01.06.2009

Zuviel Salz in der Suppe

Die Sommerferien stehen vor der Tür und viele Urlauber und Küstenbewohner werden wieder die heißen Sommertage bei einem Sonnenbad an der Nordsee genießen und sich anschließend in den kühlen Nordseewellen erfrischen. Doch neben den fleißigen „Wasserratten“ unter uns, gibt es viele Tiere, die sich bei auflaufendem Wasser mit ganz anderen Dingen beschäftigen, als sich abzukühlen. Auf sechs Beinen in der Salzwiese oder rastend am Rande der Gezeiten mussten viele Wattenmeerbewohner ganz eigene Strategien entwickeln, um mit dem hohen Salzgehalt der Nordsee und der ständigen Überflutung ihrer Lebensräume klar zu kommen.
Insekten der Salzwiesen

Bei den typischen marinen Arten wie Krebsen, Muscheln, Wattschnecken oder Meeresfischen ist ihr ganzer Stoffwechsel auf das Leben im und am Salzwasser eingestellt. Ihnen würde Süßwasser Probleme bereiten. Aber es gibt auch Tierarten die eigentlich eher an das Leben an Land angepasst sind, aber dennoch mit dem vielen Salz zumindest zeitweise klar kommen müssen. So steht auf dem Speiseplan vieler Vögel, die im Nationalpark brüten oder rasten, meist salzige Nahrung, in Form der zahlreichen wirbellosen Tiere des Watts. Beim genüsslichen Verzehr ihrer Mitbewohner nehmen dann auch die Vögel unweigerlich große Mengen Salz zu sich. Um dieses wieder los zu werden, haben sie zwei besondere Mechanismen entwickelt. Zum einen haben Vögel, wie die Silbermöwe, spezielle Drüsen im Kopf über den Augen, die so genannten Salzdrüsen, über die ein stark salzhaltiges Sekret in die Nasenlöcher abgegeben und von dort ausgeschieden wird. Zum anderen scheiden die Vögel einen großen Teil des Salzes als Harnsäure aus.
Neben den Vögeln gibt es aber noch eine weitere artenreiche Gruppe, die sich im sporadisch überfluteten Bereich des Wattenmeeres aufhält: etwa 2000 verschiedene Insektenarten leben allein in den Salzwiesen. Sie alle haben ihre eigenen Anpassungsstrategien entwickelt, um mit dem Salzgehalt und der regelmäßigen Überflutung zurecht zu kommen. Aber wie überleben die Insekten das Salzwasser?
In der Nahrung kann zu viel Salz tödlich sein, da der hohe Salzgehalt den Körper entwässert und ihn so mit der Zeit austrocknet. Einige Arten versuchen daher möglichst Pflanzen und Tiere zu fressen, die das Salz schon ausgeschieden haben oder saugen nur an solchen Pflanzen, die einen sehr niedrigen Salzgehalt aufweisen. Andere wiederum, wie die Salzkäfer, sammeln ihre Nahrungsvorräte unmittelbar nach Regenfällen zusammen und verhindern so die Aufnahme großer Salzmengen. Außerdem sind die Insekten mit ihrem Körperbau zumeist bestens auf das Salz vorbereitet, da ihr Chitinpanzer mit einer wasser- und salzundurchlässigen Wachsschicht überzogen ist.
Für den Schutz gegen Überflutung gibt es ebenfalls eine Menge Tricks: das Leben im Pflanzeninneren, was viele der Salzwieseninsekten für ihre Larven bevorzugen, das Leben im Boden, mit verschließbarem Höhleneingang oder aber eine `Rettungsweste´ aus wasserabweisenden Haaren.
Geflügelte Insekten sind schon durch die Salzwassergischt gefährdet, da ihre Flügel leicht verkleben und so Schaden nehmen können. Sie können sie zwar durch kräftige Flügeldecken schützen, aber überwiegend versuchen sie die wassernahen Salzwiesenbereichen zu meiden und den dort wunderschön blühenden Pflanzen zu widerstehen. Einige Blattläuse fliegen z.B. so lange, bis das Wasser „aus Sichtweite“ ist, um zu verhindern, dass ihre Flügel damit benetzt werden.

Nach so vielen abwechslungsreichen Ideen, wie man den salzigen Nordseewellen trotzen kann, bleibt uns eigentlich nur noch übrig Ihnen schöne Sommerferien und viele sonnige Tage zu wünschen!
Ihre Nationalparkverwaltung

Der Nationalpark für Entdecker (Juni 2009)