Vogelreich

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer bietet über das Jahr Lebensraum für Millionen von Vögeln. Dabei ist die vogelreichste Phase nicht etwa das Frühjahr zur Rastzeit, sondern ab der zweiten Augusthälfte bis in den September hinein: Brut- und ganzjährig hier lebende Standvögel treffen jetzt auf die gefiederten Durchzügler samt diesjährigem Nachwuchs auf dem Rückflug aus den arktischen Brutrevieren. Zudem sind von derzeit noch etwa 50.000 Brandgänse im Wattenmeer vor Dithmarschen zur Mauser versammelt.

Beispiel 1: Häufigste Zugvögel im Nationalpark Wattenmeer sind die Alpenstrandläufer, die vor allem durch ihre an wabernde Wolken erinnernden Flugformationen auffallen. Als Brutvogel allerdings verschwinden sie nach und nach aus der Region. Die Rastvogelpopulation der Westküste brütet in den Weiten der arktischen Tundra. Schon nach drei Wochen sind die Jungvögel flügge und machen sich kurz nach den Eltern auf den Weg in Richtung Wattenmeer. Hier futtern sich die starengroßen Schnepfenvögel, wie andere Rastvögel, die Energiereserven an, die sie für den kräftezehrenden Weiterzug gen Süden brauchen. Die meisten Alpenstrandläufer werden das Wattenmeer bis Ende Oktober verlassen und überwintern von den Britischen Inseln über Frankreich bis Mauretanien/Westafrika.

Beispiel 2: Ihre auffällige schwarz-weiß-braune Zeichnung mit leuchtend rotem Schnabel macht die Brandgans unverwechselbar. Da ist es Nebensache, ob es sich bei diesem Vogel um eine Gans oder eine Ente handelt (Brandente ist ihr zweiter, weniger bekannter, aber von Ornithologen bevorzugter Name). Brandgänse brüten an nahezu allen Küsten Europas. Einen großen Teil des nord- und mitteleuropäischen Bestandes, insgesamt geschätzte 150.000 Tiere, zieht es jedoch im Juli und August ins schleswig-holsteinische Wattenmeer. Vor der Küste des südlichen Dithmarschens wechseln sie ihr Federkleid. Während der Mauser sind die Tiere flugunfähig, deshalb brauchen sie in dieser Lebensphase ungestörte Ruhe.

Beispiel 3: Er gilt als Charaktervogel des Wattenmeeres und ist an seinem auffälligen schwarz-weißen Gefieder, dem langen, orangeroten Schnabel und dem schrillen, durchdringenden Ruf gut zu erkennen. Der Austernfischer ist der Tausendsassa unter den Küstenvögeln, kommt im Nationalpark als Brut-, Rast- und ganzjähriger Standvogel vor. Allerdings gehört der auch Halligstorch genannte, 39 bis 44 Zentimeter große Watvogel zu den Sorgenkindern des Naturschutzes, weil zu denen, deren Bestand seit Jahren kontinuierlich zurückgeht. An der Nordseeküste Schleswig-Holsteins brüten derzeit (noch) rund 10.000 Austerfischerpaare, im gesamten deutschen Wattenmeer sowie im küstennahen Binnenland sind es etwa 25.000.

Neben den drei genannten zählen Silbermöwen und Ringelgänse zu den insgesamt häufigsten Vögeln im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Mehr über diese „Flying Five“ erfahren Sie in dem gleichnamigen Faltblatt.

Kleine Fotos: © Stock / LKN.SH

Auf Vogelexkursion kann man an unzähligen Orten im und am Nationalpark Wattenmeer gehen, an der Festlandsküste ebenso wie auf Inseln und Halligen. Wichtigste Voraussetzung: die Gezeiten beachten! Denn nur bei Flut versammeln sich besonders die arktischen Watvögel auf den Vorländern, teilweise auch im Binnenland und sind dann vom Deich aus gut zu sehen. Naturfreunde wissen schließlich: aus der Distanz beobachten – gern, näherkommen und stören – bitte nicht!

Hier eine kleine Auswahl an Vogelsammelplätzen entlang der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ohne Anspruch auf Vollständigkeit: das Rantumbecken und der Königshafen auf Sylt, die Godelniederung auf Föhr, die Kniepbucht südlich von Wittdün auf Amrum, am Festland der Rickelsbüller und der Haike-Haien-Koog, die Hamburger Hallig und der Beltringharder Koog, die Husumer Bucht (Südseite oder nördlich des Dockkooges), der Bereich Westerhever/Tümlauer Bucht, das Katinger Watt, der Meldorfer Speicherkoog und die Vorländer bei Friedrichskoog. Die sicherste Methode, um gute Beobachtungsstandorte zu finden und zudem noch viel über die Vogelwelt des Wattenmeeres zu erfahren, ist übrigens eine geführte Wanderung mit den Experten der im Wattenmeer tätigen Naturschutzverbände!

Foto: © Stock / LKN.SH