Schleswig-Holstein

22.06.2026 |

Im Fokus: Seeschwalben, elegante Stoßtaucher

Die Biologinnen an Bord der Odin hatten dieses Mal besonders Seeschwalbenarten im Blick: Sie brauchen gerade Nahrung für ihre Küken. Das Seevogelmonitoring gibt darüber Aufschluss, welche Teilbereiche des Wattenmeers besonders wichtig sind.

Wo halten sich unsere Küsten-, Fluss- und andere Seeschwalbenarten auf, wenn sie beim Brüten gerade mal Pause machen, um Nahrung zu suchen, oder auch schon kleine Fische für ihre Küken benötigen? Das regelmäßige Seevogelmonitoring der Nationalparkverwaltung soll genau diese Frage beantworten. Sarah Joy Kwiatkowski und Dagmar Cimiotti vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) waren dafür Anfang des Monats wieder mit dem Schiff „Odin“ und seiner Crew unterwegs. Die „Odin“ ist ein Mehrzweckschiff des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH).

Wichtige Rückszugs- und Ruheräume

„Der Zeitpunkt ist dafür ideal, denn viele Seeschwalben brüten noch, während andere bereits Küken haben“, berichtet Dagmar Cimiotti. Zu anderen Jahreszeiten fährt sie für den DDA ebenfalls los, um auch dann Daten zur räumlichen Verteilung der Arten zu sammeln. Leonie Enners von der Nationalparkverwaltung erläutert den Hintergrund: „Auf der Grundlage der Beobachtungen, die neben Seeschwalben auch Trauerenten und andere Seevogelarten umfassen, können wir wichtige Rückszugs- und Ruheräume für Seevögel im Schleswig-Holsteinischen Küstenmeer identifizieren und weiterentwickeln.“

Erste Eindrücke der Ausfahrt

Die Ergebnisse der Ausfahrten fließen in einen Monitoringbericht ein. Erste Eindrücke ihrer Beobachtung kann Dagmar Cimiotti jedoch bereits preisgeben:

  • Erneut waren nur sehr wenige Brandseeschwalben unterwegs, jedoch einige Tiere bei Süderoogsand. Dagmar Cimiotti: „Ein Vogel trug Futter im Schnabel. Das ist besonders erfreulich, da es darauf hindeutet, dass dieser Bereich in diesem Jahr als Nahrungsgebiet für die Kükenaufzucht genutzt wurde.“
  • Zahlreiche Küstenseeschwalben suchten zwischen Föhr und Amrum sowie im südwestlichen Bereich von Amrum nach Nahrung, und auch bei Hooge waren viele Küstenseeschwalben unterwegs. Dagmar Cimiotti: „Besonders beeindruckend war in diesem Jahr der Bereich nordwestlich von Eiderstedt bis Nordstrandischmoor. In diesem Abschnitt des befahrenen Transekts flogen nahezu durchgehend Küstenseeschwalben, die im flachen Sturzflug neben dem Schiff ins Wasser eintauchten. Häufig konnten wir beobachten, wie sie kleine Fische in etwa Schnabellänge oder leicht größer erbeuteten.“
  • Die beiden Biologinnen zählten weniger Flussseeschwalben als Küstenseeschwalben.
  • Nordwestlich von Eiderstedt beobachteten sie eine Trauerseeschwalbe bei der Nahrungssuche. 
  • Zwergseeschwalben sahen sie immer wieder, aber nur einzeln: Westlich des Beltringharder Kooges, südlich von Sylt und Amrum. 
  • Nordwestlich von Eiderstedt hielten sich viele vorjährige Lach- und Sturmmöwen auf – in anderen Bereichen eher adulte. 
  • Es waren bereits einige Gruppen von Trauerenten vor Ort: vor Eiderstedt sowie in geringerem Umfang im südlichen Bereich südwestlich von Sylt. Die wenigen beobachteten Trupps umfassten jeweils einige Hundert Individuen, überwiegend Männchen und Weibchen. Dagmar Cimiotti: „Die meisten Trauerenten dürften derzeit in arktischen und subarktischen Gebieten brüten und kehren erst in den kommenden Wochen ins schleswig-holsteinische Küstenmeer zurück, um hier zu mausern. Während der Mauser sind die Tiere besonders empfindlich, da sie dann vorübergehend nicht fliegen können. Rückzugsräume im Küstenmeer sind dann von besonderer Bedeutung.“

Trauerenten stehen im Mittelpunkt der nächsten Erfassung im Rahmen des Seevogelmonitorings Ende August.

Blick übers Deck und die Schiffsspitze aufs Meer. Im Vordergrund eine Hand mit einem Fernglas auf einem Stativ.
Sämtliche Vogelarten innerhalb eines 300 Meter breiten Streifens vom Schiff aus gesehen, werden bestimmt und notiert.

© Dagmar Cimiotti / DDA

Karte der Schleswig-Holsteinischen Wattenmeerküste mit gekringelten Linien zwischen den Halligen und vor den Inseln bis zur Außenwirtschaftszone.
Fahrt der "Odin" am 1., 2. und 3. April vor der Schleswig-Holsteinischen Küste.

© DDA

So funktioniert’s

  • Monitoring der Seevögel

    Mithilfe der „Odin“ und ihrem geringen Tiefgang können die Zähler*innen weite Teile des Schleswig-Holsteinischen Wattenmeeres befahren. Für das Seevogelmonitoring kartieren sie die Nordsee zwischen den Inseln, Halligen und auch weiter meerwärts. Unterwegs bestimmen sie sämtliche Vogelarten , die sie innerhalb eines 300 Meter breiten Streifens sehen und notieren diese. Zusätzlich erfassen sie, wenn möglich, Angaben zu Verhalten, Alter und Geschlecht der Vögel. „Das ist ziemlich interessant, weil man dadurch noch die Verteilungsmuster von den adulten, also erwachsenen Tieren unterscheiden kann von den Verteilungsmustern der Immaturen. Das sind zum Beispiel letztjährige Küken, die dieses Jahr noch nicht brüten, aber sich trotzdem im Küstenmeer Schleswig-Holsteins aufhielten“, erklärt Sarah Joy Kwiatkowski. Bei der Auswertung der Daten in den nächsten Wochen und Monaten werden sie und ihre Kolleg*innen Karten erstellen und in das bereits vorhandene Wissen einordnen. 
    Die verwendete standardisierte Beobachtungsmethode heißt „Seabirds at Sea“

4 Schwerpunkte

  • Monitoring im Jahresverlauf

    Winter- und Mauservorkommen von Trauerenten

    Winter- und Sommervorkommen von Eiderenten

    Erfassung der Seeschwalben zur Brut- und Nachbrutzeit

    Vorkommen der Seevögel im Frühjahr und Herbst
    Seevogelmonitoring des DDA

Schiff "Odin"auf dem Meer mit Insel im Hintergrund.
Die "Odin" ist ein Mehrzweckschiff des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) mit sehr geringem Tiefgang. Deswegen und dank der erfahrenen Schiffs-Crew und mit hervorragenden Ortskenntnissen im Wattenmeer ließ sich die Route während des Seevogelmonitorings ständig flexibel an das Wetter anpassen, es konnten auch Flachgründe befahren werden etc.

© Leonie Enners / LKN.SH

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