewährleistet bleibt, in diesen Regionen aber die Kiter auch die Möglichkeit haben, auf´s Wasser zu kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Sommerfest im Multimar Wattforum

Das Sommerfest im Multimar Wattforum bietet ein buntes und kreatives Mitmach-Programm für die ganze Familie | © Schnabler/LKN.SH

20.07.2018 Veranstaltung, Muscheln & Schnecken, Multimar Wattforum Am Sonntag, den 29. Juli 2018 lädt das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum in Tönning zum bunten Sommerfest ein. Zwischen 11 und 17 Uhr erwartet die Besucher ein vielfältiges und kreatives Programm für die ganze Familie. mehr »
Treffen der fünf Commerzbank-Umweltpraktikant*innen auf dem Dach der Naturerlebnisstation in Sehestedt

Treffen der fünf Commerzbank-Umweltpraktikant*innen auf dem Dach der Naturerlebnisstation in Sehestedt
(v.l.n.r.): Jonas Kaiser (Filialleiter Commerzbank Wilhelmshaven), Raimund Koop, Marlene Radinger, Svenja Püschel, Maximilian Weidenhiller, Stefanie Becker, Florian Carius (Dezernatsleiter Kommunikation-Forschung, Nationalparkverwaltung) und Rüdiger von Lemm (Leiter Nationalpark-Erlebnisstation)
Foto: Dörte Wolff

17.07.2018 Commerzbank, Umweltpraktikum Fünf Studierende aus ganz Deutschland tauschen während des Sommersemesters im Rahmen eines dreimonatigen Praktikums Uni-Alltag und Prüfungsstress gegen Meeresluft und Möwenschreie. mehr »

Die Richel in den Niederlanden beherbergt die weitaus größte Kinderstube der Kegelrobben in der Wattenmeerregion. Jungtiere sind als weiße Punkte zu erkennen. Ausgewachsene Kegelrobben und ältere Jungtiere sind dunkler. Das Foto steht zur kostenlosen Nutzung im Rahmen der Berichterstattung zu der Kegelrobbenzählung 2018 bereit. | Foto: © S. Brasseur

16.07.2018 Die Zahl der Kegelrobben in der Wattenmeerregion wächst seit über einem Jahrzehnt stetig an – allein im letzten Jahr um 13%. Demnach haben sich die Bestände seit der Rückkehr der Kegelrobben ins Wattenmeer erfolgreich stabilisiert. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 6.144 Kegelrobben in dänischen, deutschen und niederländischen Gewässern des Welterbes erfasst. mehr »
Küstenseeschwalbe im Flug mit Beute. Foto: S. Pfützke / green-lens.de

Küstenseeschwalbe mit Beute. Foto: S. Pfützke / green-lens.de

13.07.2018 Zugvogeltage, Zugvögel, Küstenseeschwalbe Der Juli-Beitrag unseres Zugvogeltage-Countdowns widmet sich der Küstenseeschwalbe, deren Flugleistung alle Rekorde in den Schatten stellt. mehr »
06.07.2018 Kompensation Anfang Juli startet der Übertragungsnetzbetreiber TenneT mit einer Reihe von Renaturierungsprojekten auf der Insel Borkum und in deren Umgebung. Dabei geht es auch um die Entfernung von Resten anthropogener Strukturen aus Zeiten früherer Nutzungen. mehr »