Die Gruppe der Pflanzenkundler*innen konnte mindestens 210 Pflanzenarten nachweisen, wobei der Zwerg-Gauchheil (Anagallis minima), das in der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft ist, als besonderes Highlight der Grünlandflächen hervorgehoben wurde, wie Nationalparkmanagementexpertin Karla Schulze betonte. Ebenfalls wurden dort drei Orchideenarten nachgewiesen: Dactylorhiza praetermissa, Dactylorhiza maculata und Epipactis palustris. Für besondere Begeisterung sorgte bei Dr. Annemarie Schacherer, Kennerin im niedersächsischen Pflanzenartenschutz, die Nachweise von Gewöhnlichen Armleuchteralgen (Chara vulgaris), da diese Süßwasseralgen in Deutschland selten geworden sind.
Die Gruppe der Pilzkundler*innen um Jörg Albers konnte trotz der vorangegangenen Trockenperiode 34 Arten nachweisen – darunter auch Feinwarzige Wachsrindenpilze (Scopuloides rimosa), die erstmals auf Wangerooge nachgewiesen wurden.
Die Flechtenexpert*innen fanden 56 Arten vor. Neben dreizehn Neunachweisen konnten auch zwölf Arten dokumentiert werden, die als sogenannte „Klimawandelzeiger“ gelten. „Ein Trend, den wir allerorts in den letzten Jahren feststellen“, resümiert der Flechtenexperte Hans-Wilhelm Linders.
In der Gruppe, die das Watt untersuchte, lag der Fokus nicht nur auf der reinen Arterfassung, sondern auch auf der Kartierung von Häufigkeiten. Besonders erfreulich war der Fund dichter Bestände von vom Aussterben bedrohten Großen Pfeffermuscheln (Scrobicularia plana). Zugleich wurden jedoch auch die neobiotischen Manila-Teppichmuscheln (Ruditapes philippinarum) nachgewiesen, die sich seit Ende 2023 von niederländischen Muschelkulturen aus verbreiten.
Für Fluginsekten waren die Witterungsbedingungen an diesem Tag eher ungünstig. So konnten nur 19 Stechimmen-Arten (Wespen und Wildbienen) nachgewiesen werden. Zur Freude des Stechimmenexperten Rolf Witt fanden sich darunter jedoch jeweils ein Exemplar der stark gefährdeten Mooshummel (Bombus muscorum) und der gefährdeten Heidehummel (Bombus jonellus) sowie eine der für Küstendünen äußerst typischen und gleichfalls gefährdeten Sand-Blattschneiderbiene (Megachile maritima).
Die Käferexperten Axel Bellmann und Ludger Schmidt schätzten ihre Funde auf ca. 70 Arten. Ähnlich erfolgreich war der Fliegenexperte Jens-Hermann Stuke: Er konnte rund 60 Arten dokumentieren – und damit den bisherigen Kenntnisstand zu den Fliegen auf Wangerooge (knapp 30 Arten) verdoppeln. Bei beiden Artengruppen ist eine genauere Betrachtung präparierter Tiere notwendig, um gesicherte Nachweise zu liefern.
Durch einen in der Nacht durchgeführten Lichtfang konnte Karsten Heinecke bereits 57 Schmetterlingsarten erfassen. Besonders hervorzuheben war hierbei der Fund von Klappertopf-Kapselspannern (Perizoma albulata), eine in Niedersachsen äußerst seltene Art, deren Raupen sich ausschließlich von den Früchten der ebenfalls gefährdeten Klappertopfpflanzen (Rhinanthus serotinus) ernähren, die es im Ostinnengroden Wangerooges häufig gibt. Darüber hinaus wurde ein Exemplar der als vom Aussterben bedroht geltenden Strand-Erdeule (Agrotis ripae) hervorgehoben, deren Larven Spezialisten für naturbelassene Strände sind.
Zwar wurden nur zwei Ohrenkneifer-Arten entdeckt, doch mehrere Sand-Ohrwurm-Exemplare (Labidura riparia) stellten einen besonderen Fund dar, wie Kay Fuhrmann erklärte. Erst 2022 war die Art im Nationalpark erstmalig durch den Nachweis eines Männchens von Norderney gemeldet worden. Neben ausgewachsenen Exemplaren wurden auch ein paar Jungtiere vorgefunden, sodass auf eine Etablierung dieser stark gefährdeten Art auf der Insel geschlossen werden kann.
Bei den Wirbeltieren wurden vier Säugetier-, drei Amphibien- und Reptilien- und 82 Vogelarten gemeldet. Richard Podlucky berichtete von mehreren Kreuzkrötenfunden (Epidalea calamita) in der Nacht. Mit besonderer Begeisterung berichtete Corinna Langebrake von der Sichtung eines Basstölpels (Morus bassanus), eines Schwarzhalstauschers (Podiceps nigricollis) sowie Individuen von vier unterschiedlichen Seeschwalbenarten.
Insgesamt wurde eine – vorläufige – Gesamtartenzahl von 678 Arten festgestellt, ein neuer Höchststand für diese Veranstaltung auf Wangerooge, der den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2017 übertrifft.
„Das zeigt erneut, wie reichhaltig die Biodiversität im Nationalpark Wattenmeer ist“, resümierte Peter Südbeck. „Es ist immer wieder beeindruckend und hoch motivierend zu sehen, mit welchem Engagement die Artenkenner*innen im Nationalpark unterwegs sind. Für ihre Mühen und die dadurch gewonnenen Erkenntnisse für unsere Naturschutzarbeit danke ich im Namen der Nationalparkverwaltung von Herzen.“