15.02.2011

Wangerooge: „Runderneuerung“ für bedrohte Lebensräume

Auf der Insel Wangerooge wurden jetzt Pflegemaßnahmen durchgeführt, damit die Besenheide sich verjüngen kann und die Laichgewässer der bedrohten Kreuzkröte erhalten werden. Die tiefgreifende Pflegemaßnahmen beruhen auf fachlichen Konzepten und Erfahrungen. Die Flächen sollen nicht betreten werden, damit die jungen Heidepflanzen schnell Fuß fassen können.
Entfernung des Oberbodens im Heidegebiet Wangerooge

In den letzten Tagen haben Einheimische und Gäste der Insel Wangerooge verwundert, teilweise auch verärgert reagiert, nachdem im Zusammenhang mit Maßnahmen für den Artenschutz im Heidegebiet und im Ostinnengroden umfangreiche Erdarbeiten erfolgt waren. Die Nationalparkverwaltung hatte zwar vorab in der regionalen Presse angekündigt, dass vom 24.01. bis zum 07.02.2011 Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, doch für aufmerksame Naturbeobachter erschließt sich trotzdem nicht ohne Weiteres, warum stellenweise „das Unterste zuoberst gekehrt“ wurde. Deshalb soll der Sinn der Maßnahmen hier noch einmal ausführlicher erläutert werden.

Bei den Pflegemaßnahmen standen die Besenheide bzw. im Bereich der Gewässer die hochgradig gefährdete Kreuzkröte im Mittelpunkt.

Die Heidegebiete auf Wangerooge sind in dieser Ausprägung einzigartig für den Nationalpark. Hier hatte sich die Kartoffelrose in den letzten Jahrzehnten stark ausgedehnt, so dass ohne einen pflegenden Eingriff die Existenz der großflächigen Heidebestände bedroht wäre.
In der Alterungsphase bilden Besenheidebestände eine Rohhumusschicht aus, die eine Verjüngung der Heide verhindert. Zur Pflege der Heide ist es deshalb notwendig, den Oberboden bis zum mineralischen Untergrund frei zu schälen. Der nun anstehende nährstoff- und basenarme (=saure) Rohboden ist die beste Grundlage zur Keimung der Heide, die in die freigelegten Flächen von den Seiten durch Samenflug wieder einwandern wird. Auch wenn das Ergebnis der Pflegemaßnahme auf den ersten Blick abschreckt, ist das Abschälen der Heide samt Rohhumusschicht die geeignete Grundlage für ein erneutes Keimen der Besenheide. Diese Technik hat sich in anderen Heidegebieten vielfach bewährt, so in der Lüneburger Heide.

Die Kreuzkröte, die auf der Insel Wangerooge noch ein bedeutendes Vorkommen hat, benötigt nährstoffarme, sandige Laichgewässer. In der Heide sowie im Grünland des Ostinnengroden gibt es einige wichtige Kreuzkrötengewässer, die allerdings zunehmend verlanden. Um diese Lebensräume zu erhalten, wurden Schilf und nährstoffreiche Ablagerungen aus den Gewässern entfernt. Kartoffelrosen, die in die Gewässerränder zum Teil großflächig hineingewachsen sind, wurden abgeschält und die Gewässerränder abgeflacht.

Eine ergänzende Pflege von Hand wird voraussichtlich im Sommer durch eine Gruppe der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste erfolgen. Kartoffelrosen, die sich doch wieder durchsetzen, werden einzeln mit dem Spaten ausgegraben.

Damit die Regeneration der Heide eine Chance hat, sollten die Flächen möglichst nicht betreten werden. Punktuell werden dafür Schilder angebracht werden, die auf diese Maßnahme des Pflanzenartenschutzes hinweisen werden.

Die Pflegemaßnahmen wurden durch eine Kampfmittelbergungsfirma begleitet, um den Gefahren durch Kriegsaltlasten vorzubeugen. Es wurden einige Bombensplitter und eine abgebrannte Brandbombe sondiert und sichergestellt. Aktive Kriegsaltlasten wurden glücklicherweise nicht gefunden.