Weltnaturerbe Wattenmeer: Schutz

Themen: 
Der niedersächsische Teil des Welterbegebietes Wattenmeer unterliegt einem umfassenden Schutz und Management des Ökosystems. Als Nationalpark genießt das gesamte Gebiet den höchsten Schutzstatus, der nach dem nationalen Naturschutzrecht möglich ist.
Grenzen und Schutzzonen des Nationalparks

Eine Besonderheit des Niedersächsischen Wattenmeer-Nationalparks ist, dass sämtliche Küstenlebensräume Niedersachsens einschließlich der Ostfriesischen Inseln, der letzten natürlichen Geestkliffs, der Küstenheiden und Eichenkrattwälder und das Schwimmende Moor Teil des Nationalparks sind. Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer werden drei Zonen unterschiedlicher Schutzintensität unterschieden, um den optimalen Schutz von Natur und Landschaft sicher zu stellen und Aktivitäten dahingehend zu regeln, dass von ihnen keine oder nur möglichst geringe negativen Auswirkungen auf das Schutzgebiet ausgehen.

Zusätzlich ist das niedersächsische Wattenmeer Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und unterliegt damit auch vollständig den Schutzregelungen nach der Vogelschutz- und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU. Ziel der EU- FFH- Richtlinie ist es, Lebensräume und Arten zu erhalten und ggf. wieder in einen günstigen Erhaltungszustand zu versetzen und vor Eingriffen, die das Gebiet erheblich beeinträchtigen könnten, zu schützen. Im Wattenmeer findet weiterhin die EU-Wasserrahmenrichtlinie Anwendung, die ebenfalls dazu beitragen wird, dass dessen guter ökologischer Zustand erhalten bzw. wiederhergestellt wird.

Das Wattenmeer ist als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung nach dem Ramsar-Übereinkommen sowie als UNESCO-Biosphärenreservat nach dem "Man and Biosphere"-Programm ausgewiesen. Dies stellt eine weitere weltweite Anerkennung der internationalen Bedeutung des angemeldeten Gebiets dar.

Seit den siebziger Jahren arbeiten die drei Wattenmeer-Länder Niederlande, Deutschland und Dänemark zusammen, um das Wattenmeer als ein gemeinsames Ökosystem länderübergreifend zu schützen. Das Leitprinzip der Wattenmeerpolitik und diesbezüglicher Management-Maßnahmen ist es "so weit wie möglich ein natürliches und sich selbst erhaltendes Ökosystem zu erreichen, in dem natürliche Prozesse ungestört ablaufen können". Die Wattenmeerpolitik und die Management-Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, die Erhaltung der gesamten Vielfalt der zu einem natürlichen und dynamischen Wattenmeerökosystem gehörenden Habitattypen zu erreichen.

Die Bemühungen zeigen Erfolge. Der Eintrag von Nähr- und Schadstoffen ist in den letzten 10 Jahren erheblich vermindert worden. Die sich aus betrieblichen Einleitungen der Schifffahrt ergebende Verschmutzung wurde nach der Ausweisung der Nordsee einschließlich des Wattenmeeres als spezielles Seegebiet (Special Sea Area) nach dem MARPOL-Übereinkommen, ebenfalls verringert, wobei die Einhaltung der MARPOL- Regelungen durch eine ausgedehnte Überwachung verstärkt wird. Die Sicherheit der Schifffahrt ist durch die Festlegung von Verkehrstrennungsregelungen erheblich verbessert worden und die 2002 erfolgte Ausweisung des Wattenmeeres als besonders empfindliches Meeresgebiet (Particular Sensitive Sea Area, PSSA) durch die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) sorgt mit für eine Fortschreibung der hohen Sicherheitsstandards für den Seeverkehr und auch für eine weitere Sensibilisierung der Schiffsführungen, die die benachbarte Nordsee befahren. Für Schiffsunfälle wurden umfangreiche Notfallpläne einschließlich einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit festgelegt.

Mit dem rechtlichen Schutz und dem Management des Gebietes wird auch angestrebt, dessen landschaftliche Werte, z.B. den weiten, offenen Horizont, zu erhalten. Daher sind Infrastrukturprojekte innerhalb des Gebietes weitgehend verboten. Der Bau von Windkraftanlagen ist im angemeldeten Gebiet vollständig untersagt. Einige Tätigkeiten sind im angemeldeten Wattenmeer gänzlich verboten, z.B. wurde in Niedersachsen die stark systembeeinträchtigende Herzmuschelfischerei kurz nach Einrichtung des Nationalparks vollständig eingestellt. Für die Miesmuschelfischerei regelt in Niedersachsen ein Bewirtschaftungsplan welche Muschelnbänke befischt werden dürfen und welche nicht.

Damit unterliegt der niedersächsische Teil der Weltnaturerbestätte  Wattenmeer einem umfassenden Schutz, durch den sichergestellt wird, dass die für die Anerkennung als Weltnaturerbe maßgeblichen Kriterien und die Unversehrtheit des angemeldeten Gebietes auch zukünftig erhalten bleiben.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Eine junge Kegelrobbe auf der niederländischen Wattenmeerinsel Griend. Foto: Sophie Brasseur, WMR.

Eine junge Kegelrobbe auf der niederländischen Wattenmeerinsel Griend. Foto: Sophie Brasseur, WMR.

03.07.2020 Kegelrobbe Gute Nachrichten: Die Zählungen der Kegelrobben im Trilateralen Wattenmeer zur Fellwechselzeit im Frühjahr 2020 zeigen einen Anstieg der Zahlen im Vergleich zum Vorjahr auf. Insgesamt wurden 7.649 Kegelrobben gezählt – 17% mehr als im Frühjahr 2019. mehr »
Ostende Spiekeroog

Foto: Norbert Hecker/ NLPV

07.06.2020 In Niedersachsen gibt es vier herausragende Kulturgüter und Naturdenkmäler, die zum UNESCO-Welterbe in Deutschland gehören: in Hildesheim, in Goslar und dem Harz, in Alfeld sowie im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Eine neu gestaltete Internetseite bietet nun erstmals auf einen Blick Informationen und über alle anerkannten Welterbestätten zwischen dem Harz und der Nordsee. mehr »
Geführte Wanderung auf dem Meeresboden

Geführte Wanderungen auf dem Meeresboden können Einheimische zum Welterbe-Geburtstag des Wattenmeers kostenlos unternehmen. Foto: Anke Hofmeister/NLPV

05.06.2020 mehr »

Foto: Eike Wilhelm Reinhardt (Husedom)

05.06.2020 Weltnaturerbe, Weltnaturerbe Wattenmeer, Aktuelles Am UNESCO-Welterbetag am 7. Juni 2020 laden die deutschen Welterbestätten auf Initiative der Deutschen UNESCO-Kommission und des Vereins UNESCO-Welterbestätten Deutschland zum Erkunden und Experimentieren ein. Aufgrund der Covid-19-Pandemie findet der Aktionstag in diesem Jahr erstmals digital statt. mehr »
Teilnehmende des 10. Weltnaturerbe-Forums. Foto: Nationalparkverwaltung

Teilnehmende des 10. Weltnaturerbe-Forums. Foto: Nationalparkverwaltung

20.11.2019 Weltnaturerbeforum Beim 10. Weltnaturerbeforum in Stadland warfen die Akteure der Welterbe-Gemeinschaft einen freundlich-kritischen Rück- und Ausblick auf die gemeinsamen Aktivitäten. mehr »