01.01.2008

Machen Fische Pipi?

Dass Fische im Wasser leben, atmen, fressen und schlafen, ist nichts Neues. Aber es drängt sich die Frage auf: Trinken sie das Wasser auch? Und müssen sie dann auch „Wasser lassen“? Um es kurz zu machen: Ob Fische trinken, hängt davon ab, wo sie leben.
Flunder

Es trinken nur die Fische, die im Salzwasser leben. Süßwasserfische trinken nicht. Unsere Salzwasserfische müssen sogar sehr viel trinken, ansonsten würden sie im Wasser „austrocknen“. Verantwortlich dafür ist die Osmose, ein Phänomen, an das sich der eine oder die andere vielleicht noch aus dem Biologie- oder Chemieunterricht erinnern kann: Zwei Flüssigkeiten mit unterschiedlicher Konzentration gelöster Teilchen (in unserem Fall das Salz), die durch eine halbdurchlässige Wand (hier: die Fischhaut) getrennt sind, haben die Tendenz, diesen Konzentrationsunterschied auszugleichen.
Da der Salzgehalt in den Körpersäften der Salzwasserfische wesentlich niedriger ist als im Meerwasser, tritt ständig Flüssigkeit über die Haut der Fische aus. Diese Flüssigkeit müssen die Fische wieder ausgleichen, indem sie über Mund, Schleimhaut und Kiemen Wasser aufnehmen. Salzwasserfische trinken also ziemlich viel! Aber so richtig beobachten kann man sie dabei nicht. Denn wenn Fische ihr Maul öffnen und schließen, dann trinken sie natürlich nicht immer, sondern meistens pressen sie das Wasser nur durch ihre Kiemen, um zu atmen.
Keine Regel ohne Ausnahme: Um sich das lästige Dauertrinken zu ersparen, haben Haie und Rochen die Natur überlistet. Sie speichern salzhaltigen Harnstoff in ihren Körperzellen und stellen so ein chemisches Gleichgewicht zwischen dem Meerwasser und ihrer Körperflüssigkeit her. Mit seiner besonderen Duftnote sorgt der eingelagerte Harnstoff allerdings auch dafür, dass manche Haie etwas müffeln.
Bei Süßwasserfischen funktioniert die Osmose genau umgekehrt: Bei ihnen ist die Konzentration von Salz im Körperinneren größer als im umgebenden Wasser. Der leicht salzhaltige Fisch ist somit umgeben von salzarmem Wasser. Hier bewirkt die Osmose, dass das salzarme Wasser ständig über die Kiemen und die Hautoberfläche in die Fische eindringt, um den Unterschied der Salzgehalte abzubauen. Da Süßwasserfische auf diese Weise mit ausreichend Wasser versorgt sind, trinken sie nicht.
Und wie sieht es nun mit dem „Wasser lassen“ aus? Auf die Toilette muss man, weil der Körper nicht alles brauchen kann, was er durch Essen oder Trinken oder - wenn man ein Fisch ist - über die Haut zugeführt bekommt. Zwar braucht der Körper auch Salze, aber nur eine gewisse Menge. Überflüssige Salze werden wieder ausgeschieden, und zwar normalerweise mit dem Urin. Da aber Meeresfische die im Meerwasser gelösten Salze schon größtenteils in der Kiemenregion herausfiltern und die aufgenommene Flüssigkeit überwiegend über die Haut ausscheiden, geben sie nur noch sehr wenig Harn ins Wasser ab.
Süßwasserfische hingegen, die permanent über die Haut Wasser aufnehmen, müssen sogar sehr viel Energie darauf verwenden, dieses ständig wieder über die Nieren auszuscheiden. Ansonsten würden sie irgendwann platzen. Diesen Effekt kennen wir von Kirschen, die nach einem starken Regen erst anschwellen und dann aufplatzen. Um diesem Schicksal zu entgehen, produzieren Süßwasserfische ständig große Mengen stark verdünnten Urins, immerhin bis zu 20 Prozent ihres Körpergewichts pro Tag.
Vereinfacht lässt sich daher sagen: Süßwasserfische trinken nicht, produzieren dafür viel Urin, Salzwasserfische trinken viel und machen wenig Pipi.
-Eines von vielen Wundern der Natur, die es im Nationalpark zu entdecken gibt.
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Der Nationalpark für Entdecker (Januar 2008)