Schleswig-Holstein

24.06.2026 |

Jungfernfahrt mit der „neuen“ Senckenberg

Drei Fragen an Sabine Schückel: Die Biologin berichtet von der Ausfahrt zu den verschiedenen Lebensraumtypen und Biotopen im marinen Teil des Nationalparks Wattenmeer.

Ein neues Schiff, ein neuer Eigner, eine neue Crew und ein Forschungsauftrag – das sind die Zutaten einer ganz besonderen Forschungsreise. Zu dieser brachen im Mai Sabine und Ulrike Schückel von der Nationalparkverwaltung auf.

Zwei Wochen lang waren sie mit Kolleg*innen vom Senckenberg Institut an Bord des Schiffes „Senckenberg“. Im Nationalpark fuhren sie mit der Crew um Kapitän Robert Ahnfeld fast 50 Stationen auf See an und entnahmen dort gemeinsam Proben. Schweres Gerät wurde bedient, einem Sturm getrotzt, Fänge untersucht und wieder freigelassen.

Lesen Sie im Drei-Fragen-Interview mit Sabine Schückel, wie das interdisziplinäre, neue Team zusammenarbeitete, was besondere Funde waren und wie es nun weitergeht.

Großer Zusammenhalt im Team

Auf dem Schiff arbeiteten Menschen verschiedenster Berufe zusammen. Wie gestaltete sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit, und was machte euch zu einem starken Team?

Sabine Schückel: Wir verfolgen alle das gleiche Ziel: Wir wollen Erkenntnisse über das Leben der Fische und anderer Lebewesen im Wattenmeer sammeln. So können wir nachvollziehen, wie sich das Wattenmeer und seine Bewohner verändern. Im besten Fall können wir auch erkennen, woher diese Veränderung kommt. Für diese Untersuchungen brauchen wir erfolgreiche Probenahmen an möglichst vielen Stationen im Gebiet. Deshalb spielt es keine Rolle, ob man promovierte Wissenschaftlerin, Koch oder Decksmann ist – für 14 Tage sind wir ein gemeinsames Team. Wir halten zusammen, helfen uns gegenseitig und alle packen mit an.

Nagelrochen und Katzenhai

Welche unerwarteten Situationen, Funde oder Geschehnisse gab es, und wie seid ihr damit umgegangen?

Sabine Schückel: Unsere Fahrt war etwas ganz Besonderes, denn es war die Jungfernfahrt der „neuen“ Senckenberg unter neuem Eigner und einer neuen Crew. Alle waren ziemlich aufgeregt, sowohl Crew als auch Wissenschaft. An den ersten Stationen haben wir bewusst mehr Zeit eingeplant, um uns mit dem Schiff vertraut zu machen und der Crew die Messgeräte näherzubringen. Nach wenigen Stationen hatten wir uns schnell zusammengefunden, so dass alles wie von allein – fast ohne Worte – lief. Die Stimmung war locker, und wir hatten viel Spaß. Besondere Funde waren ein Nagelrochen und ein Kleingefleckter Katzenhai, die eher selten gefangen werden. Und das nächtliche Ankern weit draußen auf See inmitten der Natur ist immer wieder ein besonderes Ereignis.

Einblick ins Leben und die Abläufe

Wie geht es nun weiter, und was erhofft ihr euch an Ergebnissen und Erkenntnissen?

Sabine Schückel: Nun geht es für uns im Labor weiter. Wir betrachten die Proben unter dem Mikroskop und werten sie aus. Mit den Daten bewerten wir die verschiedenen Lebensraumtypen und Biotope im Wattenmeer. Über die Jahre hinweg bekommt man erst so einen Überblick, wie sich das Leben und die natürlichen Abläufe im Nationalpark entwickeln. Diese Untersuchungen sind auch Bestandteil unserer Berichtspflicht im Nationalpark. Außerdem wollen wir herausfinden, ob der lange, kalte Winter in 2025/2026 einen Einfluss auf die benthischen Gemeinschaften, also auf die Wirbellosenfauna, haben wird. Alle ausgewerteten Daten werden wir in einem Fachjournal publizieren.

Viele Disziplinen

Damit eine solche Forschungsfahrt zum Erfolg führt, sind verschiedene Fachfrauen und -männer an Bord gefragt. Auf der „Senckenberg“ fuhren mit: zwei Decksmänner, ein Maschinist, ein Koch, der Kapitän und sechs Biolog*innen von Nationalparkverwaltung und Senckenberg Institut.

Gruppenbild vor der Brücke eines Schiffs. Oberhalb ein Schild: "Senckenberg research"
Großer Zusammenhalt im Team an Bord.

© Senckenberg Insitut

Peron mit Mütze breitet an Deck eines Schiffs einen Haufen Muschelschalen mit Plastikball in der Mitte aus.
An rund 50 Stationen im Gebiet nahmen die Biolog*innen Proben.

© Senckenberg Insitut

Gelb gesprechkelte Naktschnecke und rötliche Pflanzen auf einer schwarzen Folie.
Faszinierende Meereswelt: Auch Nacktschnecken sind wunderschön.

© Senckenberg Institut

5 Menschen in Arbeitskleidung und Schwimmwesten ziehen an Bord eines Schiffs etwasw an einem Seil über die Reling.
Das Team an Bord der Senckenberg zieht an einem Strang.

© Senckenberg Institut