Schleswig-Holstein

22.09.2026 |

Größter Bruterfolg seit 20 Jahren

Seeschwalben auf Hooge

Lange gab es kaum zählbare Bruterfolge der Fluss- und Küstenseeschwalben auf Hallig Hooge. In diesem Sommer sorgten insbesondere zwei Umstände dafür, dass viele der über 900 Brutpaare erfolgreich waren.

Wertvolle Langzeitdaten

Nationalpark-Ranger Martin Kühn kennt die Flächen wie kaum ein Zweiter: Seit über 20 Jahren hat er das Brutgeschehen auf jeweils drei Flächen auf Hooge gut im Blick. Er sucht und findet die Nester der Fluss- und Küstenseeschwalben, markiert sie und beobachtet sie über die gesamte Saison: Finden sie ausreichend Nahrung für ihre Küken? Wie ist deren körperliche Fitness? Und schließlich, wenn es soweit kommt, schaffen sie es, flügge zu werden?

Rattenplage entdeckt

Über Jahre stellte der Nationalpark-Ranger fest, dass es selten zu nennenswerten Bruterfolgen kam. Küken überlebten nicht oder verschwanden aus den Nestern. Zurück blieben Spuren von Ratten. Der Verdacht, dass Ratten ein größeres Problem darstellen könnten, erhärtete sich während eines Kartierungsganges. Dort, wo eigentlich Nester, Altvögel und Küken sein sollten, lagen Vogelkadaver. Bei der näheren Untersuchung des Geländes stellte sich heraus, dass es von Rattengängen unterhöhlt war. Die große Dimension wurde deutlich und machte den Start eines Projektes zum Prädationsmanagement notwendig.

Nationalparkstiftung fördert Projekt

Die Nationalparkstiftung Schleswig-Holstein fördert daher seit 2022 ein Projekt zur Erstellung eines Konzeptes zum Management der Wanderratten im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Mit Hilfe der Naturschutzverbände Schutzstation Wattenmeer und dem Verein Jordsand wurde es entwickelt und erprobt. Dank des extrem engagierten Einsatzes des Projektteams rund um Benjamin Gnep konnten nach wenigen Jahren erste Erfolge verzeichnet werden. Mit dem schönen Ergebnis für Hooge: seit 2025 wurde auf der Hallig keine Ratte mehr auf den Wildtierkameras nachgewiesen, die speziell zur Überwachung der Nester eingesetzt werden. Ein großer Erfolg, der nur dank der gemeinschaftlichen Leistung aller am Projekt Beteiligten möglich war. Martin Kühn betont: „Es ist wichtig, jetzt dran zu bleiben“, denn der Druck durch Prädatoren wie Wanderratten könne jederzeit wieder zunehmen.

Die Verfügbarkeit von Nahrung

Das Jahr 2025 war dennoch kein gutes Jahr für die Fluss- und Küstenseeschwalben auf Hooge. Zwar war die Hallig rattenfrei, aber eine ausreichende Verfügbarkeit von Nahrung, vorzugsweise fettem Fisch, wie Hering, war nicht gegeben. Es ist davon auszugehen, dass sich durch die Erwärmung der Meere das Vorkommen von Fischschwärmen ändert: Ihre Aufenthaltsorte und -zeiten verschieben sich. So finden Seevögel eventuell keinen Fisch vor, wenn sie ihn gerade dringend für ihre Küken benötigen. Fachleute sprechen von einem Mismatch.

Alles passt: 2026

Erst in dieser Saison trafen diese zwei wichtigen Umstände zusammen: Hooge war weiterhin rattenfrei – dank der Arbeit der Schutzstation Wattenmeer am Projekt Prädationsmanagement. Außerdem gab es ausreichend fetten Fisch. „Ich habe kaum eine Seeschwalbe gesehen, die keinen Fisch im Schnabel hatte“, freut sich Ranger Martin Kühn. Auch die Küken sahen allesamt sehr gut genährt aus. Sogar das Nachbrüten ist großenteils erfolgreich verlaufen: Altvögel legen ein zweites Mal Eier, sollten sie ihr Gelege zu einem frühen Zeitpunkt verloren haben. Nach mindestens 20 Jahren hat ein großer Teil der über 900 Brutpaare (Flussseeschwalben: 557, Küstenseeschwalben: 368) also endlich wieder einen Bruterfolg zu vermelden. Und was für einen!

Der Bruterfolg der Flussseeschwalben hängt entscheidend von den verfügbaren Nahrungsfischen ab.

© Imke Zwoch

Monitoring

  • zum Bruterfolg

    Die jährlich gesammelten Daten fließen in das Bruterfolgsmonitoring, das die Nationalparkverwaltung seit 2010 beauftragt und das von Veit Hennig von der Uni Hamburg durchgeführt wird. Diese Datenreihen sind äußerst wertvoll, da sie das Geschehen an einem Ort über einen jahrzehntelangen Zeitraum erfassen. Sie lassen Rückschlüsse zu, die beispielsweise nach einer einzigen Zählung nicht möglich wären. Außerdem erfolgt das Monitoring nach standardisierten Verfahren, so dass die Zahlen vergleichbar bleiben. Ein weiterer Vorteil: Die langjährige Kontinuität der Mitarbeiter*innen sorgt für eine noch geringere Fehlerquote.
    Interview mit Veit Hennig zum "Mismatch" bei Seeschwalben: Wenn zeitlich passend keine kleinen Heringe für die hungrigen Küken verfügbar sind.

Management

  • Schutz vor Wanderratten

    Prädationsmanagement bedeutet, dass bestimmte Arten in einem begrenzten Gebiet vor Prädatoren, also räuberischen Tieren geschützt werden. Die Prädatoren bedrohen Alttiere und Nachwuchs und können das gesamte Vorkommen einer Art in einem Gebiet gefährden. Im Nationalpark gilt das Motto Natur Natur sein lassen und die Prädation von Vögeln und ihren Gelegen durch Prädatoren gehört zur Natur. In besonderen Einzelfällen werden aber Maßnahmen gegen Prädatoren wie die Wanderratten ergriffen. Dies kann an bestimmten Orten erforderlich sein, um zum Beispiel akut bedrohte Brutvogelarten zu schützen, die sonst keine Chance hätten.