Beitritt zur Biosphäre?

Wird Pellworm Teil der Entwicklungszone des „Biosphärengebietes Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen“? Diese Frage beschäftigt derzeit Einwohner und Politik in der Gemeinde. Bei einer kürzlich eigens zu diesem Thema einberufenen Bürgerversammlung äußerte Bürgermeister Jürgen Feddersen sich vorsichtig positiv: Die Anerkennung als „UNESCO-Biosphärenreservat“ würde nicht nur die Bekanntheit der grünen Insel im Wattenmeer stärken, sondern auch die beispielhafte nachhaltige Entwicklung unterstützen, der sich Pellworm, etwa im Bereich erneuerbare Energien, verschrieben hat.

Zum Hintergrund: Der Begriff „Biosphäre“ geht zurück auf das Programm „Man and Biosphere“ (MAB/Der Mensch und die Biosphäre) der Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen (UNESCO). Dabei soll in Modellregionen eine nachhaltige Entwicklung beispielhaft verwirklicht werden. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer gehört seit 1990 zu dem Verbund von weltweit mittlerweile 669 Biosphärengebieten (in Deutschland sind es 15), seit 2004 als Entwicklungszone auch die nordfriesischen Halligen Gröde, Hooge, Langeness, Nordstrandischmoor und Oland.

Bei der gut besuchten Versammlung auf Pellworm erläuterten Leiter Detlef Hansen und Fachbereichsleiterin Kirsten Boley-Fleet aus der Nationalpark- und Biosphärenverwaltung sowie Sabine Müller von der Geschäftsstelle „Biosphäre Halligen“ die Struktur und Zonierung des insgesamt 443.000 Hektar umfassenden „Biosphärenreservates Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen“. Besonders in der Entwicklungszone Halligen werden die Stärken und Potenziale sowohl der Natur- als auch der Kulturlandschaft Wattenmeer verbunden, um die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Vorschriften oder gesetzliche Regelungen, wie dies im Detail geschehen soll, habe die UNESCO nicht definiert, sagte Kirsten Boley-Fleet. Gemeinsame Entwicklungsziele können miteinander bestimmt und durch Projekte in die Praxis umgesetzt werden. Von großem Vorteil sei dabei die ganzheitliche Betrachtung aller Handlungsfelder wie Landwirtschaft, Tourismus, Verkehr, Energie. Von ihrer naturräumlichen Ausstattung und den bereits laufenden Projekten und Maßnahmen in Sachen Nachhaltigkeit eigne sich Pellworm optimal dafür, Teil der Entwicklungszone zu werden. Ein Gewinn an Bekanntheitsgrad und Image, Rückenwind beim Ausbau des Naturtourismus, ein Alleinstellungsmerkmal, das beim Werben um Fördermittel Pluspunkte bringe, regionale und überregionale Vernetzung – das sind nach ihrer Darstellung nur einige der Vorteile.

Stärkung der regionalen Identität

Für die Halligen habe der Beitritt zum Biosphärenreservat zudem viel zur Stärkung der regionalen Identität beigetragen, ist der Leiter der Nationalparkverwaltung Detlef Hansen überzeugt: „Das haben wir mit Freude beobachtet.“ Biosphärenreservat, Nationalpark und Welterbe zusammen zu denken und zu schützen – das nütze nicht nur der einzigartigen Natur des Wattenmeeres, sondern auch den dort lebenden Menschen. Hansen: „Pellworm könnte, als Teil dieses Verbundes, davon in vielfältiger Weise profitieren.“

Wie geht es weiter in Sachen Biosphäre auf der 1.150-Einwohner Insel? Zunächst ist nach Aussage von Bürgermeister Feddersen ein Grundsatzbeschluss der Gemeindevertretung notwendig, der eine mögliche Antragstellung weiter vorbereitet (siehe auch unten stehendes Drei-Fragen-Interview).  Im positiven Fall sollten dann die verschiedenen Handlungsfelder in einer Projektgruppe genauer betrachtet, Ziele und Vorgehen definiert werden. Auf der Basis dieser Ergebnisse solle dann die Gemeindevertretung abschließend über die Antragstellung beraten und abstimmen. Wie 2004 bei den Halligen, erfolgt diese über das Land Schleswig-Holstein bei der UNESCO.

Kleines Foto: © Fänger