01.12.2008

Federleichter Tausendsassa

Stellen Sie sich einmal vor, jemand, der Ihnen lieb und teuer ist, würde sich zu Weihnachten nichts sehnlicher wünschen als eine Jacke, die nicht nur wärmt und vor Wind und Regen schützt, sondern dabei noch federleicht ist, farbenprächtig und schick aussieht, leicht zu reinigen und zu flicken ist und, als sei das alles noch nicht genug, mit der man auch noch fliegen kann. Die Vorweihnachtszeit wäre für Sie wohl gelaufen. Aber das, was Heerscharen von Textil-Entwicklern verzweifeln ließe, haben die Vögel in ihrer Entwicklungsgeschichte geschafft: die Vogelfeder. In ihrer Multifunktionalität ist sie eine echte Meisterleistung der Evolution.
Blaukehlchen

Grundsätzlich werden zwei Arten von Federn unterschieden: die Konturfedern, die dem Vogel sozusagen seine äußere Gestalt geben, und die Daunen- oder Dunenfedern, die das Unterkleid bilden.
Die Konturfedern bestehen im Prinzip aus dem langen, festen Federkiel und der äußeren und inneren Federfahne. Vom Federkiel gehen nach vorn und hinten Federäste aus, auf denen wiederum zahllose Bogenstrahlen und Hakenstrahlen sitzen. Die feinen Häkchen der Hakenstrahlen verhaken sich, wie ein Klett- oder Reißverschluß, immer wieder mit den Bogenstrahlen des benachbarten Federastes So sorgen sie für die notwendige Steifheit und Festigkeit der Federfahne und bewirken in genialer Weise, dass sich zerwuselte Federn mit einem Schnabelstrich wieder in Ordnung bringen lassen.
Bei den Konturfedern unterscheidet man die Körperfedern, die den Rumpf bedecken, die stabilen Schwungfedern, die die eigentliche Tragfläche der Flügel bilden, die Steuerfedern des Schwanzes sowie die Deckfedern, zu denen die übrigen Federn an Flügel und Schwanz gehören.
Aus eigener kuscheliger Erfahrung können wir eine der wichtigsten Funktionen der Vogelfeder an der eigenen Haut erfahren, wenn wir in unsere Daunenjacke schlüpfen oder unter unser Federbett krabbeln: die Kälte isolierende Wirkung - im Laufe der Evolution der Feder wohl ihre erste hauptsächliche Bedeutung. Sie wird in perfekter Weise von der zweiten Federart, der Dunenfeder, wahrgenommen. Bei dieser reinen Wärmefeder sitzt auf einer winzigen Spule, so nennt man den festeren Schaft der Feder, ein Büschel kurzer, nicht verzahnter Äste, die mit ihren zahlreichen Zwischenräumen für ein perfekt isolierendes Luftpolster sorgen.
Erst später kam die zweite wichtige Aufgabe dazu, das Fliegen. Hier war es die Herausforderung, große Tragflächen zu bilden, die leicht, aber stabil sind, die elastisch, aber nicht winddurchlässig sind. Wer einmal die Leichtigkeit gesehen hat, mit der eine Silbermöwe im Segelflug einem Schiff folgt, oder eine Rohrweihe beim schaukelnden Beuteflug über den Salzwiesen beobachtet hat, weiß, dass auch diese Aufgabe mit Bravour von der Natur erledigt wurde.
Aber die Feder leistet noch viel mehr. Die Gefiederfarbe lässt einen Vogel, je nach Zweck, ganz unscheinbar oder besonders auffällig wirken. Die Tarnfärbung lässt z.B. den Seeregenpfeifer auf seinem Gelege völlig „verschwinden“. Prächtige, bunte oder kontrastreiche Federn vieler Vogelmännchen hingegen, wie wir sie beim Eidererpel, dem Kampfläufer oder dem Blaukehlchen finden, sind allein dafür da, um Eindruck bei der Damenwelt zu schinden. Besonders erstaunlich sind die so genannten Puderfedern z.B. des Graureihers, die durch Zerreiben einen feinen wasserabweisenden Staub produzieren. In Wüstengegenden übernehmen die Federn der Flughühner sogar die Funktion des Wassertransportes zur Versorgung der Küken. Und selbst als Musikinstrument finden Federn Verwendung: Das charakteristische Meckern der Bekassine beim Sinkflug wird mit Hilfe der Federn erzeugt.
Wir Menschen aber sind schon mit der isolierenden Wirkung dieses Wunderwerkes der Natur zufrieden, wenn wir über die Feiertage etwas länger „in den Federn“ bleiben oder in unserer Daunenjacke einen Weihnachtsspaziergang an der Küste machen.
Fröhliche Weihnachten und ein gesundes Jahr 2009 voller neuer Entdeckungen der großen und kleinen Wunder der Natur und Landschaft des Nationalparks wünscht Ihnen Ihre Nationalparkverwaltung
 

Der Nationalpark für Entdecker (Dezember 2008)