16.06.2014

Rückdeichung zeigt Erfolge für den Brutvogelschutz

Säbelschnäbler und andere typische Wattenmeervögel profitieren von der Renaturierung in Cappel-Neufeld – Eine kleine Sensation ist ein Brutpaar des seltenen Stelzenläufers
Stelzenläufer

Im Deichvorland bei Cappel-Neufeld, an der Wurster Küste südlich von Cuxhaven, wurden im Jahre 2008 Sommerdeiche geöffnet und Priele angelegt, um so den Tideeinfluss wiederherzustellen und den Nationalpark funktionell ein Stück größer zu machen. Die Maßnahmen erfolgten als Ausgleich für die Erweiterung des Containerhafens in Bremerhaven. „Durch die Sommerdeichöffnung wurde ermöglicht, dass sich wertvolle Salzwiesen entwickelt haben“, erklärt Peter Bartz, Gebietsbetreuer für die Wurster Küste bei der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven. „Gefährdete Vogelarten wie Kiebitz, Säbelschnäbler und Rotschenkel finden dort wieder ein geeignetes Bruthabitat, ihre Bestände haben sich gegenüber den konventionell genutzten Flächen erheblich erhöht“.

Eine absolute Besonderheit in diesem Jahr ist die Brut eines Paares von Stelzenläufern in der renaturierten Salzwiese. Der Stelzenläufer ist eine Vogelart aus der Familie der Säbelschnäbler. Verglichen mit anderen Arten von Watvögeln (Limikolen), die ohnehin alle durch lange Beine auffallen, hat der Stelzenläufer extrem lange, rote Beine, die ihm seinen Namen geben.

Stelzenläufer sind in der Roten Liste nicht als regelmäßige Brutvögel des Wattenmeeres verzeichnet, sie gehören gar nicht zur regulären Brutvogelwelt Deutschlands, sondern sie brüteten hier immer nur in einzelnen Paaren unregelmäßig. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt auf der Iberischen Halbinsel, im Mittelmeerraum sowie in den Niederungen Südosteuropas. Stelzenläufer besiedeln Feuchtgebiete mit ausgedehnten Flachwasserbereichen, Lagunen, Salinen und Steppenseen.

Wie die Vogelbeobachtungs-Plattform ornitho.de meldet, kam es in Deutschland seit Anfang April zu einem merklichen Einflug der Stelzenläufer, die zunächst im Süden, später auch im Norden auftraten. Nur von wenigen Standorten liegen jedoch Brutnachweise vor, so aus Bayern, vom Dümmer, aus Schleswig-Holstein und eben von der Wurster Küste. Ein weiteres Paar hat am südlichen Jadebusen in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark gebrütet.

Möglicherweise sind die Vögel durch die Trockenheit in südeuropäischen Feuchtgebieten gezwungen, außerhalb ihres eigentlichen Verbreitungsgebietes nach geeigneten Lebensräumen zu suchen. „Insofern freut es besonders, wenn solch exklusive Gäste die Renaturierungsflächen im Nationalpark zur Brutansiedlung nutzen, unterstreicht es doch, dass diese Art von Naturschutzmaßnahmen geeignet sind, den Nationalpark und das Weltnaturerbe Wattenmeer ein Stück besser zu machen“, so Nationalpark-Leiter Peter Südbeck.