Schleswig-Holstein

08.09.2026 |

Rekord bei der Hummersuche

Bei der siebten HUSAWA-Forschungsausfahrt haben Wissenschaftler*innen 34 Europäische Hummer erfasst, so viele wie noch nie zuvor im Projekt. Zehn Tage lang untersuchte ein Forschungsteam mit moderner Technik die Hummerpopulation im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Das Forschungsschiff „Senckenberg“ war wieder im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer unterwegs. Vom 27. Juli bis zum 7. August 2026 waren an Bord: Dr. Ulrike Schückel und Dr. Sabine Schückel von der Nationalparkverwaltung in Tönning sowie ein Team des Forschungsinstituts Senckenberg am Meer, Abteilung Deutsches Zentrum für marine Biodiversitätsforschung in Wilhelmshaven – und natürlich die aktiv unterstützende Crew der „Senckenberg“.

Ihr Ziel: die Hummerpopulation im Nationalpark erneut zu monitoren und somit mehr über das Vorkommen, Populationsgröße und die Lebensweise des Europäischen Hummers (Homarus gammarus) herauszufinden.

Hoffnung für den Europäischen Hummer

Die Bilanz der siebten HUSAWA-Untersuchung ist bemerkenswert: Insgesamt wies das Team 34 Europäische Hummer nach, ein neuer Rekord für das Projekt. Die Forschenden vermaßen, wogen und markierten die Tiere individuell. Anschließend wurden die Hummer wieder an ihren Fundorten in die Freiheit entlassen.

Der Europäische Hummer ist der größte heimische Krebs der Nordsee und gilt in Deutschland als stark gefährdet. Die Untersuchungen im Rahmen von HUSAWA sollen dazu beitragen, die Bestände und ihre Entwicklung besser zu verstehen und damit eine Grundlage für den Schutz der Art und ihrer Lebensräume im Nationalpark zu schaffen.

Mit Sendern auf Wanderschaft

Um mehr über das Verhalten der Hummer herauszufinden, stattete das Team einige der Tiere mit Sendern aus. So lässt sich verfolgen, ob und wie weit sie sich von ihrem ursprünglichen Aufenthaltsort entfernen.

Die ersten aufgezeichneten Daten zeigen dabei bereits interessante Verhaltensweisen: Ein gemeinsam in einer Korbreihe gefangenes Hummerpaar wurde zusammen besendert und anschließend wieder an seinem Fundort ausgesetzt. Die Daten des Empfängers zeigen, dass beide Tiere zunächst an Ort und Stelle blieben. Eines der Tiere entfernte sich lediglich kurzzeitig von ihrem Platz am Meeresboden.

Wie sich die Hummer im weiteren Verlauf bewegen, sollen die kommenden Auswertungen zeigen.

Ausblick auf die kommende Generation

Neben den ausgewachsenen Tieren standen auch die Larven im Fokus der Untersuchungen. Wie bei den vergangenen HUSAWA-Ausfahrten nahm das Team erneut Wasserproben. Mithilfe moderner genetischer Methoden soll darin nach Spuren von Hummer- und Sandkorallenlarven gesucht werden.

Die Proben wertet derzeit ein Labor aus. Dr. Ulrike und Dr. Sabine Schückel erwarten die Ergebnisse im Herbst. Sie sollen weitere Hinweise darauf geben, ob und in welchem Umfang sich die Arten im Untersuchungsgebiet fortpflanzen.

Unterstützung über und unter Wasser

Bei den Untersuchungen kam neben den Hummerkörben auch moderne Technik zur Erfassung des Meeresbodens zum Einsatz. Für zwei Tage unterstützten drei Wissenschaftler des GEOMAR das Team. Mit einem Multibeam-System und dem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug „Blaubär“ untersuchten sie den Meeresboden und die Lebensräume unter Wasser.

Ein besonderer Dank gilt außerdem dem Kapitän und der Besatzung der „Senckenberg“. Das Aussetzen und Einholen der Hummerkörbe ist unter den Bedingungen auf See eine anspruchsvolle Aufgabe. Auch die verwendeten Köder stellten die Besatzung geruchlich vor besondere Herausforderungen: Die Hummer werden mit stark riechenden Fischresten angelockt.

Unterstützt wurde das Forschungsteam zudem von zwei Tauchern aus Amrum, die Hummer gezielt für die Untersuchungen aufspürten und behutsam einfingen.

Zwei Forscherinnen untersuchen einen Europäische Hummer an Bord eines Schiffs. Eine hält einen Eimer, während die andere einen Hummer über dem Eimer mit Handschuhen begutachtet.
Ein Europäischer Hummer wird für die Untersuchung vorsichtig begutachtet.

© Pedro Martinez Arbizu / LKN.SH

HUSAWA

  • Forschung für den Schutz des Hummers

    HUSAWA steht für „Erfassung des Europäischen Hummers (Homarus gammarus) und der Sandkoralle (Sabellaria spinulosa) im Nationalpark Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer für einen effektiven Biotopschutz und den Erhalt der Artenvielfalt“.   Das von der Nationalparkverwaltung koordinierte Projekt untersucht das Vorkommen des Europäischen Hummers und der Sandkoralle im Nationalpark. Ziel ist es, die Kenntnisse über die Arten und ihre Lebensräume zu verbessern und damit zum Schutz der biologischen Vielfalt beizutragen. Das Projekt ist Teil der Biodiversitätsstrategie „Kurs Natur 2030“ des Landes Schleswig-Holstein und wird vom Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN) finanziert.
    HUSAWA-Projekt

Europäischer Hummer auf Holz Ablage neben Maßband zum Vermessen.
Das Team an Bord vermaß, wog und markierte die Europäischen Hummer nach dem Auffinden.

© Dr. Ulrike Schückel / LKN.SH

Forscherin legt Hummer in schwarzen großen Kübel, unten rechts in der Ecke Anschnitt von Hummer Fangkörben.
Für die Untersuchung nimmt Dr. Sabine Schückel einen Europäischen Hummer vorsichtig aus einer Maurerbalje.

© Pedro Martinez Arbizu / LKN.SH

Europäischer Hummer frontal auf blauem Bootsdeck in der Sonne, zu sehen ist sein dunkler Körper, die großen Scheren und die langen Fühler.
Der Europäische Hummer mit seinen charakteristischen großen Scheren und langen Fühlern, als größte Krebssorte in der Nordsee. Es gibt ihn in verschiedenen Farbvarianten.

© Pedro Martinez Arbizu / LKN.SH