01.10.2007

Der „Iron Man“ unter den Vögeln

Dass Vögel gerne und weit ziehen, ist Wattenmeer-Freunden bekannt, aber was jetzt ein Vogel geschafft hat, verdient schon besonderen Respekt: Eine Pfuhlschnepfe mit dem schönen Namen „E7“ hat es tatsächlich geschafft, 11.500 (! in Worten: elftausendfünfhundert) Kilometer „Non Stop“, ohne jede Pause, von Alaska nach Neuseeland zu fliegen. Und das in nur sieben Tagen, das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 56 km/h.
Pfuhlschnepfe

Andere Zugvogelarten wie die Seeschwalben fliegen zwar schon mal 20.000 Kilometer weit, leisten sich dabei aber den Luxus von kleinen Zwischenstopps.
Wie wurde der neue Rekord nun eigentlich ermittelt? Um das Zugverhalten der Pfuhlschnepfen zu erforschen, hatten neuseeländische Wissenschaftler 16 Vögel des pazifischen Bestandes mit kleinen Satellitensendern versehen. So konnten sie das Zugverhalten genau verfolgen. Was da an schier unglaublichen Flugbewegungen zusammenkam, zeigt ein Blick auf den Flugplan von „E7“:
- Mitte März: Abflug von Neuseeland, 10.000 km in Richtung China
- April/ Mai: Auftanken in China am gelben Meer
- Ende Mai: Weiterflug über den Pazifik, 7.300 km bis nach Alaska
- Juni bis August: Brut und Jungenaufzucht
- Ende August: Non-Stop-Rückflug 11.500 km von Alaska bis Neuseeland
- September: Ankunft in Neuseeland
„Hut ab, kleine Schnepfe!“
Und dabei hätte E7 bei ihrem Langstreckenflug den Verlockungen der Südsee erliegen und auf den Fidschi-Inseln oder auf Hawaii zwischenlanden können. Es wäre ihr auch möglich gewesen, den besonders beschwerlichen Weg über den offenen Pazifik abzukürzen. Hat sie aber nicht. Als wäre sie sich ihrer Mission eines neuen Streckenflugrekordes bewusst, flog sie geradewegs zurück nach Neuseeland. Für die Wissenschaftler ein deutliches Zeichen, dass für die Pfuhlschnepfe solche Entfernungen keine Besonderheiten sind.
Bei ihren Flügen ist die Pfuhlschnepfe übrigens nicht allein unterwegs, sie bevorzugt kleine Reisegesellschaften zwischen 30 und 70 Tieren, die sich dann an ihren Rastplätzen zu großen Trupps vereinen.
Wer Artgenossen dieser Hochleistungssportler gern einmal sehen möchte, braucht aber nicht extra zum Pazifik zu reisen. Pfuhlschnepfen sind regelmäßig bei uns im Nationalpark zu Gast. An ihrem langen, leicht nach oben gebogenen Schnabel, mit dem sie im Watt nach Würmern stochern, sind sie gut zu erkennen.
Bis zu 60.000 Pfuhlschnepfen rasten jetzt im Herbst im deutschen Wattenmeer. Im Frühjahr, wenn zwei Populationen durchziehen, können es sogar doppelt so viele sein. Während der europäische Bestand, der in Nordskandinavien brütet und an den Küsten von Deutschland bis Spanien überwintert, je nach Witterungsverlauf z.T. nur schlappe 1500 km weit fliegt, bringt es der sibirische Bestand auf seinem Weg von den Brutgebieten Sibiriens über das Wattenmeer bis hin zu den Überwinterungsgebieten in West- und Südafrika immerhin auf stolze 8.000 bis 10.000 Kilometer Flugstrecke pro Weg.
Nicht überall erfahren die tapferen Vögel die nötige Gastfreundschaft. So bedrohen z. B. Großeindeichungen in Korea und China die Rastgebiete der dortigen Population. Umso wichtiger ist es, dass wir in unserem Nationalpark alles tun, um das Überleben der hiesigen Population dieser erstaunlichen Vogelart zu sichern.
Und noch eine wichtige Sache machen uns diese gefiederten Weltenbummler deutlich: Effektiver Vogelschutz endet nicht an den Grenzen eines Schutzgebietes, sondern erfordert weltweite Bemühungen.
 

Der Nationalpark für Entdecker (Oktober 2007)