Damit beweist der Kapitän, der aus einer Rostocker Fischerfamilie stammt, zwei Dinge.
Zum Einen, dass es nicht immer Neubauten sein müssen. Eine Umrüstung kann sich sehr lohnen: „Die Senckenberg hat eine gute Seele. Sie wird noch viele Jahre seetüchtig sein.“
Zum Anderen zeigt Ahnfeld, der auch noch zwei Krabbenkutter zu seiner aktiven Flotte zählt, dass dass Fischerei und Forschung Hand in Hand gehen können. Für ihn ist die Meeresforschung eine wichtige Grundlage, die er durch seine Forschungsfahrten unterstützt.
Im Mai fand die Jungfernfahrt 2.0 der Senckenberg im schleswig-holsteinischen Wattenmeer statt. Praxistest gelungen? Lesen Sie selbst:
Der Forschungskutter
Robert, seit Ende der 90er Jahre fährst du als Fischer zur See und bist mit zwei eigenen Fischkuttern in den Gewässern der Nord- und Ostsee unterwegs. Was hat dich dazu bewogen, zusätzlich Kapitän eines Forschungskutters zu werden?
Robert Ahnfeld: Letztlich war das die logische Konsequenz aus meiner bisherigen Forschungstätigkeit. Seit über zehn Jahren beproben mein Team und ich die Windparks der Nord- und Ostsee. Wir untersuchen dort Fischbestände und bodenbewohnende Organismen. Ich war immer an der Meeresforschung interessiert und möchte ihr eine verlässliche Plattform bieten. Fischerei und Forschung sind für mich gut gemeinsam denkbar. Auf der Senckenberg konnte ich meine Ideen für einen Forschungskutter umsetzen. Über vier Monate haben wir viel Arbeit, Geld und Leidenschaft in den Umbau gesteckt und die Ausstattung für die Forschung auf See optimiert. Letzten Endes war es eine Teamarbeit und die Erfahrung von all meinen „Jungs“ und mir, was die Senckenberg zur dem gemacht hat, was sie nun ist.
Von morgens bis abends zu tun
Was sind die Unterschiede zwischen der Arbeit als Kapitän eines Fischkutters und eines Forschungskutters?
Robert Ahnfeld: Auf meinem Forschungskutter habe ich zusätzlich die Verantwortung für die Wissenschaftler*innen. Außerdem arbeite ich mich in die verschiedenen Forschungsthemen ein. Während der Tour stehe ich meist auf der Brücke und habe die Tagesabläufe im Blick: Wann steuern wir am besten welche Station zur Probenentnahme an? Wo können wir abends ankern? Wie entwickelt sich das Wetter? Bei der Arbeit mit dem teils schwerem Forschungsgerät helfen unsere Decksleute. Insgesamt ist der Ablauf etwas ruhiger als auf einer Fangfahrt, auf der es phasenweise hektisch zu gehen kann. Dafür ist aber auch von morgens bis abends immer etwas zu tun.
Jungfernfahrt
Im Mai fand die Jungfernfahrt 2.0 der Senckenberg mit einem Forschungsauftrag im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer statt. Was war besonders herausfordernd, besonders überraschend oder vielleicht besonders gut auf dieser Fahrt?
Robert Ahnfeld: Von Vorteil war, dass die Forschenden die Senckenberg schon von vorherigen Fahrten kannten. Die neuen Umbauten kamen gut an und haben den Praxistest bestanden. Es hat sich gezeigt, dass meine Ideen und die Abläufe gut funktioniert haben. Das ist besonders schön, weil eben so viel Arbeit darin steckt. Auf See hat das Team sehr schnell zusammengefunden und Hand in Hand gearbeitet. Herausfordernd wurde es, wenn wir pro Station gleich mehrere Geräte eingesetzt haben. Aber auch das haben wir gemeinsam gemeistert. Mein Ziel ist es, weiter passgenaue Angebote für Forschung und Wissenschaft zu bieten. Denn ohne Forschung und vor allem langjährige Forschungsreihen bliebe viel Wissen quasi auf dem Meeresboden liegen. Wir brauchen dieses Wissen, um Meere zu schützen und sie verantwortungsvoll bewirtschaften zu können.